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Kugelschreiber

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Ein Kugelschreiber in seine Einzelteile zerlegt und in seiner Gesamtheit

Der Kugelschreiber ist ein Schreibgerät, das eine Tintenpaste mittels einer Kugel auf Papier überträgt. Er geht auf Patente des 19. Jahrhunderts zurück. Die umgangssprachliche Kurzform Kuli bezeichnete ursprünglich den 1928 von Rotring entwickelten Tintenkuli. Seit dessen Bedeutungsverlust und dem Siegeszug des Kugelschreibers in den 1940er Jahren weltweit wird „Kuli“ im Deutschen allgemein für den Kugelschreiber benutzt.[1]

Funktionsweise

Spitze eines Kugelschreibers mit Kugel und sichtbaren Tintenspuren. Der weiße Balken entspricht 1 mm Länge.

Kugelschreiber haben einen Vorratsbehälter mit zähflüssiger, schnell trocknender Tinte.

Streicht der Kugelschreiber über das Papier, so dreht sich die Kugel, nimmt dabei auf ihrer dem Vorratsbehälter zugewandten Seite Tinte auf und gibt sie auf der anderen an das Papier ab. Die Kugel ist aus einem extrem harten keramischen Material (Wolframcarbid, Markenname Widia), um den Verschleiß gering zu halten. Während der Zeit, in der man den Kugelschreiber nicht benötigt, wird die Kugelschreiber-Mine mittels eines Mechanismus in das Gehäuse des Kugelschreibers zurückgeführt. Dies kann durch ein Drehsystem geschehen oder durch ein Federsystem, das mittels Taster auf dem Kugelschreiberende aktiviert wird. Das ist deshalb sinnvoll, weil Kugelschreibertinte sehr leicht auf Kleidung abfärbt und sich nur schwer wieder entfernen lässt.

Je nach gewünschter Strichdicke hat die Kugel einen Durchmesser von 0,7 bis 1,4 Millimetern, bei besonders feinen Kugelschreibern, zum Beispiel in Japan, auch von nur 0,2 Millimetern.

Auch anzumerken ist, dass der handelsübliche Kugelschreiber seit dem 1. Jh n.Ch. eine begerte Waffe unter Beamten ist. Dazu betetigt man das Ende des Kugelschreibers. (Bei einzelnen Geräten muss man zusetzlich "Hex-Hex" sprechen. Dies wurde erstmals literatisch in "Percy Jackson" erläutert.

Kugelschreiberspitze beim Abrollen über das Papier
Kugelschreiberzeichnung, 15 cm x 10 cm

Datei:Kugelschreiber-Kugel.ogv Datei:Kugelschreiber-und-Papier.ogv

Geschichte

Bereits Galileo Galilei fertigte eine Skizze an, die eine Art Vorläufer des Kugelschreibers zeigt. Erste Patente zu Schreibgeräten, die ihre eigene Tinte mitführen, gab es im 19. Jahrhundert.

1888 erhielt der Amerikaner John J. Loud ein Patent auf ein kugelschreiberähnliches Gerät, mit dem man Leder markieren können sollte. Slavoljub Eduard Penkala, ein kroatischer Erfinder, patentierte 1906 ebenfalls einen Kugelschreiber-Vorläufer. Der gebürtige Ungar László József Bíró erfand, unterstützt von seinem Bruder Georg, in Budapest in achtzehnjähriger Entwicklungsarbeit die Grundform des heutigen Kugelschreibers mit Farbmine und rollendem Kügelchen in der Minenspitze zum Auftragen der Farbmasse auf das Papier. Vermutlich kam ihm die Idee beim Anblick rotierender Druckwalzen, die die Farbe auf ähnliche Weise auf das Papier auftragen. Sein im Jahr 1938 erstmals in Ungarn erteiltes Patent ließ er am 27. Dezember 1938 in den USA als „Fountain Pen for Pulpy Ink“ (später „Ball Pen“) und 1943 in Argentinien erneuern, wohin er 1940 vor den Judenverfolgungen in Ungarn geflohen war. Er gründete dort das Unternehmen „Sylvapen“.

Der tatsächliche Durchbruch für den Kugelschreiber kam mit dem britischen Geschäftsmann Henry George Martin. Er erkannte den Kugelschreiber als ideales Schreibwerkzeug für Flugzeugbesatzungen, das auch in großen Höhen funktioniert, ohne dabei zu klecksen. Er kaufte Bíró die Patentrechte ab, gründete gemeinsam mit Frederick Miles im Jahr 1944 in Reading (Berkshire, England) die erste Kugelschreiberfabrik der Welt und startete eine Serienproduktion. Im ersten Jahr seines Bestehens lieferte das Unternehmen 30.000 Kugelschreiber an die Royal Air Force. [2]

