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Landstraße 90

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Israelisches Straßenschild
Die Straße am Toten Meer
Straßenverlauf bei Qumran
Straßenverlauf bei Jericho (1992)

Die israelisch-palästinensische Landstraße 90 (hebräisch כביש 90, dt.: Landstraße 90 ) ist ein durchgängig asphaltierter Verkehrsweg, der die Stadt Elat am Roten Meer entlang des Toten Meeres über das Jordantal mit dem äußersten Norden Israels verbindet. Ihr mittlerer Abschnitt führt über das militärisch kontrollierte Territorium Palästinas.

Bedeutung

Für Israel bildet die etwa 480 Kilometer lange Landstraße 90 die direkte Nord-Süd-Achse des Landes. Im Bereich des Jordantals besaß sie während der Besetzung der Westbank eine besondere militärische Bedeutung, da mit ihrer Hilfe die Grenzsicherung zum benachbarten Königreich Jordanien gewährleistet werden konnte. Von dessen Gebiet drangen bewaffnete Palästinenser-Kombattanten ein, die Attentate und Sabotageakte verübten. Im Jordantal der Westbank hat Israel 400 Quadratkilometer zur geschlossenen militärischen Zone erklärt. Darunter zählen Flächen für militärisches Training der IDF, Minenfelder und Sicherungsflächen mit Schußwaffengebrauch.

Im Jordantal zwischen dem Toten Meer und Nordisrael bildet sie eine der Haupterschließungsrouten für alle Siedlungen im östlichen Teil des Judäischen Berglands, für Anlagen der politisch umstrittenen Wassergewinnung sowie für die Landwirtschaftsbetriebe in der Jordanebene. Die landwirtschaftliche Nutzung stellt einen wichtigen Teil des israelischen Nahrungsgüterexports dar, ist aber auch für die palästinensische Wirtschaft bedeutsam. Im Jordantal des Westbankgebietes leben etwa 53.000 Palästinenser und einige Beduinen-Kommunen.

Von den Interessen israelischer und palästinensischer Farmen im Jordantal sind auch die Verkehrswege im Jordantal, besonders die Landstraße 90 betroffen. Nach dem Jahr 2000 galt ein Verbot der Nutzung dieser Straße durch palästinensische Fahrzeuge. Sie ist die zweitlängste israelisch kontrollierte Straße in den Autonomiegebieten. Die politische Auseinandersetzung um diesen wichtigen Verkehrsweg wird von beiden Seiten mit scharfen und aggressiven Argumentationen geführt.[1]

Darüber hinaus gerieten die Checkpoints der Israelischen Armee in die Kritik beider Seiten. Es wird somit eine Lockerung für den regionalen und Durchgangsverkehr gefordert, da man sich dadurch eine Erleichterung der regionalen Wirtschaft und Förderung des Tourismus erhofft.[2]

Seit Mai 2005 ist es Palästinensern mit im Personaldokument nachgewiesenen Aufenthaltsrechten im Jordantal wieder erlaubt, die Landstraße 90 zu benutzen. Einigen Personen mit Land- und Immobilienbesitz ist das Recht auf Nutzung ihres Besitzes nur mit Sondererlaubnissen möglich und die Übernachtung in diesem Gebiet ist ihnen jedoch untersagt. Bei Passieren der Checkpoints gibt es in Spitzenbelastungszeiten Warteintervalle von 30 bis 90 Minuten. Für nichtisraelische Arbeitnehmer im Einzugsgebiet der Landstraße 90 sind besondere Genehmigungen erforderlich. Diese gelten für einen begrenzten Zeitraum und unterliegen Sicherheitsbeschränkungen. Seit dem Jahr 1967 wurden fünf militärische Einrichtungen und mehr als 20 Siedlungen im Jordantal auf beiden Seiten der Landstraße 90 errichtet.[3]

Grenzübergangspunkte

An der Straße liegen zwei Grenzübergangspunkte. Einer bei dem Dorf Sdei Trumot südlich von Bet Sche'an und der andere bei En Gedi. Beide Posten dienen der Grenzübergangssicherung von und nach dem Palästinensischen Autonomiegebiet im Westjordanland.

