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Leo Radtke

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Leo Radtke (* 28. März 1897; † 1. Mai 1969) war ein deutscher Gewerkschaftsfunktionär, Widerstandskämpfer, Funktionär von Verfolgtenverbänden und Beamter.

Leben

Er stammte aus Ostpreußen und machte nach der Schule eine Lehre als Friseur. Mit seiner Familie siedelte er vor dem Ersten Weltkrieg in den Westen Deutschlands über. Er trat nach der Novemberrevolution der SPD und den freien Gewerkschaften bei.

Zwischen 1920 und 1929 war er bei der Deutschen Reichsbahn tätig. Er wurde Betriebsratsvorsitzender der Bahnmeisterei Hamm. Daneben bildete er sich weiter. Er besuchte die Wirtschaftsschule in Berlin und die Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main. Seit 1929 war er als Gewerkschaftssekretär des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands mit Sitz in Hamm tätig.

Seine Stellung verlor er mit dem Beginn der Zeit des Nationalsozialismus und der Zerschlagung der Gewerkschaften. Noch 1933 wurde er erstmals von den Nationalsozialisten inhaftiert und misshandelt. In den folgenden Jahren blieb er trotz allgemeinen Wirtschaftsaufschwungs arbeitslos.

Er gehörte ab 1934/35 zum engen Kern der von der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) getragenen Widerstandsbewegung der Eisenbahner in Rheinland und Westfalen. Er wurde im Sommer 1935 Bezirksleiter der Widerstandsgruppe in Westfalen. Seine Erfahrung als Gewerkschaftsfunktionär qualifizierte ihn für diese Stellung. Von Bedeutung war auch seine guten Kontakte zu anderen ehemaligen Gewerkschaftern. Seit 1936 gehörte er zur engeren Führung und reiste zu Treffen nach Venlo in die Niederlande, um den emigrierten Gewerkschaftern über die Situation der Beschäftigten im Reich zu berichten. Von Holland wurden illegale Schriften nach Deutschland geschmuggelt.

Mitte Februar 1937 gelang es der Gestapo die Widerstandsgruppe in Westdeutschland zu zerschlagen und ihre führenden Funktionäre zu verhaften. Sie wurden wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens verurteilt. Im Gegensatz zu einigen anderen Angeklagten wurde Radtke zu einer recht milden Strafe von vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Verbüßung der Haft wurde er entlassen und nicht wie andere sofort in ein Konzentrationslager eingeliefert. Danach fand er eine Stelle als Angestellter. Im Rahmen der Aktion Gitter wurde er 1944 verhaftet und bis zur Befreiung im KZ Sachsenhausen inhaftiert.

Nach dem Krieg trat Radtke 1946 in den öffentlichen Dienst ein und leitete bei der Bezirksregierung Arnsberg das Sonderdezernat für die Betreuung von NS-Verfolgten. Zeitweise war er auch für die Regierungsbezirke Münster und Minden zuständig. Daneben war er am Wiederaufbau der Gewerkschaften und der SPD in Westfalen beteiligt. Er war zeitweise auch einer der drei Vorsitzenden des Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in der britischen Zone. Bei der Gründung der Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten wirkte er an maßgeblicher Stelle mit.[1] Später war er ein erklärter Gegner des VVN.[2] Seit 1948 leitete er bis zu seiner Pensionierung 1962 die Entschädigungsbehörde und war Dezernent für Wiedergutmachung bei der Bezirksregierung in Arnsberg. Zuletzt war er Oberregierungsrat. Daneben war er politisch im SPD-Ortsverein Arnsberg tätig.[3]

Literatur

  • Marlene Klatt: Die Entschädigungspraxis im Regierungsbezirk Arnsberg und die Reaktion jüdischer Verfolgter. In: Christiane Fritsche (Hrsg.): "Arisierung" und "Wiedergutmachung" in deutschen Städten, Köln u.a, 2014 S.372

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Die Spaltung der Antifaschisten nach 1945
  2. Streiflichter aus 50 Jahren Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in Nordrhein-Westfalen, Wuppertal, 2002 S-26 Digitalisat
  3. vergl.: 70 Jahre SPD Ortsverein Arnsberg. Arnsberg, 1988


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