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Le nozze di Figaro

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Figaros Hochzeit ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für den gleichnamigen Film siehe Figaros Hochzeit (Film)
Plakat für die Uraufführung
Werkdaten
Titel: Die Hochzeit des Figaro
Originaltitel: Le nozze di Figaro
Originalsprache: italienisch
Musik: W.A. Mozart
Libretto: Lorenzo da Ponte
Literarische Vorlage: La Folle Journée ou le Mariage de Figaro von Beaumarchais
Uraufführung: 1. Mai 1786
Ort der Uraufführung: Wien, Burgtheater
Spieldauer: ca. 3 1/2 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Schloss des Grafen Almaviva, Aguasfrescas bei Sevilla, um 1780
Personen
  • Graf Almaviva (Bariton)
  • Gräfin Almaviva (Rosina) (Sopran)
  • Figaro, Kammerdiener (Bassbariton)
  • Susanna, Mündel und Kammerzofe der Gräfin, Figaros Verlobte (Sopran)
  • Cherubino, Page des Grafen (Mezzosopran)
  • Marcellina, Beschließerin im gräflichen Schloss (Mezzosopran)
  • Bartolo, Arzt aus Sevilla (Bass)
  • Basilio, Musikmeister der Gräfin (Tenor)
  • Don Curzio, Richter (Tenor)
  • Antonio, Gärtner und Susannas Onkel, zugleich Vater Barbarinas (Bass)
  • Barbarina, Tochter des Antonio (Sopran)
  • Zwei Frauen
  • Chor der Landleute (Chor)

Le nozze di Figaro, zu deutsch Die Hochzeit des Figaro oder Figaros Hochzeit, ist eine Oper von Wolfgang Amadeus Mozart KV 492. Das italienische Libretto stammt von Lorenzo da Ponte und basiert auf der Komödie La Folle Journée ou le Mariage de Figaro (Der tolle Tag oder Die Hochzeit des Figaro) von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais aus dem Jahr 1778. Die Uraufführung fand am 1. Mai 1786 im Wiener Burgtheater am Michaelerplatz statt. Die Oper spielt am Schloss des Grafen Almaviva in Aguasfrescas in der Nähe von Sevilla um 1780.

Handlung

Die Handlung der Oper ist die Fortsetzung von Beaumarchais’ Theaterstück Le Barbier de Séville (Der Barbier von Sevilla) – und damit Giovanni Paisiellos Il barbiere di Siviglia. (Beide Opern wurden am Hoftheater zu Mozarts Lebzeiten gelegentlich an aufeinanderfolgenden Abenden bzw. Vorstellungen gegeben.)[Anm. 1] Rosina ist nun die Gräfin Almaviva; ihr Mann bemüht sich um die Liebe von Susanna, der Verlobten Figaros. Als er den Pagen Cherubino bei Susanna entdeckt, versucht er ihn loszuwerden, indem er ihm ein Offizierspatent verschafft. Figaro ist in den Dienst des Grafen getreten und trifft gerade die Vorbereitungen für seine Hochzeit mit Rosinas Kammermädchen Susanna. Die Rolle des Cherubino ist eine Hosenrolle – wird also von einer Frau gesungen.

Erster Akt

Duett: „Cinque, dieci, venti, trenta“ – „Fünf, zehn, zwanzig, dreißig“: Ein Zimmer im Schloss. Figaro misst den Raum aus, den er nach der Hochzeit mit seiner Braut Susanna bewohnen will, um die Möbel zu stellen. Susanna probiert vor dem Spiegel einen Hut an (heutzutage wird, um der französischen Vorlage näher zu kommen, der Hut meist durch einen Brautschleier ersetzt).

Duett: „Se a caso madama la notte ti chiama.“ – „Sollt′ einstens die Gräfin des Nachts dir schellen“: Figaro hält es für einen Vorteil, dass das Zimmer neben den gräflichen Gemächern liegt. Susanna klärt ihn darüber auf, dass Graf Almaviva ihr gegenüber seine eigenen Pläne verfolgen könnte und dem Brautpaar deshalb gerade diesen Raum angewiesen hat.

Arie: „Se vuol ballare, Signor Contino“ – „Will einst das Gräflein ein Tänzchen wagen“: Figaro will die Absichten des adeligen Verführers vereiteln.

