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Lernen am Modell

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Die Artikel Lernen am Modell und Sozialkognitive Lerntheorie überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zu vereinigen. Beteilige dich dazu an der Diskussion über diese Überschneidungen. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz. Zulu55 (Diskussion) Unwissen 13:22, 22. Okt. 2013 (CEST)

Lernen am Modell (oder auch Modell-Lernen oder Modelllernen[1]) bezeichnet eine kognitivistische Lerntheorie. Es werden darunter Lernvorgänge verstanden, die auf der Beobachtung des Verhaltens von menschlichen Vorbildern beruhen. Die persönliche Anwesenheit dieser Vorbilder (Modelle) ist dabei von untergeordneter Bedeutung.

Andere Bezeichnungen sind Beobachtungslernen, Nachahmungslernen, Imitationslernen, soziales Lernen, Identifikationslernen, Rollenlernen und stellvertretendes Lernen.[2] Die einzelnen Bezeichnungen können je nach Autor auch unterschiedlich verwendet werden. Das „Lernen am Modell“ gilt als dritte Form des menschlichen Lernens, da es zeitlich nach der instrumentellen und operanten Konditionierung und der Klassischen Konditionierung entdeckt wurde.

Es gibt mehrere Lerntheorien des „Lernens am Modell“. Im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreitet ist die Sozialkognitive Lerntheorie von Albert Bandura (1963).

Einordnung

Im Vergleich zur Klassischen Konditionierung und zur Operanten Konditionierung kommt dem Lernenden beim Modell-Lernen eine aktivere Rolle zu. Der Mensch lernt von Vorbildern und ahmt ihr Verhalten nach, wenn es denn zu den vom Lernenden gewünschten Folgen führt. Die frühkindliche Nachahmung (Spiegelneurone) findet auch dann statt, wenn unerwünschte Folgen auftreten und der Zusammenhang noch nicht reflektiert werden kann.

Formen des Modelllernens

  • Aufbau neuer Verhaltensweisen: Verhaltensweisen, die sich nicht im Repertoire der Person befinden, werden erlernt.
  • Modifikation bestehender Verhaltensweisen: Hemmung/Enthemmung bei negativen/positiven Verhaltenskonsequenzen.
  • Schaffung diskriminativer Hinweisreize: Modellverhalten als Hinweisreiz, der das Auftreten bereits erlernten Verhaltens erleichtert.

Unter Modelllernen versteht man generell das Beobachtungslernen. Das bedeutet, dass man das Verhalten anderer Personen wahrnimmt und auf sein eigenes Verhalten projiziert und anwendet. Eine direkte Verstärkung in der Beobachtungssituation unterbleibt. Würde eine Belohnung in der Beobachtungssituation selbst erfolgen, wäre der Lernvorgang unter „Lernen am Erfolg“ einzuordnen.
Nicht nur Personen, sondern auch Medien aller Art können diese Wirkung auf das Individuum haben. Zusätzlich kann es hierbei auch zu hemmenden Wirkungen kommen, z. B. wenn dem Individuum das Verhalten anderer missfällt und es auf keinen Fall so agieren möchte, oder wenn in dem Zusammenhang Ängste ausgelöst werden. Dies bezeichnet man in der Sozialpsychologie als Nullwirkung.

Voraussetzungen für Modelllernen

Damit Lernen durch Beobachtung überhaupt stattfinden kann, müssen beim Individuum vier Prozesse ablaufen:

  • Aufmerksamkeitsprozesse (damit das Gesehene überhaupt aufgenommen werden kann)
  • Gedächtnisprozesse (damit sich das Gesehene in einer Gedächtnisspur niederschlägt und sich später daran erinnert werden kann)
  • motorische Reproduktionsprozesse (das Beobachtete zeigt sich in einer Handlung)
  • Motivations- und Verstärkungsprozesse (Handlung tritt erst ein, wenn das Individuum entsprechend motiviert ist)

Aufmerksamkeitsprozesse

  • Qualität der Beziehung (Modell ↔ Beobachter)
  • Persönlichkeitsmerkmale des Beobachters
  • Persönlichkeitsmerkmale des Modells
  • Situationsbedingungen (Familie, Peergroup, soziales Umfeld)

Gedächtnisprozesse

  • Das Beobachtete wird so lange gespeichert/gezeigt, bis es einen Nutzen für die zu erlernende Verhaltensweise verspricht.
  • Das Gesehene wird in bildlich-sprachlichen Symbolen gespeichert.

