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Lena Vandrey

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Lena Vandrey (geboren am 23. April 1941 in Breslau, Deutschland; gestorben am 8. November 2018 in Bourg-Saint-Andéol, Frankreich[1]) war eine feministische bildende Künstlerin und Autorin. Seit 1967 lebte sie in der Provence. Sie war bekannt für ihre imaginären Frauenporträts. Ihre Werke werden der Art brut zugeordnet.

Leben und Werk

Nach der Potsdamer Konferenz von 1945 verließen ihre Eltern Breslau und übersiedelten nach Hamburg, wo Lena Vandrey aufwuchs. Sie begann schon als Kind zu malen, zu bildhauern und Gedichte zu schreiben. Nachdem sie eine Wirtschaftsschule absolviert hatte, zog sie mit 17 Jahren zu Verwandten nach Paris. 1967 ließ sie sich in der Provence nieder, wo sie über mehrere Jahre ein altes Landhaus restaurierte, in dem sie jahrzehntelang lebte, arbeitete und provençalische religiöse Frauenkunst sammelte. Lena Vandrey engagierte sich schon früh in der feministischen Bewegung, war u. a. mit Monique Wittig, Hélène Cixous und Christine Delphy befreundet. Ihr Haus wurde zu einem politischen Treffpunkt.[2]

Lena Vandrey bezeichnete sich selbst als „feministische Kulturarbeiterin“.[3] Mit ihrer Kunst wollte sie Frauen ein Gespür für ihre eigene Geschichte geben.[4] Wiederkehrende Motive ihrer Zeichnungen, figurativen Malereien und Skulpturen sind Amazonen, Engel, lesbische Geliebte sowie totemistische weibliche Figuren. Ihre Werke, für die sie rohe Materialien wie Erde und Stoff verwendete, sind von dramatischer Ausdruckskraft und schaffen einen körperlichen Kontakt zu den dargestellten Objekten.[5] Ihre erste Ausstellung 1974 in der Galerie Atelier Jacob in Paris mit dem Titel Le Cycle des Amantes emputrescible (Zyklus der unverwesbaren Geliebten) zeigte eine Serie von imaginären Frauenporträts; inspiriert von Monique Wittigs Roman Les Guérillères stellen sie eine fantasierte Welt von Amazonen dar.[6] Werke von Lena Vandrey befinden sich in der von Jean Dubuffet begründeten Collection de l’Art Brut Lausanne[7] und dem Museum Halle Saint Pierre in Paris. Sie veröffentlichte autobiografische und lyrisch-expressive Prosatexte in deutscher und französischer Sprache.

2002 kaufte und renovierte sie ein Stadt-Palais in Bourg-Saint-Andéol und richtete darin mit ihrer Lebensgefährtin Mina Noubadji-Huttenlocher das Musée Lena-Vandrey[8] ein, das auch ein Hotel für kunstinteressierte Frauen ist.

Publikationen (Auswahl)

  • Paradigmen der unbequemen Schönheit. Gestalten in Wort und Bild, mit einer Einleitung von Christa Reinig. Zeichen + Spuren Frauenliteraturverlag, Bremen 1986
  • Die Kunst des Eingeschlossenseins, Aufsatzsammlung, hrsg. von Denny Hirschbach und Hanna Jacobs. Zeichen + Spuren, Bremen 1989
  • Der Traum, in: Die Kunst zu existieren, Konkursbuch 1/1991, S. 109–121
  • Kochbilderbuch für weibliche Lebenskunst. Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim 1998
  • Chapitres, anl. der Ausstellung La beauté inconfortable, Edition Musée Halle Saint Pierre, Paris 2001[9]

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1985: L’almanach des amazones: Lena Vandrey, Musée Hyacinthe-Rigaud, Perpignan
  • 1992: Fundus, Gefunden, Erfunden. Provençalische Frauenkultur aus der Sammlung Lena Vandrey, Hammoniale Festival der Frauen, Hamburg
  • 1999: Eigenblicke. 13 Fotografinnen, AusstellungsHalle Schulstrasse, Frankfurt am Main[10]
  • 2000/2001: Lena Vandrey - Les boîtes de Pandore, Einzelausstellung, Collection de l’Art Brut Lausanne
  • 2001: La beauté inconfortable, Beteiligung, Musée Halle Saint Pierre, Paris
  • 2004: Auschwitz, Bilderzyklus, Einzelausstellung, Musée d’Art Sacré du Gard, Pont-Saint-Esprit
  • 2016: Clin d’oeil… 40 ans (1976–2016), Beteiligung, La Fabuloserie - Musée d’art hors-les-normes, Dicy[11]

Literatur

  • Mina Noubadji-Huttenlocher: Langages d’exil de Lena Vandrey (Exilsprachen der Lena Vandrey), Dissertation, Université de Provence. Faculté des lettres et sciences humaines, Aix-en-Provence 1996[12]

Dokumentarfilme

  • Himmel als Exil: Ein empfindsames Vermächtnis von Lena Vandrey , filmisches Porträt von Hajo Schedlich, ZDF 1980 (58 Min.)[13]
  • Dichter unserer Zeit (Michael Smith, Lena Vandrey und Sarah Kirsch), ZDF 1982
  • L’Ange Amazonien. Un portrait de Lena Vandrey, von Maria Klonaris und Katerina Thomadaki, Paris 1992 (92 Min.)[14]
  • Leçon de Choses, von Samuel Bester, Marseille 1995

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Biografie auf fembio.org, abgerufen am 15. November 2018
  2. Dictionnaire des féministes. France - XVIIIe-XXIe siècle, hrsg. von Sylvie Chaperon und Christine Bard, Presses Universitaires de France, 2017, ISBN 978-2-13-078720-4
  3. Fembio
  4. VANDREY, Léna. In: in Benezit Dictionary of Artists, 2016. Oxford Index
  5. Michel Thévoz, Zitat im Résumé des Films L’Ange Amazonien. Un portrait de Lena Vandrey
  6. Marie-Jo Bonnet: Les Femmes artistes dans les avant-gardes, Éditions Odile Jacob, Paris 2006, ISBN 978-2-7381-1732-8, S. 107
  7. Pascal Verbena: Neuve Invention, Collection de l’Art Brut Lausanne
  8. Cadogan Guides Rhone-Alpes, S. 200 (Google Books)
  9. Catalogues d’expositions, Lena Vandrey: Chapitres, Edition Musée Halle Saint Pierre
  10. ausstellungshalle.info
  11. ParisArt
  12. Sudoc Katalog
  13. Meta-Katalog ida
  14. Heure Exquise!Centre international pour les arts vidéo, Paris


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Lena Vandrey aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.