Arie (Bartolo): „La vendetta, oh, la vendetta! – Süsse Rache, du gewährest hohe Freuden“; Duett (Marcellina und Susanna): „Via resti servita, Madama brillante“ – „Nur vorwärts, ich bitte, Sie Muster von Schönheit“): Dr. Bartolo tritt auf, der von Marcellina, der Haushälterin, engagiert wurde, um Klage gegen Figaro vorzubringen, der ihr zuvor die Ehe für den Fall versprochen hatte, dass er das von ihr geliehene Geld nicht zurückzahlt.

Arie: „Non so più cosa son, cosa faccio“ – „Neue Freuden, neue Schmerzen“: Cherubino erscheint und bittet Susanna um Fürsprache beim Grafen, weil er das Schloss nicht verlassen will.

Aus dem 1. Akt (Illustration des nebenstehenden Textes): Cherubino versteckt sich auf Susannas Sessel, als der Graf eintritt.

Terzett: „Cosa sento! Tosto andate, e scacciate il seduttor“ – „Wie? Was hör' ich? Unverzüglich geh' und jage den Bösewicht gleich fort“: Als der Graf und Basilio auftreten, versteckt sich Cherubino; Susanna täuscht eine Ohnmacht vor; in dem Durcheinander springt der Page auf einen Stuhl und verbirgt sich unter einem Kleid.

Chor: „Giovani liete, fiori spargete“ – „Muntere Jugend, streue ihm Blumen“: Der von Susanna bisher abgewiesene Graf entdeckt ihn,[Anm. 2] und er wird nur durch den Auftritt der Landleute von einer Bestrafung des eifersüchtigen Schlossherrn verschont. Arie: „Non più andrai, farfallone amoroso“ – „Dort vergiss leises Flehn, süßes Kosen“: Der Graf zwingt Cherubino, sich auf den Weg zur Armee zu machen, und Figaro, der auch auf ihn eifersüchtig ist, gibt ihm gute Ratschläge mit auf den Weg. (Dies ist eine der berühmtesten Arien der Oper. Sie war innerhalb weniger Monate so volkstümlich geworden, dass sie von Mozart selbst im Schlussakt des Don Giovanni zu einer von Bläsern wiedergegebenen und als „ziemlich bekannt“ angesprochenen Festmusik verfremdet wurde.)

Zweiter Akt

Arie: „Porgi, amor, qualche ristoro“ – „Heil’ge Quelle reiner Triebe“: Zimmer der Gräfin. Die Gräfin beklagt des Grafen Untreue.

Arie (Cherubino): „Voi che sapete che cosa è amor“ – „Ihr, die ihr Triebe des Herzens kennt“: Susanna lässt Cherubino herein, und sie fahren fort, ihn in Frauenkleider zu stecken, damit er so die Hochzeit abwarten kann.

Arie (Susanna) : „Venite, inginocchiatevi“ – „Komm näher, knie vor mir“): Sie frisiert seine Haare.

Terzett: „Susanna, or via, sortite, sortite, io così vo’“ – „Nun, nun, wird’s bald geschehen? Susanna, komm heraus“, Duett: „Consorte mia, giudizio“ – „Frau Gräfin, darf ich bitten?“: Der Graf kommt an, Cherubino flieht in den benachbarten Ankleideraum, in den der Graf ebenfalls hinein will, nachdem er jemanden darin gehört hat. Die Gräfin sagt, es sei nur Susanna, und der Graf verlässt mit der Gräfin die Bühne, nachdem er alle Türen abgeschlossen hat, um auf einem anderen Weg ins Nachbarzimmer zu gelangen.

Duett: „Aprite, presto, aprite; aprite, è la Susanna“ – „Geschwind die Tür geöffnet, geschwind, ich bin Susanna!“: Susanna befreit Cherubino, der aus dem Fenster springt, und sie betritt den Raum, aus dem er geflohen ist.

Finale: „Esci omai, garzon malnato, sciagurato, non tardar“ – „Komm heraus, verworfner Knabe! Unglücksel’ger, zaudre nicht!“: Graf und Gräfin kommen zurück. Der erzürnte Graf denkt, Cherubino habe sich versteckt, findet aber zum allgemeinen Erstaunen stattdessen Susanna vor.

