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LTI – Notizbuch eines Philologen

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LTI – Notizbuch eines Philologen ist ein 1947 erschienenes Werk von Victor Klemperer, das sich mit der Lingua Tertii Imperii, der Sprache des Dritten Reiches, befasst.

Bereits sein Titel ist eine Parodie auf die ungezählten Kürzel aus der Sprache der Zeit des Nationalsozialismus wie BDM, HJ, DAF, NSKK, KdF etc. Klemperer erklärt dazu im ersten Kapitel: „Ein schönes gelehrtes Signum, wie ja das Dritte Reich von Zeit zu Zeit den volltönenden Fremdausdruck liebte: Garant klingt bedeutsamer als Bürge und diffamieren imposanter als schlechtmachen. (Vielleicht versteht es auch nicht jeder, und auf den wirkt es dann erst recht.)“ Er kommt zum Ergebnis, dass die Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus die Menschen weniger durch einzelne Reden, Flugblätter oder ähnliches beeinflusst habe als durch die stereotype Wiederholung der immer wieder gleichen mit nationalsozialistischen Vorstellungen besetzten Begriffe.

Inhalt und Aufbau

Das Buch steht unter dem Motto „Sprache ist mehr als Blut“ nach Franz Rosenzweig. Es beginnt statt eines Vorworts mit dem Kapitel Heroismus, in dem sich der Autor gegen die maßlose Verwendung der Begriffe Heldentum und heldenhaft im Nationalsozialismus wendet.

Es besteht aus 36 Kapiteln:

  • Das 4. Kapitel beschäftigt sich mit Max René Hesses Roman Partenau, den Klemperer als „Vorwegnahme der Sprache, der Gesinnungen des Dritten Reichs“ bezeichnet.
  • Das 6. Kapitel: Die drei ersten Wörter nazistisch behandelt folgende Wörter: Strafexpedition, Staatsakt und historisch.
  • Im 8. Kapitel: Zehn Jahre Faschismus beschreibt Klemperer die Vorführung eines italienischen Tonfilms mit dem Duce als Hauptdarsteller und vergleicht anschließend den italienischen Faschismus mit dem deutschen Nationalsozialismus.
  • Im 19. Kapitel: Familienanzeigen macht sich der Autor Gedanken über die Floskeln In stolzer Freude bei Bekanntmachungen von Geburten bzw. In stolzer Trauer bei Gefallenenanzeigen.
  • Im 21. Kapitel: Die deutsche Wurzel gelangt er nach Überlegungen über die typisch deutsche Entgrenzung, d. h. Maßlosigkeit, zur Einzigartigkeit des Antisemitismus im Dritten Reich. Dieser unterscheide sich von der üblichen Judenfeindschaft in drei Punkten: er stellt einen Anachronismus dar, d. h. einen Rückfall in längst vergangen geglaubte Zeiten, er ist in der Organisation der Vernichtung technisch vollendet, und vor allem basiert er auf dem Rassegedanken, so dass Assimilation unmöglich wird.
  • Im 23. Kapitel: Wenn zwei dasselbe tun setzt er dem nationalsozialistischen Ausdruck gleichschalten Lenins Ausspruch gegenüber, der Lehrer sei der Ingenieur der Seele.
  • Das 26. Kapitel: Der jüdische Krieg schildert eine Routineuntersuchung des Autors durch Gestapo-Beamte, die mit den Worten eingeleitet wird: Ich will den mal flöhen. Seit dem 1. September 1941 waren die in Deutschland verbliebenen Juden durch die Pflicht zum Tragen des Judensterns äußerlich erkennbar.
  • Das 34. Kapitel: Die eine Silbe handelt von der Schlusszeile des Liedes „Es zittern die morschen Knochen“: Denn heute gehört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt. Klemperer berichtet, er habe in einer Ausgabe von 1942/43, nach der Niederlage in Stalingrad, überraschenderweise die wie folgt abgeänderte Zeile gefunden: und heute, da hört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt. Klemperer kommentiert: Das klang unschuldiger. (Siehe auch: Hans Baumann.)

Verfilmung

Im Jahr 2003 wurde LTI unter dem Titel Die Sprache lügt nicht (Originaltitel: „La langue ne ment pas“) für das Fernsehen adaptiert. Regie bei diesem deutsch-französischen Dokumentarfilm führte Stan Neumann. Der 80-minütige Film wurde im Juli 2005 beim Jerusalemer Filmfestival ausgezeichnet. [1]

Ausgaben

Literatur

  • Dolf Sternberger, Gerhard Storz, Wilhelm Emanuel Süskind: Aus dem Wörterbuch des Unmenschen. Ullstein, München 1989, ISBN 3-548-34335-X (Nachdruck der Ausgabe München 1957).
  • Frank O. Hrachowy: Stählerne Romantik. Automobilrennfahrer und nationalsozialistische Moderne. BoD, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-1249-1 (Diese Untersuchung basiert auf Klemperers LTI und untersucht die von ihm spezifizierte NS-Propagandasprache in den Veröffentlichungen der zeitgenössischen Volksheroen)
  • Kristine Fischer-Hupe: Victor Klemperers LTI – Notizbuch eines Philologen. Ein Kommentar. Georg Olms Verlag – Weidmannsche Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 2001, ISBN 3-487-11484-4

Weblinks

WiktionaryWiktionary: Lingua Tertii Imperii – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
WiktionaryWiktionary: LTI – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel LTI – Notizbuch eines Philologen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.