Bedeutung von Verstärkern

  • Das Verhalten wird imitiert, weil die Modellperson mit ihrem Verhalten Erfolg hat. Der Beobachter schreibt sich selbst einen Teil des Erfolgs zu (stellvertretende Verstärkung in der Beobachtungssituation).
  • Positiver emotionaler Bezug: Die Verhaltensweisen einer bestimmten Person werden übernommen, weil die Beziehung allgemein von freundlicher Zuwendung, Anerkennung und Lob gekennzeichnet ist (sekundäre Verstärkung).
  • Eigenlob (direkte Selbstverstärkung).
  • Ähnlichkeit der Modellperson mit dem Beobachter: Die beobachtende Person stellt bei der Modellperson ähnliche Eigenschaften wie bei sich selbst fest.

Experiment von Bandura und Walters (1965)

Das Experiment von Bandura wird „Rocky-Experiment“ genannt und schließt die Serie von Experimenten mit der Bobo doll ab. Das Originalexperiment von Bandura lief folgendermaßen ab (die Kinder wurden einzeln getestet): Vierjährige Kinder aus drei verschiedenen Gruppen sahen einen Film über einen Erwachsenen namens "Rocky", welcher sich sehr aggressiv gegenüber der Puppe "Bobo" verhielt (schlagen, treten, Schimpfworte, ...). Die Kinder sahen bis zu diesen Szenen alle den gleichen Film. Am Ende unterschieden sich die Filme darin, wie auf Rockys Verhalten reagiert wurde:

Die Kinder wurden nach dem Sehen des Films in einen Raum geführt, in dem viele Spielsachen verteilt waren, darunter auch die Puppe Bobo, die von Rocky im Film zuvor getreten, geschlagen bzw. kaputtgemacht worden war. Es wurde nun beobachtet, bei welchen Kindern das Verhalten Rockys auftrat und bei welchen nicht.

  • War Rocky zuvor gelobt worden, wurde sein Verhalten von vielen Kindern imitiert.
  • War Rocky zuvor bestraft worden, wurde sein Verhalten von wenigen Kindern imitiert.
  • Zudem ließ sich beobachten, dass Jungen unabhängig der Verstärkung eine höhere Nachahmungsquote aufwiesen als die Mädchen.

Wenn aber den Kindern eine Belohnung (Süßigkeit) versprochen wurde, falls sie das Gesehene nachspielten, zeigten alle das gesehene Verhalten, wobei im Vergleich zu den männlichen Teilnehmern die Mädchen eine deutlich gesteigerte Bereitschaft zeigten. Gab es noch deutlich erkennbare Unterschiede in der Wahrscheinlichkeit der Nachahmung vor der positiven Verstärkung, so stellte sich nach der Verstärkung ein ungefähres Gleichgewicht der Wahrscheinlichkeit ein.

Fazit

Albert Bandura schloss daraus, dass die Kinder das Vorbild-Verhalten gleichermaßen erlernten, aber je nach Folgen unterschiedlich reproduziert haben. Es besteht also ein Unterschied zwischen Erwerb (Kompetenz) und Ausführung (Performanz) des beobachteten Verhaltens (sogenanntes latentes Lernen). Des Weiteren scheinen jüngere Jungen wahrscheinlicher Gewalt zu adaptieren, während Mädchen anscheinend ein größeres Verlangen haben, Erwachsenen zu gefallen und belohnt zu werden.

Siehe auch

Lernpsychologie

Literatur

  • Albert Bandura, R. H. Walters: Social Learning and personality developement. New York 1963.
  • Albert Bandura: Lernen am Modell. Stuttgart 1976, ISBN 3-12-920590-X.

Einzelnachweise

Weblinks

Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Lernen am Modell aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.