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Ktaw Aschuri

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Schriftmuster nach aschkenasischer Tradition

Ktaw Aschuri (Ksav Aschurat etc.) bezeichnet das "assyrische Alphabet" (hebräisch אָלֶף־בֵּית אַשּׁוּרִי) bzw. die "assyrische Schreibschrift" (hebräisch כְּתָב אַשּׁוּרִי) und bezieht sich auf gewisse kalligraphische Formen des aramäischen Alphabets, ein Ausdruck, der zunächst in der Mischna gebräuchlich war und sich auf das aramäische Alphabet als solches oder eine spezielle Schreibschrift, wie sie bei bestimmten jüdischen Riten zum Tragen kam, beziehen kann.

Erörterungen

"Mar Sutra sagte, und laut anderen war es Mar Ukwa: Zuerst wurde die Tora Israel im Ktaw Ivri gegeben und in der heiligen Sprache. Sie wurde ihnen in den Tagen von Esra wiederum in Ktaw Aschurit - der aschurischen Schrift - und in der aramäischen Sprache (d. h. der Sprache des Targum, der während des babylonischen Exils die von den Jehudim gesprochene Sprache war) gegeben. Das jüdische Volk wählte für sich danach die aschurische Schrift und die heilige Sprache und überliess Ktaw Iwri und die aramäische Sprache den weltlichen Leuten. Wer waren die "weltlichen Leute"? Raw Chisda sagte, die Kutäer (d. h. Samaritaner). Was ist "Ktaw Iwri"? Raw Chisda sagte: "Libunoa".

Es gibt verschiedene Interpretationen für "Libunoa", aber gemäss allen ist es eine minderwertige Schrift. Raschi kommentiert, dass es eine ungelenke, überdimensionierte Schrift war, die in jenen Zeiten normalerweise für Amulette und Mesusot verwendet wurde (Sanhedrin 21b).

Der obenerwähnte Abschnitt ist bei den Meforschim Thema vieler Diskussionen. Die klare Schlussfolgerung der Gemara scheint zu sein, dass "Ktwa Aschuri", die Schrift, in der alle "heiligen Rollen" geschrieben werden, bei den Juden nicht vor der Zeit von Esra eingeführt wurde, ca. vor 2300 Jahren.

"Ktaw Aschurit" war demnach anscheinend die Schrift des alten "Aschur-Assyrien", eines der Länder des persischen Reichs, unter dem die Juden in der Zeit von Esra im Exil lebten. Bis dahin war die Schrift, die von den Juden verwendet wurde, die alte hebräische Schrift, die als "Ktaw Iwri" bekannt ist, obwohl "Ktaw Iwri" gänzlich anders war als "Ktaw Aschuri". Wenn es aber wahr ist, dass die Luchot mit den Zehn Geboten in einer anderen Schrift gemeisselt waren als in "Ktaw Aschuri", würde das bedeuten, dass die Schrift, die heute mit der Tora in Verbindung gebracht wird, ausländischen Ursprungs war und dass Jisrael die Schrift, in der G'tt ihnen ursprünglich Seine Worte vermittelt hatte, verworfen oder vergessen hatte.

Das ist aus vielen Gründen schwierig: Die Gemara spricht davon, dass G'tt den heiligen Buchstaben Kronen angeheftet und Mosche erklärt hat, dass zahlreiche Gesetze aus ihnen durch Talmide Chachamim wie Rabbi Akiwa abgeleitet würden (Menachot 29b). Aber nur Ktaw Aschurit hatte diese Kronen, nicht die alte hebräische Schrift. Kann es sein, dass die eigentliche Schrift, in der G'tt selbst die Luchot graviert hatte, vom jüdischen Volk verworfen und der Verwendung durch die Kutäer anvertraut wurde?

