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Lietzensee

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Lietzensee
Der Lietzensee und die umliegende Bebauung
Der Lietzensee und die umliegende Bebauung
Geographische Lage Berlin
Daten
Koordinaten 52° 30′ 28″ N, 13° 17′ 18″ O52.50777777777813.288333333333Koordinaten: 52° 30′ 28″ N, 13° 17′ 18″ O
Lietzensee (Berlin)
Lietzensee
Fläche 6,6 haf5
Maximale Tiefe 4 mf10

Der Lietzensee ist ein innerstädtischer See im Berliner Ortsteil Charlottenburg des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Der sichelförmige See hat eine Fläche von 6,6 Hektar und ist 3 bis 4 Meter tief. Die umliegenden Parkanlagen des Lietzenseeparks sind weitere 10,1 Hektar groß. Der Park wurde 1918–1920 von Gartendirektor Erwin Barth angelegt.

Namensherkunft

Der Name Lietzensee stammt vom Dorf Lietzow bzw. Lützow, das im Jahr 1719 in die damalige Stadt Charlottenburg eingemeindet wurde. Es gehörte zum Benediktinerinnenkloster St. Marien und wurde von den Nonnen als Fischteich genutzt. Die Worte Lietzow, Lützow, Lusce, u. ä. werden aus dem slawischen Wort luccina hergeleitet, was so viel heißt wie „Sumpf“ oder „Lache“.[1]

Oft wird der Name auch auf die alte Berliner Bezeichnung Lietze für das Blässhuhn zurückgeführt. So findet sich im Organ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft von 1855 der Eintrag:

„Fulica atra, Blassente, Lietze. (So heisst ein See bei Charlottenburg, auf dem dieser Vogel haufig ist, der Lietzensee).“

Naumannia: Archiv für die Ornithologie Vorzugsweise Europa's[2]

Eine Sage liefert noch eine dritte Erklärung für die Bezeichnung Lietzensee:[3] Alte Bewohner der Gegend berichteten, dass in dem See vor vielen Jahren ein ganzer Ort versunken wäre, bei dem es sich um das Dorf Lützow (Lietzow) gehandelt habe. Der Grund für den Untergang sei nicht bekannt, aber manchmal stießen die Fischer mit ihren Booten mitten auf dem See an die versunkene Kirchturmspitze oder ihre Netze verfingen sich daran. Deshalb eigne sich das Gewässer auch nicht zum Fischen. In dem Ort Charlottenburg, der ja aus dem Dorf Lietzow hervorging, soll es in späteren Zeiten dagegen gespukt haben – von plötzlichen Bodenbränden oder herumgeisternden Hunden wird erzählt.

Geografie und Lage

Der Lietzensee befindet sich in der dichtbesiedelten Ortslage Witzleben, das nach Norden vom Kaiserdamm, nach Westen von der Trasse der Ringbahn, nach Süden von der Stadtbahn-Trasse und nach Osten von der Suarezstraße begrenzt wird. Seit 1904 ist der See durch einen – für die Neue Kantstraße aufgeschütteten – Damm in eine Nord- und Südhälfte geteilt, die seit 1954 durch eine Unterführung miteinander verbunden sind.

Geologisch ist der Lietzensee der nördlichste See der Grunewaldseenkette, die sich auf dem Boden eines eiszeitlichen Urstromtals entwickelte. Er ist heute vollständig grundwassergespeist, der Abfluss erfolgt unterirdisch in die nördlich gelegene Spree.

Geschichte des Sees und des Lietzenseeparks

Der Lietzensee, im Hintergrund der Funkturm
Die große Kaskade

Der See existierte bereits vor der Besiedlung des Gebietes und lag mitten in einem Wald. 1824 erwarb der spätere preußische Staats- und Kriegsminister Job von Witzleben den Lietzensee und ließ in den Folgejahren erste Parkanlagen anlegen. Als besondere Attraktion wollte er inmitten des Sees eine Insel aufschütten lassen. Doch soviel Schutt und Erde die beauftragten Bauleute auch in das Gewässer einfüllten, das Material reichte nicht und so musste das Vorhaben fallen gelassen werden.[3] Nach dem Tod Witzlebens 1837 wechselte der See mehrfach den Besitzer. So erwarb 1840 der Kunstgärtner Ferdinand Deppe die Besitzung und machte sie mit einer Rosen- und Georginenzucht zu einer besonderen Sehenswürdigkeit. Dennoch blieben die Parks öffentlich zugänglich.

1905 wurden vornehme Mietshäuser direkt am Ostufer des Lietzensees gebaut. Dabei wurden drei Grünflächen ausgespart: der Witzlebenplatz, der Kuno-Fischer-Platz und der Dernburgplatz. Ein Beschluss des Charlottenburger Stadtrats im Jahre 1910 verhinderte die totale Bebauung des West- und Nordufers. Diese Aufteilung des Ufergeländes ist bis heute erhalten geblieben.

Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wurden unter Leitung von Erwin Barth von 1918 bis 1920 neue Grünflächen um den Lietzensee im Jugendstil angelegt. Die Entwürfe dazu stammten von 1912, dem Jahr, in dem Barth zum Gartendirektor von Charlottenburg ernannt worden war.

Zu den entstandenen Bauten gehören

  • die Große Kaskade, 1912/1913 von Erwin Barth und Heinrich Seeling angelegt am Südende des Sees, dem Dernburgplatz, (2005/2006 von der Stiftung Denkmalschutz Berlin restauriert)
  • die Kleine Kaskade am Nordwestufer,
  • das Parkwächterhaus von Rudolf Walter von 1924/1925.

Im Park stehen mehrere Denkmale und Skulpturen, u. a. seit 1925 das Gefallenendenkmal des Königin-Elisabeth-Garde-Regiments Nr. 3 von Eugen Schmohl. Eine für diesen Park geschaffene Diana sowie ein Bogenschütze von Hugo Lederer wurden 1943 während des Zweiten Weltkrieges zu Gunsten der Waffenproduktion eingeschmolzen. 1962 bekam die Stadt einen Sandalenlösenden Knaben aus dem Nachlass des Bildhauers Fritz Röll geschenkt. Das 1909 mit dem Großen Staatspreis ausgezeichnete Werk wurde hier aufgestellt. Des Weiteren befinden sich hier noch ein Speerträger von Bernhard Bleeker (1940), eine Vogeltränke mit zwei Seelöwen von Rosemarie Henning (1955) sowie zwei Aluminiumplastiken von Volkmar Haase aus den 1990er-Jahren.

Heute ist der Park eine denkmalgeschützte Gartenanlage. Die Große Kaskade und das Parkwächterhaus sind Baudenkmale.

Galerie

Literatur

  • Irene Fritsch: Leben am Lietzensee. edition Berlin im Metropol Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-932482-90-5.
  • Sonja Miltenberger: Charlottenburg in historischen Karten und Plänen. Berlin 1998, ISBN 3-932202-32-5.

Weblinks

 Commons: Lietzensee – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Irene Fritsch: Leben am Lietzensee. edition Berlin im Metropol Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-932482-90-5; S. 12.
  2. Internet Archive Organ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, Jahrgang 1855.
  3. 3,0 3,1 Der Lietzensee und der Spuk in Charlottenburg. In: Der Stralauer Fischzug. Sagen, Geschichten und Bräuche aus dem alten Berlin. Verlag Neues Leben Berlin 1987, ISBN 3-355-00326-3; S 108/109


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