Im Juni 1945 wurde der amerikanische Geschäftsmann Milton Reynolds in Buenos Aires auf den Kugelschreiber aufmerksam. Er ließ die Technik in den USA nachbauen. Unter dem Namen Reynolds' Rocket wurden die Kugelschreiber noch im gleichen Jahr zu einem Verkaufserfolg in den USA, obwohl der Kugelschreiber rund eineinhalbmal so viel kostete wie eine Füllfeder. Wegen Qualitätsproblemen musste Reynolds jedoch tausende Exemplare zurücknehmen und ging 1951 in Konkurs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen mehrere Unternehmen, Kugelschreiber zu produzieren, teilweise ohne die Patentrechte zu besitzen. Das deutsche Unternehmen Schneider[3] zahlte ab 1947 bis zum Erlöschen der Patente 19 Millionen DM an Lizenzgebühren. Das Unternehmen Schmidt im Schwarzwald konzentrierte sich auf die Herstellung und Entwicklung der Mechanik der Kugelschreiber.[4] Das Problem des Klecksens bekam erst der Franzose Marcel Bich in den Griff. Unter dem Namen BIC brachte er Ende 1950 seinen Kugelschreiber auf den Markt und läutete damit endgültig das Zeitalter des Kugelschreibers als Massenprodukt ein.

In mehreren Ländern wird der Kugelschreiber nach seinem Erfinder genannt, z. B. biro in England, birome in Argentinien oder penkala in Kroatien. In Frankreich stellte Baron Bich große Mengen billiger Einweg-Kugelschreiber unter dem Markennamen BIC her, wodurch bic ein Synonym für Kugelschreiber wurde. In Argentinien wird der Tag des Erfinders jährlich am Geburtstag László Bírós (29. September) gefeiert.

Die ersten Kugelschreiber wurden 1945 für 8,50 US-Dollar verkauft. In Deutschland kosteten die ersten Modelle 1950 etwa 20 DM.

Wissenswertes

Plotter und ähnliches

Einige technische Geräte verwenden spezielle Kugelschreiberminen, so etwa Stiftplotter, wie der Commodore VC1520, oder die Plotterschreibmaschine Silver Reed EB50.

Verwendung in der Schule

In der Schule ist der Kugelschreiber in der Regel erst nach dem vollständigen Erwerb einer verbundenen Schrift erlaubt, zu der auch das Erlernen des Umgangs mit Füllfederhaltern (siehe dort: Schulischer Schreiberwerb), üblicherweise in der zweiten Jahrgangsstufe, gehört.

NASA-Kugelschreiber

Als eine moderne Sage gilt, dass die NASA für eine Million Dollar einen speziellen Kugelschreiber entwickeln ließ, der auch im Weltall unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit zuverlässig funktioniert, während die Sowjetunion der Einfachheit halber einen Bleistift benutzte.[5]

Weltrekord

Den größten Kugelschreiber fertigte Olaf Fügner. Durch Guinness World Records (GWR) wurde dieser 2006 anerkannt und im Guinness-Buch der Rekorde 2009 veröffentlicht. Die Anfertigung einer entsprechend großen Mine war nicht nur eine technische Herausforderung. Im Labor musste dazu eine spezielle Schreibpaste angefertigt werden. Die funktionstüchtige Mine stammt von der StarMinen AG / Schweiz. Der Kugelschreiber besteht aus Pappe (außer Anfang- u. Endstück) und ist 333 cm lang bei einem Durchmesser von 11,1 cm. Das Gesamtgewicht liegt bei ca. 8 kg. Die Mine selbst ist 106,5 cm lang. Die Schaftbreite beträgt 1,6 cm.[6]

Unseriöse Nebenverdienstangebote zur Kugelschreibermontage

Über viele Jahrzehnte hinweg war die Kugelschreibermontage in Heimarbeit ein unersetzbarer Fertigungsschritt bei der Herstellung. Kugelschreiberteile sind leicht und klein, die Arbeit einfach und nach Stückzahl berechenbar, deshalb ist die Arbeit bis heute ein begehrter Nebenerwerb, der deshalb früher oft gern in Heimarbeit ausgelagert wurde. Allerdings warnen Verbraucherschützer vor zahlreichen unseriösen Arbeitsangeboten. Nach Angabe von Heimarbeit-abc.de seien heute nur noch Sonderformen oder Kleinserien in Heimarbeit vermittelbar, für die sich der Maschineneinsatz nicht lohne.[7] Ein weiteres Branchenportal Nebenjob.de konnte bei einer Recherche in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale in Hamburg keinen einzigen Hersteller finden, der Heimarbeit zur Kugelschreibermontage anbietet. Das Geschäftsmodell unseriöser Anbieter beruhe meist auf kostenpflichtigen Hotlines, überteuertem Wareneinkauf oder jeglichen Formen von Vorkasse. Rechtlich seien die unseriösen Angebote durch eine geschickte Formulierung meist unangreifbar.[8]

Verwandte Schreibgeräte

Einzelnachweise

Weblinks

 Commons: Kugelschreiber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Kugelschreiber – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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