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Langendernbach

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Langendernbach
Gemeinde Dornburg
Koordinaten: 50° 32′ N, 8° 3′ O50.5394444444448.0483333333333246Koordinaten: 50° 32′ 22″ N, 8° 2′ 54″ O
Höhe: 246 m
Einwohner: 1.600
Eingemeindung: 1. Jul. 1974
Postleitzahl: 65599
Vorwahl: 06436

Langendernbach ist ein Ortsteil der hessischen Gemeinde Dornburg im Landkreis Limburg-Weilburg. Der Ort hat rund 1600 Einwohner. Den Namen verdankt er dem Dermesbach, der den Ort durchfließt.

Lage

Luftbild des Orts, aus Nordwesten
Dermesbach in der Ortsmitte

Langendernbach liegt am Osthang des Westerwalds, rund 17 Kilometer nördlich der Kreisstadt Limburg an der Lahn. Naturräumlich wird Langendernbach noch dem Oberwesterwald zugeordnet, genauer dem Oberwesterwälder Kuppenland, befindet sich aber im Übergangen zum hohen Westerwald. Der Ort wird von der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bundesstraße 54 durchschnitten. Der Elbbach verläuft südwestlich des Orts, von Nordosten fließt der Dermesbach durch das bebaute Gebiet.

Die Gemarkung grenzt im Südosten in einem kurzen Abschnitt an den Waldbrunner Ortsteil Hausen, im Süden an den Elbtaler Ortsteil Elbgrund, darauf folgende im Südwesten in einem kurzen Abschnitt an den Dornburger Zentralort Frickhofen und im Westen an Wilsenroth. In ihrem nördlichen Verlauf ist die Gemarkungsgrenze zugleich Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz. Im Nordwesten schließen sich Berzhahn, Gemünden und Seck an, im Nordosten Irmtraut und Neunkirchen.

Der Ort liegt am sanft ansteigenden Osthang des Elbbachtals, das an dieser Stelle durch das Tal des Dernbachs in Richtung Nordosten erweitert wird. Außer nach Südosten, in Fließrichtung des Elbbachs, steigt das Gelände rundherum an, insbesondere in Richtung der Dornburg. Höchste markante Erhebung auf Langendernbacher Gebiet ist der Kohlhack mit 409 Meter Höhe, nahe am östlichen Ortsrand. Der höchste Punkt der Gemarkung befindet sich mit 414 Metern allerdings östlich der Hohen Hahnscheid (433 üNN), deren Gipfel in Rheinland-Pfalz liegt. Das Dorf selbst erstreckt sich auf einer Höhe von 210 bis 280 Metern.

Neben dem Wald, der die östlichen und nördlichen Teile der Gemarkung bedeckt, wird das Gebiet um Langendernbach insbesondere von landwirtschaftlich genutzten Flächen und einer Tongrube nordwestlich des Orts geprägt.

Geschichte

Das Hofhaus ist das älteste Gebäude des Ortes und war im 16. und 17. Jahrhundert Sitz von Niederadligen

Die erste Erwähnung unter der Bezeichnung "Derembach" datiert auf den 9. November 879. Damals wurde ein Fronhof im Ort dem Stift St. Severus in Gemünden gestiftet. Am Anfang des 10. Jahrhunderts wurde Langendernbach dem Kirchspiel Bleßberg mit der Blasiuskapelle als Mittelpunkt angeschlossen.

Um 1100 zählte Langendernbach zur Herrschaft Diez. Die Grafen von Diez haben Teile ihres Besitzes verschiedentlich verpfändet. Im 14. Jahrhundert verpfändeten sie u.a. Frickhofen an die Grafen von Nassau-Hadamar. Mit dem Kirchspiel Frickhofen kam Langendernbach im 15. Jahrhundert an die Grafen von Nassau-Dillenburg.

Als Ortsadel traten Burgmannen der Nassauer auf. Die Herren Obentraut ließen 1556 das Hofhaus als Herrensitz am Ortsrand erbauen. Nach rund fünf Jahrzehnten kam das Hofhaus an Bernkott von Welschenengsten, dessen Familie im Dreißigjährigen Krieg vertrieben wurde. Die Soldateska des Dreißigjährigen Krieges hat den gesamten Ort geplündert, so dass bis zum Kriegsende nur noch etwa 20 Familien in Langendernbach wohnten. Die Nassau-Hadamarer haben die Ländereien ihrer Vasallen in Langendernbach während des Kriegs eingezogen, mussten den Besitz jedoch nach dem Westfälischen Frieden zurückerstatten. Später kam der Besitz an die Nassau-Dillenburg. 1739 kam der Ort an Nassau-Oranien. 1789 galt Langendernbach als einer der ärmsten Orte des Westerwalds.