Raw Chisda, der mit der besprochenen Meinung einig geht und sie erklärt, lehrt ebenfalls, dass das Mem und das Samech der Luchot nur durch ein Wunder an ihrem Platz blieben, denn der mittlere Teil dieser Buchstaben blieb in der Luft hängen (Schabbat 104a). Im "alten Hebräisch" jedoch waren das "Mem" und das "Samech" keine runden, geschlossenen Buchstaben, wie sie es in "Ktaw Aschuri" sind. Der einzige alt-hebräische Buchstabe, der gänzlich geschlossen ist, ist das Ajin, das wie ein Dreieck geschrieben wurde, dessen Seiten alle geschlossen sind. Wenn Raw Chisda also in Sanhedrin sagt, dass die Tora im "alten Hebräisch" gegeben wurde, ist das ein direkter Widerspruch zu seiner eigenen Meinung, dass das "Mem" und "Samech" der Luchot gänzlich geschlossene Buchstaben waren. Die 22 Buchstaben des hebräischen Aleph Beit sind voller Lektionen und Andeutungen. Wie ist es möglich, dass alle diese Lehren während der Periode von Jehoschua bis Esra dem jüdischen Volk verborgen waren?

Drei tannaitische Meinungen

Die Frage des "Ktaw Aschuri" ist nicht auf die Meinung von Mar Sutra und Raw Chisda beschränkt. Die Gemara (Sanhedrin 21b-22a) bemerkt, dass sie das Thema einer Auseinandersetzung der Tannaim war und dass es drei verschiedene Meinungen gibt.

Raw Josi

Raw Josi ist der Meinung, dass Esra das "Aschuri" als neue Schrift für das Torastudium einführte und dass er durch einen Passuk in Dewarim dazu autorisiert war. Dieser deutet an, dass die ursprüngliche Schrift sich ändern würde und dass die neue Schrift wegen ihres assyrischen Ursprungs "Aschuri" genannt wird, und dass sie mit den Juden von Assyrien nach Eretz Jisrael "hinaufkam". Damit unterstützt Raw Josi die Meinung von Mar Sutra.

Rabbi

Rabbi (Raw Jehuda Hanassi) ist der Meinung, dass "Aschuri" die ursprüngliche heilige Schrift war, in der die Tora Jisrael gegeben wurde, und dass sie während vieler Jahrhunderte allgemein verwendet wurde. In den abschliesenden Generationen des Ersten Tempels jedoch begannen die Menschen mit Götzendienst und anderen schweren Sünden zu sinken, die schliesslich die Zerstörung und das Galut brachten. Als das geschah, waren die Menschen nicht länger würdig, "Ktaw Aschurit" mit dessen grosser Heiligkeit zu verwenden. Als Folge davon verursachte Haschem, dass Israel diese heilige Schrift vergass und zum profanen "Ktaw Iwri" zurückkehrte. Laut Rabbi ist das Wort "Aschuri" deshalb überhaupt nicht mit Assyrien verbunden. "Warum wird es 'Aschuri' genannt? Weil es die erhabenste aller Schriften ist". Wie der Rambam erklärt (Mischna Jadaim 2:5) deutet dieser Name Pracht und Ansehen an. Es wird vom Wort "Oscher" abgeleitet, das Lob, Glück bedeutet, wie Silpas zweiter Sohn den Namen "Oscher - zu meinem Glück" erhielt. "Denn die Frauen betrachten mich als vom Glück begünstigt!" (Bereischit 30:13). Die Schrift "Aschuri" zeichnet sich durch ihre Klarheit und Schönheit aus, sowohl weil ihre Buchstaben leicht erkennbar sind, als auch weil sie einander gemäss den Vorschriften des Schreibens von Heiligen Schriftrollen nicht berühren dürfen.

Schimon ben Elasar

Die letzte Meinung ist diejenige von Raw Schimon ben Elasar im Namen von Raw Elieser ben Parta im Namen von Raw Elasar Hamodai. Seine Meinung wird von vier bedeutenden Amoraim erläutert: Raw, Schmuel, Rabbi Jochanan und Raw Aschi. Gemäss ihrer Meinung verwendeten die Jehudim nie irgendeine andere Schrift als das "Ktaw Aschuri" für die Tora und andere heilige Schriftrollen. Sie erklären Raw Josis Beweis auf andere Weise und bringen andere Psukim zur Unterstützung ihrer Meinung. Die Gemara gibt laut diesen Chachamim keinen Grund für den Namen von "Ktaw Aschuri" an, aber es ist klar, dass sie den Namen so erklären würden, wie Rabbi es tut: "Es bedeutet nicht die assyrische Schrift, sondern die erhabene Schrift".

