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Leib

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Leib (Begriffsklärung) aufgeführt.

Als Leib bezeichnet man in Philosophie und Theologie den lebendigen Körper von Menschen oder Tieren. Mit der Rede vom Leib im Unterschied zum Körper kann entweder eine besondere Steigerung des Körperlichen im metaphysischen Sinne (Theologie) oder Aspekte wie eine Selbstreferenz des Körpers auf den Körper gemeint sein (Philosophie).

Theologie

Im theologischen Sinne wird mit der Rede vom Leib die Idee einer individuellen Verbindung aus Person und immaterieller Seele artikuliert, da der biologische Körper-Begriff nicht ausreicht, um einen Träger für diese Einheit zu bestimmen. Man spricht auch vom „beseelten Körper“.

Der Leib-Begriff ist im Christentum insbesondere bedeutend in Bezug auf den Leib Christi und den Ritus der Heiligen Kommunion. Im Pantheismus steht er dagegen für die bewusstseinsfähige Erscheinung eines universalen Geistes in der Natur.

Philosophie

Leiblichkeitskonzepte in der Philosophie beziehen sich vor allem auf den Zusammenhang von Körper und Bewusstsein. Der Begriff ist in diesem Sinne vor allem wichtig in der Phänomenologie. Hier wird mit seiner Hilfe die Rolle des Körpergefühls für die Kognition im Allgemeinen und für die philosophische Reflexion im Speziellen thematisiert. Der Leib steht für den körperlichen Wirklichkeitsbezug des Subjekts.

Edmund Husserl verwendet in diesem Zusammenhang auch den begriffsgeschichtlich zum Leib gehörenden Begriff „Seele“. Er steht hier für die Selbstreferenz des Leibes auf den Leib, gewissermaßen für den eigentlichen Vollzug des Lebens innerhalb des Subjekts.

Fundamental ausgearbeitet, in Bezug gesetzt zur Naturwissenschaft und als Grundbegriff wertvoll für die Philosophie wurde der Leib-Begriff mit der Phänomenologie der Wahrnehmung von Maurice Merleau-Ponty.

Siehe auch

Literatur

  • Böhme, Gernot: Ethik leiblicher Existenz: Über unseren moralischen Umgang mit der eigenen Natur. 1. Auflage. Frankfurt: Suhrkamp 2008. ISBN 978-3518294802.
  • Descartes, René: Beschreibung des Menschlichen Körpers (1648) und: Über den Menschen. Karl E. Rotschuh (Hrsg.). Heidelberg: Lambert Schneider 1968.
  • Descartes, René: Meditationen über die Erste Philosophie (1641). Übersetzt und herausgegeben von Gerhart Schmidt. Stuttgart: Reclam 1986.
  • Grätzel, Stefan: Die philosophische Entdeckung des Leibes. 1. Auflage. Stuttgart-Wiesbaden: Steiner Franz Verlag 1989. ISBN 3-515-05430-8.
  • Henry, Michel: Inkarnation: Eine Philosophie des Fleisches (Aus dem Franz. von Rolf Kühn). 3. Auflage. Freiburg/München: Karl Alber, 2011, 431 S. ISBN 978-3-495-48051-9.
  • Husserl, Edmund: Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie, Martinus Nijhof, Haag 1950–1952 (u. a. Bd. 1, § 90, S. 225 f).
  • Knaup, Marcus: Leib und Seele oder mind and brain? Zu einem Paradigmenwechsel im Menschenbild der Moderne. Freiburg: Verlag Karl Alber, 2012. ISBN 978-3-495-48547-7.
  • Merleau-Ponty, Maurice: Das Auge und der Geist. Philosophische Essays, Hans Werner Arndt (Hrsg.), Hamburg: Felix Meiner 1984. ISBN 3-787-31545-4.
  • Merleau-Ponty, Maurice: Phänomenologie der Wahrnehmung. Berlin : de Gruyter, 1966. ISBN 3-110-06884-2.
  • Petzold, Hilarion: Leiblichkeit: Philosophische, gesellschaftliche und therapeutische Perspektiven. 2. Auflage. Bd. 25. Paderborn: Junfermann-Verlag 1986.
  • Schmitz, Herrmann: Kurze Einführung in die Neue Phänomenologie. 3. Auflage. Freiburg: Verlag Karl Alber 2009. ISBN 978-3495483619.
  • Schmitz, Herrmann: Der Leib (Grundthemen der Philosophie). Berlin/Boston: de Gruyter 2011. ISBN 978-3110250985.
  • Seidl, Ernst u. a.: KörperWissen. Erkenntnis zwischen Eros und Ekel, MUT, Tübingen 2009. ISBN 978-3-9812736-1-8.
  • Streubel, Thorsten: Die Leibvergessenheit in der aktuellen Gehirn-Geist-Debatte. In: Perspektiven der Philosophie, Amsterdam: Rodopi 2010, S. 343–361. ISBN 9042031824.
  • Waldenfels, Bernhard: Das leibliche Selbst. Vorlesungen zur Phänomenologie des Leibes, 3. Auflage, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2000. ISBN 3-518-29072-X.

Weblinks


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