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Leo Ansbacher

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Leo Ansbacher (geb. 3. Dezember 1907 in Frankfurt am Main; gest. 1998 in Tel Aviv; vollständiger Name: Leo Jehuda Ansbacher) war ein deutsch-israelischer Rabbiner.

Leben

Ansbacher studierte zuerst an der Universität Frankfurt Geschichte, Deutsch und Philosophie, brach das Doktoratsstudium jedoch 1932 angesichts des Erstarkens des nationalsozialistischen Antisemitismus ab. Er emigrierte nach Belgien, wo er in weiterer Folge die Rabbinerprüfung ablegte. 1940 wurde er nach dem Überfall Deutschlands auf Belgien von den dortigen Behörden wie viele andere als mögliche deutsche Spione verdächtigte Ausländer zwangsweise nach Frankreich verschickt und dort erst im Internierungslager Saint-Cyprien und dann im größten französischen Internierungslager Camp de Gurs festgesetzt. Dort übernahm er die Aufgabe und Stellung des Lager-Rabbiners.

In seiner Zeit als Lager-Rabbiner entstand für das Pessach-Fest 1941 eine spezielle handgeschriebene Haggada, die unter dem Namen Haggada von Gurs bekannt ist. Sie wurde von Ansbacher mit Hilfe des Lagerhäftlings Aryeh Ludwig Zuckerman aus dem Gedächtnis niedergeschrieben und mit einer Schablonenmaschine vervielfältigt. Der nichtjüdische Häftling Fritz Schliefer illustrierte sie (zur Strafe wurde er ins Camp de Drancy verlegt und dann in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert).[1] Die Leitung der Yad Vashem reproduzierte diese Haggada später nach einem geretteten Exemplar und veröffentlichte sie mit Fotografien und Hintergrundmaterial. Sie endet mit dem Wunsch "Nächstes Jahr in Jerusalem".[2]

1942 gelang Ansbacher die Flucht aus dem Lager nach Spanien, 1944 schließlich die Emigration nach Palästina. Dort war er zuerst als Lehrer tätig, bevor er wieder als Rabbiner arbeiten konnte.[3] Er war ab 1957 Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Ichud-Zion in Tel Aviv und war Mitglied des religiösen Zentralrates von Tel Aviv-Jaffa.[4]

Werke und Literatur

  • Oskar Althausen; Jehuda L Ansbacher; Gerhard Brändle; Louis Dreyfuss; Eugen Fried; Gertrud Friedberg; Eckhardt Friedrich; Berty Friesländer-Bloch; Erhard R Wiehn: Oktoberdeportation 1940. Die sogenannte 'Abschiebung' der badischen und saarpfälzischen Juden in das französische Internierungslager Gurs und andere Vorstationen von Auschwitz. ISBN 9783891913321
  • Interview mit Leo Ansbacher in: Anne Betten (Hrsg., 1995), Sprachbewahrung nach der Emigration, Tübingen: Niemeyer, S. 176ff.
  • Belah Guṭerman,Naomi Morgensṭern: The Gurs Haggadah: Passover in Perdition. Devora Publishing, 2003. ISBN 978-1930143333

Einzelnachweise

  1. vgl. dazu die Quellenangaben in der französischen Wiki Léo Ansbacher]
  2. Siehe dazu: Belah Guṭerman,Naomi Morgensṭern: The Gurs Haggadah: Passover in Perdition. Devora Publishing, 2003.
  3. vgl. dazu das Transkript des Interviews mit L.A. in: Anne Betten (Hrsg., 1995), Sprachbewahrung nach der Emigration, Tübingen: Niemeyer, S. 176ff.
  4. „Ansbacher, Jehuda“, in: Hessische Biografie <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/7014> (Stand: 30.9.2010).
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Leo Ansbacher aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.