Schlussfolgerungen

Der Teschuwot Hageonim (358, ungekürzt zitiert von Margolis Hajam zu Sanhedrin 21b) bespricht die drei Meinungen und entscheidet, dass die korrekte Meinung die dritte ist, die bestreitet, dass die Jehudim je "Ktwa Iwri" verwendet haben. Der Entscheid basiert auf einer Zahl von biblischen und talmudischen Beweisen und schlussendlich auf der Zahl von Tannaim und Amoraim, die diese Ansicht unterstützten. Insgesamt drei Tannaim vertreten diese Meinung, unter ihnen Raw Elasar Hamodai, der über all denen stand, die seine Meinung anfechten.

Zudem ist die Tatsache, dass vier der grössten Amoraim über eine Zeitperiode von mehreren Generationen diese Meinung vertraten von grosser Bedeutung. Eine der Regeln für halachische Entscheidungen ist, dass eine Position, die von der Mehrheit der Amoraim vertreten wird, als massgeblich betrachtet wird - warum würden sie sich sonst damit beschäftigen?

Es sollte auch erwähnt werden, dass ja auch der Rambam erklärt, dass "Ktaw Aschuri" die Schrift ist, die Haschem beim Geben der Tora verwendete; ihr Name bezieht sich nicht auf Assyrien, sondern auf ihre Eigenschaft. Demgemäss sind die Probleme, die oben bezüglich der Meinung von Mar Sutra zur Sprache kamen - dass "Ktaw Aschuri" aus Assyrien kam - nur theoretischer Natur. Gemäss der akzeptierten Meinung ist die hebräische Schrift nicht assyrisch, und alle Heiligkeit, die seit Menschengedenken mit der Schrift der Tora verbunden ist, bezieht sich auf die einzige Schrift, die die Jehudim je für heilige Zwecke verwendet haben.

Die Lösung laut Mar Sutra

Offen bleibt jedoch noch die Meinung von Mar Sutra. Die meisten der bedeutenden Kommentatoren erklären Mar Sutras Meinung wie folgt: Die Luchot wurden in der Tat in der Schrift geschrieben, die später als "Ktaw Aschuri" bekannt wurde. Dasselbe gilt für die Torarolle, die im Kodesch Kodaschim im Bet Hamikdasch aufbewahrt wurde. Das war die Heilige Schrift, die Mosche Rabenu im Himmel beobachtet und mit der alle Lehren des Talmud und des Midrasch verbunden sind. Weder Mosche noch das Volk wollten jedoch Haschems heilige Schrift für weltliche Zwecke verwenden. Da sie sich ihrer Heiligkeit bewusst waren, waren sie auch unwillig, sie als tägliche Sprache zu verwenden, damit sie nicht entweiht würde oder die Leute ihren Respekt für sie verlieren würden. Ihre Ehrfurcht ging so weit, dass sogar die Torarollen, die für das Studium der Massen und für die Synagogen geschrieben wurden, in "Ktaw Iwri" geschrieben wurden. Demzufolge kannte die allgemeine Bevölkerung nach gewisser Zeit die "Ktaw Aschuri" nicht mehr und wusste nicht, wie sie wirklich aussah. Nur die wenigen grossen Chachamim des jüdischen Volkes gaben die Tradition der "Ktaw Aschuri" weiter. Als in der Zeit von Belschazar (Daniel 5) die "Handschrift an der Wand erschien, konnten deshalb nicht einmal die jüdischen Berater des Königs diese lesen, weil sie in "Aschuri" geschrieben war. Nur Daniel konnte sie entziffern, weil er als Führer Israels in die Tradition eingeweiht war, die von der Zeit von Mosche Rabenu überliefert worden war. Die Handschrift an der Wand machte aber allen Anwesenden die Existenz dieser heiligen Schrift wieder bewusst. Die Nachricht darüber verbreitete sich und mit ihr das Bewusstsein, dass es eine uralte, "echt jüdische Schrift" gab, die vergessen worden war. Das Volk wollte diese Verbindung zur Übergabe der Tora erneuern. Deshalb brachte Esra sie dem Volk bei, und dieses beschloss, sie von dieser Zeit an für all ihre heiligen Schriften zu verwenden. Nur die Kutäer schrieben ihre Torarollen weiterhin in "Ktaw Iwri".