Wichtige Ortschaften an der Landstraße 90

Verlauf

Die Landstraße 90 beginnt im südlichsten Landesteil von Israel bei Elat. Von dort führt sie in nördliche Richtung im Aravatal am Rande der Wüstenregion des Negev, wobei entlang ihrer Route einige prähistorische und antike Fundstätten sowie das Jotvata-Reservat liegen. Bei Neve Zohar, wo die Landstraße 31 in Richtung Arad abzweigt, berührt sie erstmals die unmittelbare Umgebung des Toten Meeres, dessen Westufer sie nun parallel folgt. Nördlich von En Gedi passiert sie einen Grenzkontrollpunkt, wonach die Landstraße weiter auf palästinensischem Gebiet dem Toten Meer folgt. In diesem Bereich liegt westwärts das Judäische Bergland und am Nordende des Toten Meeres die archäologische Fundstätte Qumran. Nördlich davon quert der Highway A1, der aus westlicher Richtung von Jerusalem kommend in östliche Richtung zur Grenze mit Jordanien und von dort als Nationalstraße 30 weiter nach Amman führt. Der Abschnitt entlang des Toten Meeres wird Dead Sea Highway genannt.

Vom Kreuzungspunkt mit dem Highway A1 verläuft die Landstraße 90 in der breiten Jordanebene weiter in nördliche Richtung und wird bis kurz vor Bet Sche'an von hohen Gebirgszügen flankiert. Auf israelisch-palästinensischer Seite sind es die Berge vom Judäischen Bergland. Auf ihrer östlichen Seite fließt der Jordan mit seinem teilweise tief eingeschnittenen Flussbett und auf jordanischer Seite liegt die Kette des Moav-Gebirges. In Jericho quert der Highway 3, der von Ramallah kommend zum palästinensisch-jordanischen Grenzübergang am Jordan mit der Allenby-Brücke führt und von dort als Nationalstraße 48 weiter östlich zur Stadt As Salt verläuft.

Weiter im Jordantal aufwärts passiert die Landstraße 90 nur kleinere Siedlungen, bei Yafit gibt es einen Abzweig zum nahe gelegenen Jordantal-Denkmal, das an Soldaten der Israelischen Armee erinnert, die seit 1967 bei ihrem Dienst im Jordantal starben. Weiter nördlich davon kreuzt die Landstraße 57, die von Nablus kommend aus dem Judäischen Bergland herabführt und schließlich auf der Damiya-Brücke den Jordan quert, um sich auf jordanischer Seite mit der im Jordantal verlaufenden Nationalstraße 45 zu vereinigen. Nach diesem Kreuzungspunkt führt die Landstraße 90 sehr nah an den stark mäandrierenden Jordanverlauf heran und ist teilweise durch besondere Grenzbauten geschützt. Schließlich verlässt sie an einem Grenzkontrollpunkt nördlich von Mehola das Palästinensische Autonomiegebiet.

Schließlich erreicht die Straße den See Genezareth und führt an seinem westlichen Ufer nach Tiberias, wo auch die von Haifa und Nazareth heranführende Landstraße 77 einmündet. Weiter dem Seeufer in nordöstlicher Richtung folgend durchquert sie eine Tiefebene bei Migdal und verlässt dessen Gebiet an einer Straßengabelung, wo die Landstraße 92 zu den Golanhöhen abzweigt. Von diesem Punkt an verläuft die Route wieder in strikt nördlicher Richtung, vorbei an einem westlich gerichteten Abzweig der Landstraße 85 nach Akko, bis sie den Abzweig der Landstraße 91 nach Kuneitra und Damaskus erreicht, der ursprünglich von großer militärischer Bedeutung war. Weiter nach Norden am Fuße der zu Israel gehörenden Abhänge des bewaldeten Berglandes im Jabal Amel erreicht die Straße in der Chulaebene die Kleinstadt Kirjat Schmona. Nach diesem Ort zweigt in östliche Richtung die Landstraße 99 ab, auf der man das Hermon-Massiv mit dem einzigen Wintersportareal Israels erreichen kann. Mit ihrem letzten nördlichen Abschnitt erreicht sie nun die stark befestigte Grenzstadt Metulla, wo die sich am Grenzübergang anschließende Nationalstraße 6 in den Libanon führt.

Mit ihrem gesamten Verlauf folgt die Landstraße 90 dem Jordangraben, der nördliche Teil der tektonischen Großstruktur des Großen Afrikanischen Grabenbruchs.

Ausgewählte Sehenswürdigkeiten

"Safari"-Denkmal in Metulla

Literatur

  • Zsuzsa Balla et al.: Israel, Israël, Izrael. 1:500 000. Budapest (Cartographia) 1990, ISBN 963-351-510-6
  • Der Große Polyglott. Israel. München (Polyglott) 1990

Weblinks

Einzelnachweise

Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Landstraße 90 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.