In der Zwischenzeit versucht Figaro, der die Zudringlichkeiten des Grafen fürchtet, ihn durch einen anonymen Brief vom Erscheinen auf seiner Hochzeit abzuhalten, aber von der Gräfin befragt, gesteht er, der Verfasser zu sein. Als Antonio, der Gärtner, seinerseits einen Brief bringt, von dem er sagt, er sei von einem Mann fallen gelassen worden, der aus dem Fenster gesprungen wäre, behauptet Figaro, dass er bei Susanna gewesen sei. Das Dokument erweist sich jedoch als Cherubinos Ernennung zum Offizier, und Figaro gelangt aus der Klemme, indem er es dem Grafen präsentiert, damit dieser sein noch fehlendes Siegel anbringen könne.

Marcellina, Bartolo und Basilio treten auf und Marcellina bringt ihre Klage über Figaro vor. Die Hochzeit wird verschoben, damit der Graf den Vorwurf untersuchen kann.

Dieses Finale endet am Schluss mit einem lauten und turbulenten Ensemblesatz, an dem sieben Personen beteiligt sind: Gleichzeitig erklingen „Che bel colpo“ (Marcellina, Basilio, Bartolo, Graf) und „Son confusa“ (Susanna, Gräfin, Figaro).

Dritter Akt

Duett: „Crudel! Perché finora farmi languir così?“ – „So lang' hab' ich geschmachtet“: Der Festsaal. Der Graf ist aufgrund der vorangegangenen Ereignisse verwirrt, und auf Bitte der Gräfin stimmt Susanna zu, ihn im Garten zu treffen. Zuvor jedoch will sie mit der Gräfin die Kleidung tauschen.

Susanna flüstert Figaro zu, dass der Erfolg nun sicher sei und sein Rechtsstreit gewonnen.

Rezitativ und Arie: „Vedrò mentr’io sospiro“ – „Ich soll ein Glück entbehren“: Der Graf wähnt sich von Susanna und Figaro hintergangen und steigert sich in Rachefantasien gegen seinen Diener.

Rezitativ und Sextett: Almaviva, Figaro, Don Curzio, Bartolo, Marcellina und Susanna: „Riconosci in questo amplesso“ – „Lass mein liebes Kind dich nennen“: Es stellt sich heraus, dass Figaro Rafaello, der einst von Räubern entführte uneheliche Sohn von Marcellina und Bartolo ist, so dass er die Haushälterin gar nicht heiraten kann.

Rezitativ und Arie: „E Susanna non vien ... Dove sono i bei momenti“ – „Und Susanna kommt nicht? ... Nur zu flüchtig bist du verschwunden“: Die Gräfin wartet auf Susanna. Sie klagt über ihr verlorenes Glück mit ihrem Mann, bekennt sich aber zu ihrer Liebe zu ihm.

Duett: „Sull'aria...“ – „Nun, soll ich?“: Susanna berichtet von ihrer vagen Verabredung mit dem Grafen. Die Gräfin diktiert einen Liebesbrief, den das Mädchen dem Grafen zustecken soll. Der Graf soll die Nadel zurücksenden, die den Brief zusammenhält, um den Empfang zu bestätigen.

Chor: „Ricevete, oh padroncina“ – „Gnäd'ge Gräfin, diese Rosen“: Ein Chor von jungen Bauernmädchen, unter ihnen der verkleidetete Cherubino, singt der Gräfin ein Lied.

Marsch und Finale: „Ecco la marcia, andiamo“ – „Lasst uns marschieren! In Ordnung!“: Der Graf tritt mit Antonio auf, entdeckt den früheren Pagen, braust auf, wird aber durch Susannas Brief beruhigt. Er verletzt sich seinen Finger mit der Nadel, was ihn weiter ärgert.

Chor: „Amanti costanti, seguaci d'onor“ – „Ihr treuen Geliebten, mit Kränzen geschmückt“: Der Akt schließt mit einer Einladung zum abendlichen Fest.

Vierter Akt

Ein Kabinett.

Arie: „L'ho perduta... me meschina“ – „Unglücksel'ge kleine Nadel“: Den Anweisungen im Brief folgend, hat der Graf Barbarina mit der Nadel geschickt, die sie aber verloren hat.

Figaro erfährt dessen Bedeutung von Barbarina. Aus Eifersucht bringt er Bartolo und Marcellina dazu, auch in den Garten zu kommen, um bei dem Gespräch zwischen dem Grafen und Susanna anwesend zu sein.