Wenn Mar Sutra sagt, dass die "Tora an Jisrael in Ktaw Iwri übergeben wurde", bezieht er sich nur auf die Torarollen, die für die allgemeine Verwendung benutzt wurden. Er sagt nicht einfach, dass "die Tora in Ktaw Iwri gegeben" wurde, was darauf hinweisen würde, dass Haschem diese Schrift verwendet hatte. Vielmehr fügt Mar Sutra den Ausdruck "für Jisrael" hinzu, womit er darauf hinweist, dass nur die Torarollen für die allgemeine Bevölkerung in "Ktaw Iwri" geschrieben wurden. Mar Sutra bestreitet deshalb nicht die Tatsache, dass "Ktaw Aschuri" die Schrift der Luchot war und dass es die einzige Schrift ist, mit der Heiligkeit immer aufs Engste verbunden war. Das erklärt auch gemäss ihm die Überlieferung, dass die Zentren des "Mem" und "Samech" auf wundersame Weise in den Luchot hängen blieben, ein Phänomen, das nur in "Ktaw Aschuri", nicht in "Ktaw Iwri" existiert. Wenn Mar Sutra darüber spricht, dass "Ktaw Aschuri" aus Assyrien kommt, bezieht er sich auf die Tatsache, dass sie von Esra in Assyrien für Israel nach Jahrhunderten der Nichtverwendung wieder eingeführt wurde. Ihr Ursprung ist jedoch uralt und g'ttlich. In der Tat bemerkt Raw Reuven Margulies (Hamikra Wehamessora), dass die vorhandenen Hinweise darauf hindeuten, dass die "Ktaw Aschuri" nicht die Schrift des alten Assyriens war. Das bekräftigt nicht nur die oben erwähnte Interpretation, sondern erklärt, warum sogar die assyrischen Mitglieder von Belschazars Hof die "Handschrift an der Wand" nicht lesen konnten.

Eine neue Lösung

Der Radbas erhebt einen bedeutenden Einwand gegen die oben erwähnte These. Der Jeruschalmi (Megilla 1:9) zitiert R. Levi, der sagt, dass gemäss der Meinung von Mar Sutra und Raw Josi die "Ktaw Iwri" die Schrift der Tora war und dass es das "Ajin" der Luchot war, dessen mittlerer Teil in der Luft hängen blieb (wie oben erwähnt, ist das "Ajin" von "Ktaw Iwri" ein gänzlich geschlossenes Dreieck). Laut Raw Levi waren sogar die Luchot in "Ktaw Iwri" geschrieben, was wiederum die Probleme, die zu Beginn dieses Artikels erwähnt wurden, aufbringt. Der Radbas bietet eine geistreiche Lösung für dieses Problem an. Es sei richtig, sagt er, dass die ersten Luchot in "Ktaw Aschuri" geschrieben waren. Nachdem jedoch Jisrael sündigte, als es das Goldene Kalb herstellte und anbetete, war die Nation nicht mehr würdig, die Luchot in der "Ktaw Aschurit" zu erhalten - genauso wie sie diese nicht mehr durch die Hand G'ttes erhielten. Als G'tt daher Israel die zweiten Luchot gab, beschriftete Er sie in "Ktaw Iwri".

Diese grundsätzliche Argumentation ist derjenigen von Rabbi (Sanhedrin 22a) ähnlich, der die Meinung vertritt, dass "Ktaw Aschuri" beim Volk blieb, bis sie so sündhaft waren, dass diese vor der Zerstörung des Tempels in Vergessenheit geriet.

Dies löst alle Probleme. Es ist wahr, dass die ursprüngliche Schrift der Heiligkeit "Ktaw Aschuri" war. Es war die Schrift der ersten Luchot und sie wurde den Führern aller Generationen in einer Traditionskette übergeben, die mit Mosche Rabenu begann und ihren Höhepunkt bei Esra erreichte, der sie wieder dem ganzen Volk beibrachte. Bei den ersten Luchot blieb der mittlere Teil des "Mem" und "Samech" auf wundersame Weise in der Luft hängen, aber nachdem die zweiten Luchot in "Ktaw Iwri" geschrieben waren, war nur das dreieckige "Ajin" geschlossen, und dessen Mitte blieb in der Luft hängen.

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