Je nach Herrschaft wechselte auch der zuständige Amtsbezirk von Ellar nach Hadamar oder Mengerskirchen. 1808 kam Langendernbach zum Großherzogtum Berg, durch den Wiener Kongress 1815 an das Herzogtum Nassau. Mit Nassau wurde Langendernbach 1866 preußisch. Zu jener Zeit zählte der Ort etwa 1370 Einwohner. Die Lebensverhältnisse waren weiterhin sehr bescheiden, was u.a. zu starker Auswanderung führte. Erst nach dem Übergang zu Preußen und dem Bau der Eisenbahn über den Westerwald nach Köln kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung am Ort. Der 1872 gegründete Vorschuß-Verein (Vorläufer der heutigen Volksbank) hat maßgeblich die Bautätigkeit und die Gründung von Kleinunternehmen in Langendernbach begünstigt. Bald gab es vier Gastwirtschaften am Ort und zahlreiche Kleinunternehmen. 1893 wurde die Steinbrücke über die Elb, 1897 die Pfarrkirche, ein Jahrzehnt später das Pfarrhaus und die evangelische Kirche erbaut. Bis vor dem Ersten Weltkrieg kamen das Backhaus, das Spritzenhaus und die Wasserleitung hinzu. Die starke auf Krediten basierende Bautätigkeit blieb nicht ohne Probleme: die Genossenschaftsbank entging 1910 nur knapp dem Ruin, da viele Schuldner zahlungsunfähig waren.

Der Erste Weltkrieg, die nachfolgende wirtschaftliche Depression und der Zweite Weltkrieg führten zu einer mehrere Jahrzehnte dauernden Stagnation in der Entwicklung des Ortes. Im März 1945 wurde der Ort kampflos von vorrückenden amerikanischen Verbänden besetzt.

Nach 1945

Am 1. Juli 1974 wurde Langendernbach ein Ortsteil der Gemeinde Dornburg.[1]

Religion

Um 1570 wurde Langendernbach lutherisch, später calvinistisch und 1629 wieder katholisch.

Für 1723 sind erstmals zwei Juden in Langendernbach nachgewiesen. Ebenso wie ihre Glaubensbrüder der umliegenden Orte gehörten sie zunächst der Kultusgemeinde Ellar an. Für 1830 sind 33 Juden in Langendernbach aufgeführt. Ab 1823 kam es zu zunehmenden Konflikten zwischen der Ellarer Gemeinde und ihren Mitgliedern aus Frickhofen und Langendernbach. Ab diesem Zeitpunkt wurden in Langendernbach jüdische Gottesdienste gefeiert, ab 1857 in einem dafür gekauften Haus. Erst 1868 wurde diese Praxis vom preußischen Staat genehmigt. 1913 wechselten die Langendernbacher Juden in die Kultusgemeinde Hadamar, worauf zwischen Frickhofen und Langendernbach ein jüdischer Friedhof angelegt wurde. 1933 lebten 35 Juden im Ort. Die meisten waren im Viehhandel tätig, die Familie Stern betrieb einen Gemischtwarenladen. In der Reichspogromnacht 1938 wurden die Kultgegenstände aus dem Gebetshaus verbrannt. Bis 1942 wurden sämtliche jüdischen Einwohner entweder in die Auswanderung getrieben oder verschleppt und ermordet. In diesem letzten Jahr wurden elf jüdische Einwohner deportiert und ermordet.

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche St. Matthias
Evangelische Kirche, Seitenansicht

Die katholische St.-Matthias-Kirche wurde 1897 im neoromanischen Stil fertiggestellt. Ursprünglich sollte sie als gemeinsame Kirche mit Wilsenroth dienen, was aber wegen eines Streits der beiden Gemeinden nie verwirklicht wurde. Das Bauwerk sowie eine gut 800 Jahre alte Linde stehen auf einer Geländeerhebung. An diesem Ort befand sich spätestens seit dem 13. Jahrhundert eine Kapelle. Der unmittelbare Vorgängerbau wurde um 1650 errichtet. Zur Inneneinrichtung der heutigen Kirche gehören Wandgemälde und Langhausfenster aus dem Jugendstil. Eine evangelische Kirche wurde 1906 errichtet.

Das Hofhaus am Nordrand des Orts ist ein ehemaliger Fronhof, den 1556 ein Junker Oswald von Obentraut erbauen ließ, ein Onkel des Reitergenerals Hans Michael Elias von Obentraut. Der westliche Teil des Gebäudes ist ein massiver Steinbau, der jüngere östliche Teil hat einen Steinsockel und einen Fachwerkaufbau. Das Baujahr 1556 bezieht sich auf den Fachwerkteil, der steinerne Flügel ist älter. Noch im 16. Jahrhundert erhielt das Gebäude mit der Errichtung des Treppenturms seine heutige Gestalt.[2]

Kultur und Gesellschaft

Kulturscheune (Mitte)

Langendernbach verfügt über eine Freiwillige Feuerwehr (gegründet 1897) mit Jugendfeuerwehr (gegründet 12. März 1971), eine Ortsgruppe der KAB, eine katholische Frauengemeinschaft, den Kirchenchor "St. Matthias", einen Kulturverein, einen Carnevalverein, den Männergesangverein "Liederkranz", den ältesten Musikverein im Landkreis Limburg-Weilburg, einen Geflügelzuchtverein, einen Turn- und Sportverein, eine VdK-Ortsgruppe, einen Verein für japanische Kampfkunst, einen Schachklub, einen Dartsportverein und einen Verschönerungsverein. Außerdem ist der Ort Sitz der DLRG-Ortsgruppe für ganz Dornburg.

Wirtschaft und Infrastruktur

Langendernbach ist Sitz der Stephan Schmidt Gruppe, einem der weltweit größten Hersteller von Spezialtonen. Die Freiwillige Feuerwehr Langendernbach sorgt für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe.

Literatur

  • Hanna Wippermann: Langendernbach zwischen 1945 und 2000, Dornburg 2000

Einzelnachweise

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369.
  2. Wippermann 2000, S. 145.

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