Rezitativ und Arie: „Giunse alfin il momento“ – „Deh, vieni, non tardar, oh gioia bella“, „Endlich naht die Stunde“ – „O säume länger nicht, geliebte Seele“: Marcellina informiert Susanna über diesen Plan.

Finale: „Pian pianin le andrò più presso“ – „Still, nur still, ich will mich nähern“.

Im Garten: Die Gräfin erscheint in Susannas Kleid; Cherubino versucht die vermeintliche Susanna zu küssen, wird aber zurückgehalten durch die Intervention des Grafen, der mit der Hand nach Cherubino zielt, aber irgendwie den immer präsenten Figaro trifft. Der Graf verfolgt die vermeintliche Susanna, die ihm geschickt aus dem Weg geht, als die richtige Susanna in den Kleidern der Gräfin auftritt. Figaro berichtet ihr von des Grafen Absichten und erkennt seine Braut. Er spielt die Komödie mit, indem er ihr Ehre als Gräfin erweist, und bekommt erneut eins auf die Ohren. Die beiden schließen Frieden und er spielt weiterhin seine Rolle. Als der Graf erscheint, erklärt er seine Liebe und sinkt vor ihr auf die Knie. Der Graf ruft nach Waffen und seinen Leuten. Lichter werden angezündet und ein allgemeines Wiedererkennen löst die Verwirrung des Grafen ab, der eine Entschuldigung vorbringt und dem von der Gräfin verziehen wird.

Ebenso wie das Finale des zweiten Akts endet auch das Finale des vierten Akts mit einem Ensemblegesang, diesmal von acht Personen: „Ah! Tutti contenti“ (Graf, Gräfin, Figaro, Susanna, Curzio, Basilio, Antonio, Bartolo)

Musik

Le nozze di Figaro ist stilistisch eine Opera buffa, und zwar Mozarts erste seit der mehr als zehn Jahre früher entstandenen „La finta giardiniera“. „Figaro“ zeigt Mozarts Kunst auf dem Höhepunkt seiner reifen Meisterschaft. Seit seiner letzten vollendeten abendfüllenden Oper, „Die Entführung aus dem Serail“, waren vier Jahre vergangen. In dieser Zeit hatte Mozart sein Können durch bahnbrechende Kompositionen vor allem auf dem Gebiet des Klavierkonzerts und des Streichquartetts weiter vervollkommnet.

Auf den ersten Blick erscheint die Anlage des Figaro als durchaus konventionelle Opera buffa: zahlreiche – insgesamt 28 – musikalische Nummern sind durch Secco-Rezitative miteinander verbunden. Dabei stehen aber 14 Solo-Nummern („Arien“) ebenso viele Ensemble-Nummern gegenüber: Zwar überwiegen auch in den Opere buffe dieser Zeit in der Regel noch die Solo-Nummern, d. h. das (zufällige?) Gleichgewicht beider Nummernformen war zwar ungewöhnlich, wird aber von den zeitgenössischen Zuhörern kaum als verstörend bzw. revolutionär empfunden worden sein.

In den Arien wahrt Mozart wie selbstverständlich die Stilhöhen-Regel: die großen, zweisätzigen Arien, die durch den geschilderten Stimmungsumschwung als Ausdruck von differenzierten Gefühlslagen verstanden werden können, und die gleichsam vornehmen Nummernformen wie die Cavatine sind dem „hohen“ Paar, d. h. dem Grafen und der Gräfin, vorbehalten, während sich alle anderen Personen in einsätzigen Arien äußern, denen in der Regel ein eindeutig bestimmbarer Affekt zu Grunde liegt (der Fall der in der Regel gestrichenen Arie des Don Basilio, Nr. 26, kann in diesem Rahmen nicht erörtert werden).

Ein weites Feld von Interpretation und Reflexion eröffnet Mozart allerdings dadurch, dass die meisten Arien lediglich drei Themen umkreisen, nämlich den Affekt der Rache bei den verschiedenen männlichen Protagonisten (Figaro, Nr. 3, Don Bartolo, Nr. 4, Graf, Nr. 18), die Sehnsucht nach erfüllter Liebe bei den weiblichen (Cavatine und Arie der Gräfin, Nr. 11 und 20, Romanze der Susanna, Nr. 28) sowie das Erwachen erotischen Verlangens bei Cherubino (wild und ungebändigt in Nr. 6, gleichsam domestiziert in Nr. 12).

