Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzy­klo­pädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

How to read Jewiki in your desired language · Comment lire Jewiki dans votre langue préférée · Cómo leer Jewiki en su idioma preferido · בשפה הרצויה Jewiki כיצד לקרוא · Как читать Jewiki на предпочитаемом вами языке · كيف تقرأ Jewiki باللغة التي تريدها · Como ler o Jewiki na sua língua preferida

Rituelle Reinheit

Aus Jewiki
(Weitergeleitet von Kultische Reinheit)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rituelle oder kultische Reinheit ist in vielen Religionen der Zustand einer Person, der es ihr erlaubt, die heiligen Stätten zu betreten und am Kult teilzunehmen. Rituelle Reinheitshandlungen kannte die Antike aber auch bei gesellschaftlichen Ereignissen wie bei einem Symposion.

Religion und Moral

Religionsgeschichtlich lässt sich eine fortschreitende Verschiebung des Reinheitsbegriffs von der kultisch-rituellen zur moralisch-interpersonalen Ebene beobachten:

Im Mittelalter wurden Reinigungseide Verfahrenselement der Gerichtsbarkeit, um sich seiner Schuld zu entledigen oder seine Unschuld zu bezeugen.

Rituelle Unreinheit entsteht durch natürliche Vorgänge (zum Beispiel Menstruation, Gebären, Aussatz), durch Kontakt mit unreinen Dingen (Fäkalien, Kadaver, Leichen etc.) oder Personen (Ungläubige, Heiden, Kastenlose oder Unberührbare), durch ein sittliches Fehlverhalten (Sünde) oder auch durch Töten eines Feindes im Krieg. Zur Sühne bzw. zur Wiedererlangung der Reinheit bestehen oft genau vorgeschriebene Traditionen und Rituale, etwa in Form eines Opfers, einer Pilgerfahrt oder einer Kasteiung. Die verlorene Reinheit kann auch durch Körperreinigung wie z. B. Fußwaschung oder durch Fasten wiederhergestellt werden.

Im moralischen Sinne versteht man unter Reinheit die Einhaltung von Tugend, insbesondere der Keuschheit, im religiösen Sinn kann es auch die Unberührtheit sein.[1] Etwa im Hinduismus heißt rituelle Reinheit, dass keine Berührungen durch Personen einer niedrigeren Kaste erfolgen. Ihr Gegenteil ist die Unreinheit. Im erweiterten Sinn spricht man im Zen-Buddhismus von Reinheit, wenn jemand unbetroffen und frei von äußeren Einflüssen agiert. In dem Zustand des Wu Wei wird aus dem Augenblick heraus ohne Bewertung und gedankliche Analyse gehandelt. Dies ist eine der essenziellsten Praktiken vieler spiritueller Bewegungen. Dieser Zustand ist nicht in allen Traditionen von Geburt an gegeben, sondern muss vielfach durch eine Initiationshandlung erworben werden, zum Beispiel in der katholischen Kirche durch die Taufe, die Voraussetzung für die Kommunion ist. Der Islam kennt zwei Arten der rituellen Reinigung des Körpers: die ‚Kleine Waschung‘ vor dem Gebet (wuḍūʾ) und die ‚Große Waschung‘ (ghusl).

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Wikiquote: Reinheit – Zitate

Anmerkungen

  1. Vgl. auch Gerhard Eis: Kultische Keuschheit in der mittelalterlichen Wundarznei. In: Medizinische Monatsschrift. 10, 1956, S. 617–619; auch in: Gerhard Eis: Vor und nach Paracelsus. Untersuchungen über Hohenheims Traditionsverbundenheit und Nachrichtzen über seine Anhänger. Stuttgart 1965 (= Medizin in Geschichte und Kultur. Band 8), S. 29–36.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Rituelle Reinheit aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.