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Leo Lania

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Leo Lania

Leo Lania, eigentlich Lazar Herman, (geboren 1. Augustjul./ 13. August 1896greg. in Charkow, Russisches Kaiserreich; gestorben 9. November 1961 in München) war ein deutschsprachiger russisch-US-amerikanischer Journalist und Schriftsteller.

Leben

Lazar Herman war ein Sohn des Arztes und Universitätsprofessors Friedrich Salomon Hermann und der Myra Mintz. Nach dem Tod des Vaters 1906 kehrte seine Mutter mit ihren zwei Söhnen nach Wien zurück. Nach dem Besuch der Handelsakademie Wien arbeitete Lania seit 1915 zunächst für die sozialistische Arbeiter-Zeitung. 1915 will er die russische Staatsbürgerschaft abgelegt haben und meldete sich als vermeintlich Staatenloser freiwillig zum Kriegsdienst.[1] Er wurde als Artillerie-Offizier an der Ostfront und am Isonzo eingesetzt. Nach dem Krieg trat Lania der Kommunistischen Partei Österreichs bei und war als Redakteur für Die Rote Fahne tätig.[2] Ab September 1921 lebte er in Berlin.[3]

Mit Hilfe eines gefälschten Empfehlungsschreiben vom Bruder Benito Mussolinis gelang es ihm, als italienischer Faschist getarnt, sich 1923 Zugang zu Adolf Hitler und dem Völkischen Beobachter in München zu verschaffen.[4] Lania veröffentlichte eines der ersten international beachteten Interviews mit Hitler. Seine Erfahrungen als früher investigativer Journalist mit der aufkommenden Nazi-Bewegung dokumentierte er in den Büchern Die Totengräber Deutschlands (1924) und Der Hitler-Ludendorff-Prozeß (1925). In seinem Buch Gewehre auf Reisen (1924) warnte er vor den Gefahren der heimlichen Wiederaufrüstung Deutschlands. Daraufhin wurde er wegen Landesverrats angeklagt. Im Anschluss an diesen Vorgang wurde im Reichstag eine „Lex Lania“ zum Schutz journalistischer Berufsgeheimnisse verabschiedet. Lania war Lokalredakteur beim Berliner Börsen-Courier und schrieb bis 1926 insgesamt 24 Beiträge für die Weltbühne.

Ab Mitte der Zwanziger Jahre wandte Lania sich verstärkt Theater und Film zu. Er war Mitglied des Dramaturgischen Kollektivs der von Erwin Piscator 1927 im Berliner Theater am Nollendorfplatz betriebenen Bühne. Lanias Wirtschaftskomödie über die Erdölindustrie Konjunktur, deren Bühnenmusik von Kurt Weill stammte, wurde im April 1928 an der Piscator-Bühne uraufgeführt.[5] Lania verfasste zudem das Drehbuch für die Verfilmung der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht, mit dem er bereits an der Piscator-Bühne zusammengearbeitet hatte.

Wegen der drohenden Machtübernahme durch die Nationalsozialisten emigrierte Lania 1932 über Prag nach Österreich und 1933 nach Frankreich. Nach dem Kriegsausbruch meldete sich Lania 1939 zum Wehrdienst, wurde jedoch für mehrere Monate in einem Internierungslager in Audierne inhaftiert. 1940 gelang ihm die Flucht nach Südfrankreich. Über Spanien und Portugal emigrierte er mit Frau und Sohn im selben Jahr in die Vereinigten Staaten. Seine Erfahrungen auf der Flucht verarbeitete er in dem Band The Darkest Hour (1941). In den Vereinigten Staaten arbeitete er für die US-Propagandaeinrichtung Office of War Information.

Mitte der 1950er Jahre siedelte Lania dauerhaft nach München über. Er verfasste eine Biografie über Ernest Hemingway. 1959 schrieb er als Ghostwriter eine Autobiografie für Willy Brandt, damals Regierender Bürgermeister von Berlin.[6]

Leo Lanias Nachlass wird von den Wisconsin Historical Society Archives betreut.

Werke (Auswahl)

Today we are brothers (1942)
  • Gewehre auf Reisen. Bilder aus deutscher Gegenwart, (1924)
  • Der Hitler-Ludendorff-Prozess, 1925 (Reportage)
  • Die Friedenskonferenz, 1926 (Drama)
  • Der Tanz ins Dunkel. Anita Berber. Ein biographischer Roman, 1929
  • Gott, König und Vaterland, 1930 (Drama)
  • Das gelobte Land, 1934 (Roman)
  • Wanderer ins Nichts, 1935 (Roman)
  • Der Held, 1936 (Drama)
  • The Darkest Hour, 1941 (Reportage, in zwei Sprachen übersetzt)
  • Today we are brothers : the biography of a generation. Übersetzung Ralph Marlowe. Boston : Houghton Mifflin, 1942
  • Land im Zwielicht, 1950 (Roman, in fünf Sprachen übersetzt)
  • Welt im Umbruch, 1953 (Autobiografie, in drei Sprachen übersetzt)
  • Der Aussenminister, 1960 (Roman)
  • Hemingway. Eine Bildbiographie, 1960

Filmografie (Auswahl)

Literatur

  • Hanno Hardt: Lania, Leo. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 13, Duncker & Humblot, Berlin 1982, S. 615 f. (Onlinefassung).
  • Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München : Saur, 1980, S. 419
  • Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 15. Saur, München 2007, S. 159–167
  • Primus-Heinz Kucher: Theodor Kramer und Leo Lania. Eine Briefbegegnung im März 1933, in "Zwischenwelt. Literatur, Widerstand, Exil. Zeitschrift der Theodor Kramer Gesellschaft", 3–4, 2013, ISSN 1606-4321 S. 7f[7]
  • Michael Schwaiger: Leo Lania. Schreiben gegen das Vergessen. Eine Biografie des Journalisten und Publizisten Leo Lania (1896-1961). Wien: Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung 2015 (Dokumentation 1–4/2015)
  • Michael Schwaiger: »Hinter der Fassade der Wirklichkeit« Leben und Werk von Leo Lania. Mandelbaum Verlag, Wien 2017, ISBN 978-385476-545-5.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Michael Schwaiger: „Hinter der Fassade der Wirklichkeit“. Leben und Werk von Leo Lania. Mandelbaum, Wien 2017, S. 19.
  2. Michael Schwaiger: „Hinter der Fassade der Wirklichkeit“. Mandelbaum, Wien 2017, S. 29–33.
  3. Michael Schwaiger: „Hinter der Fassade der Wirklichkeit“. Mandelbaum, Wien 2017, S. 52.
  4. Paul Ostwald: Reporter Leo Lania wird wiederentdeckt: Der Wallraff der 20er Jahre. In: Die Tageszeitung: taz. 2018-07-24 ISSN 0931-9085 (https://www.taz.de/!5518643/).
  5. Dieses Stück und seine Inszenierung sind Gegenstand der Studie: Tatjana Röber, „Die neuen Methoden der Betrachtung“. Subjektivitäts- und Wahrnehmungskonzepte in Kulturtheorie und sachlichem Theater der 20er Jahre. St. Ingbert: Röhrig 2001.
  6. Verlagshinweis zu Michael Schwaiger: »Hinter der Fassade der Wirklichkeit«, abgerufen am 21. November 2017.
  7. Lania hielt am 3. März in Wien einen Vortrag vor 500 Zuhörern über die Machtübergabe in Berlin, der Art. schildert das Echo darauf


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