Revolutionär ist die Partitur des Figaro an vermeintlich unscheinbaren Stellen wie etwa der Arie der Susanna im 2. Akt (Nr. 13, „Venite, inginocchiatevi“): kein anderer Komponist dieser Zeit hätte diese Stelle zum Gegenstand einer Solo-Nummer gemacht. Sie basiert nicht auf einem benennbaren, d. h. den musikalischen Konventionen der Opera buffa zugänglichen (oder karikierten) Affekt (vorstellbar wäre hier z. B. Susannas Spott über die Eitelkeit Cherubinos). Diese Arie charakterisiert nicht nur Susannas patente Geschäftigkeit, in ihr kommt die Einzigartigkeit Mozarts im Vergleich zu seinen Zeitgenossen zum Vorschein, nämlich nicht nur je einzelne Affekte oder Emotionen zu beschreiben, sondern auch das rein physische Agieren und Interagieren. Immer wieder sind es fast prosaische Vorgänge, die Mozart in Musik setzt: das Ausmessen eines Zimmers, das Herunterziehen einer Decke von einem Stuhl, das Verkleiden des Pagen, das Schreiben eines Briefes, das Suchen einer Nadel. Diese spezifisch Mozartsche Fähigkeit erfährt in den Ensembles eine weitere Steigerung. Mühelos gelingt es ihm, verschiedene, oft disparate Empfindungen unmittelbar nebeneinander, ja sogar gleichzeitig musikalisch auszudrücken: den Zorn des Grafen über Cherubino, die Ängstlichkeit Susannas und die Schadenfreude Don Basilios in Nr. 7; die vielfältigen Stimmungswechsel bei Graf und Gräfin wie auch später bei Susanna zu Beginn des Finales des 2. Aktes; die erotische Gier und Selbstüberschätzung des Grafen im Kontrast zur berechnenden Reserviertheit Susannas (mit den bezeichnenden freudschen Fehlleistungen im Duettino Nr. 17) usw.

Ungewöhnlich ist auch die Tatsache, dass im „Figaro“ ein Finale nicht einmal, sondern zweimal vorkommt: Das erste, quasi vorläufige Finale schließt den zweiten Akt ab, das zweite, endgültige, folgt erst nach dem vierten Akt.

OuvertüreDatei:Overture low.ogg

Am „revolutionärsten“ ist Mozart allerdings in der Ouvertüre seiner Oper: Wider Erwarten wird darin auf die Arien und Ensembles, die später folgen, in keiner Weise Bezug genommen; vielmehr entspricht dieses erst kurz vor der Premiere der Oper komponierte Stück in Tempo und Dynamik am ehesten dem aufrührerischen Geist des der Oper zugrunde liegenden Beaumarchais'schen Originals „Ein toller Tag“, den der Textdichter da Ponte gegenüber dem Kaiser Joseph II. abschwächen wollte.

Die Musik ist also nicht einfach jederzeit „schön“, sondern enthält – wie gesagt – viel Psychologie und subtilen Humor. Dieser beginnt bereits in der ersten Szene zwischen Figaro und Susanna, setzt sich dann vor allem in den Figuren des Pagen Cherubino und den auf diesen bezüglichen Arien fort und bestimmt alle Arien und Ensembles mit den Figuren aus der italienischen „Commedia dell’arte“, Dr. Bartolo, Marcellina, Basilio und Don Curzio.[Anm. 3] Aber auch der Graf selbst, und natürlich Figaro, werden in der Musik psychologisch bzw. in subtilem Humor charakterisiert.

Varianten

Für eine Wiederaufnahme im Jahre 1789 ersetzte Mozart beide Arien der Susanna durch Neukompositionen: An die Stelle des „Venite inginocchiatevi“ (Nr. 13) trat die Ariette „Un moto di gioia“ (KV 579), die Arie „Deh vieni, non tardar“ wurde ausgetauscht gegen die große konzertante Arie „Al desio di chi t’adora“ (KV 577). Vermutlich ebenfalls für die Wiederaufnahme 1789 nahm Mozart zwei weitere Änderungen vor: Zum einen wurde der Gesangspart in der Arie des Grafen im 3. Akt „Vedrò mentr’io sospiro“ in eine höhere Lage versetzt und die Orchesterbegleitung neu komponiert, zum anderen wurden in der Arie der Gräfin im 3. Akt „Dove sono i bei momenti“ an zwei Stellen mehrere Takte neu komponiert. Beide Varianten sind in mehreren Kopien der Partitur überliefert. In verschiedenen in Prag entstandenen Partituren findet sich im ersten Akt anstelle des Duetts „Via resti servita, Madama brillante“ eine Cavatine Marcellinas „Signora mia garbata“. Es ist möglich, dass Mozart diese Änderung für die Prager Inszenierung im Dezember 1786 vornahm, jedoch ist die Autorschaft Mozarts hier nicht gesichert.

Entstehung

Titelblatt des Librettos von Le Nozze di Figaro Prag 1786
Haus in Wien, in welchem das Werk entstand [Anm. 4]

Die Idee zur Vertonung des „Figaro“ stammt vermutlich von Mozart selbst. Jedenfalls hat dies der Textdichter Lorenzo da Ponte in seinen Memoiren berichtet, und es besteht kein Grund, ihm das nicht zu glauben. Ob es Lorenzo da Pontes eigener Verdienst war, dem Kaiser Joseph II. die Zustimmung zur Aufführung abzuringen – das Theaterstück von Beaumarchais durfte im Theater nicht aufgeführt werden, das Buch konnte allerdings gedruckt und vertrieben werden – ist nicht ganz klar. Jedenfalls erhielt Mozart nach Vorstellung einiger Kostproben vom Kaiser die Anweisung die „Partitur zum Abschreiben“ zu geben. Damit war die Erlaubnis zur Aufführung erteilt. Die Fassung von da Ponte und Mozart konnte unbeanstandet aufgeführt werden, da der (italienische) Text moderater war, obwohl von dem für die damalige Zeit brisanten Inhalt keine Abstriche gemacht wurden.

Diese Darstellung der Entstehungsgeschichte beruht ganz auf da Pontes Memoiren. Nicht einbezogen in die Überlegungen wird immer, dass der vom Kaiser protegierte Mozart-Kollege Antonio Salieri aus Paris mit dem Auftrag für eine originale und noch brisantere Beaumarchais-Oper (Tarare) nach Wien zurückgekommen war, deren Fassung für Wien von Joseph II. stark gefördert wurde.

Rezeption

Es gibt äußerst widersprüchliche Berichte über die Reaktion des Wiener Publikums auf die Premiere. Begeisterungsstürme von Musikliebhabern werden ebenso erwähnt wie eisiger Protest des Wiener Adels, der sich von Joseph II. nicht lächerlich gemacht sehen wollte. Eines jedoch steht fest – die Oper blieb in Wien nur sehr kurz auf dem Spielplan. Una cosa rara von Vicente Martín y Soler, im November 1786 uraufgeführt, kam beim Publikum besser an und lief dem „Figaro“ bald den Rang ab. Einen Triumph feierte Mozart mit dem „Figaro“ erst in Prag, wo dieser Erfolg Anlass für den Kompositionsauftrag zum Don Giovanni war.

Film

Weblinks

 Commons: Le nozze di Figaro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Le nozze di Figaro Libretto – Quellen und Volltexte (Italienisch)

Einzelnachweise

  1. Figaros Hochzeit (1949) in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
  2. Le nozze di Figaro (1975) in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database

Anmerkungen

  1. Der Barbier von Sevilla wurde später u.a. auch von Gioachino Rossini vertont.
  2. Bei der Entdeckung des Pagen kommt es zu einem Durcheinander, in welchem Basilio höhnisch bemerkt „Così fan tutte le belle“ (So machens alle Schönen). Das Motiv zu seiner Bemerkung verwendete Mozart später in der Ouvertüre seiner Oper Così fan tutte. Diese wurde nach der „Hochzeit des Figaro“ direkt von Joseph II. in Auftrag gegeben; der Text stammt ebenfalls von da Ponte.
  3. Mit ähnlichem Humor sind auch einige Figuren in anderen Mozart-Opern charakterisiert, z. B. der „Osmin“ in der Entführung, der „Leporello“ im Don Giovanni, der „Papageno“ aus der Zauberflöte.
  4. Schulerstraße 8, Wien-Innere Stadt. – Siehe: Kleine Chronik. (…) Gedenktafel. In: Wiener Zeitung, 14. November 1906, S. 5, Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
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