Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzy­klo­pädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

How to read Jewiki in your desired language · Comment lire Jewiki dans votre langue préférée · Cómo leer Jewiki en su idioma preferido · בשפה הרצויה Jewiki כיצד לקרוא · Как читать Jewiki на предпочитаемом вами языке · كيف تقرأ Jewiki باللغة التي تريدها · Como ler o Jewiki na sua língua preferida

Kriegsgefangenenlager „Hoffnungsthal“

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ehemaliges Lagergebäude, das heute zum Kinderdorf Stephansheide gehört und unter Denkmalschutz steht

Das Kriegsgefangenenlager „Hoffnungsthal“ war ein Lager der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg in Rösrath bei Köln. „Hoffnungsthal“ war die inoffizielle Bezeichnung, in der Verwaltungssprache hieß das Lager „Arbeitskommando 281 des Truppenübungsplatzes Wahn“.[1]

Es gibt einen Ortsteil von Rösrath, der Hoffnungsthal heißt, aber einige Kilometer entfernt liegt. Der Geschichtsverein Rösrath hält die Namensgebung des Lagers deshalb für „NS-Zynismus“.[2]

Das Lager

Das Kriegsgefangenenlager „Hoffnungsthal“ lag auf dem ehemaligen Schießplatz Wahn und wurde im Zweiten Weltkrieg ab 1940 als solches genutzt. Die Gebäude waren schon vor dem Ersten Weltkrieg gebaut worden und dienten nacheinander verschiedenen Zwecken.

Zunächst waren im Lager französische Kriegsgefangene untergebracht, im Mai 1941 folgten rund 1200 Polen, die bis Mitte 1944 im Lager blieben. „Hoffnungsthal“ war das zentrale Kriegsgefangenenlager für polnische Fähnriche in Deutschland.[1] Insgesamt kamen die Insassen aus mindestens elf verschiedenen Ländern. Als ab Ende 1944 vor allem sowjetische Gefangene hinzukamen, verschlimmerten sich die Zustände im Lager rapide. Die Verpflegung wurde noch schlechter als bisher, und es kam zu Folterungen und Hinrichtungen.[3] Mündlich überliefert ist der Fall eines Mannes, der in einer Januarnacht 1945 an einen Pfahl gebunden und mit Wasser übergossen worden war und erfror.[1]

Das Dach des Kriegsgefangenenlagers war gut sichtbar mit der Beschriftung „POW” (Prisoner of War=dt: Kriegsgefangener) gekennzeichnet, weshalb das Gelände weitgehend von Bombenangriffen verschont blieb. Neben dem Kriegsgefangenenlager befand sich eine Radioabwehr des Militärs, die den englischen Funkverkehr abhörte.[4]

Die Gefangenen waren in einfachen, kaum heizbaren Holzbaracken untergebracht. Sie wurden als Zwangsarbeiter eingesetzt und arbeiteten in zahlreichen Betrieben in der Umgebung[4]: „Oftmals arbeiteten sie sich zu Tode.”[4] Andererseits ergab sich für die Arbeiter so die Möglichkeit, sich in bescheidenem Umfang Lebensmittel durch Tauschen oder Hamstern zu besorgen.[1] Die meisten waren allerdings so entkräftet, dass sie an Gelbsucht oder Durchfallerkrankungen litten.[1]

Es gab zahlreiche Fluchtversuche. Diejenigen Gefangenen, die wieder ergriffen wurden, erhalten blaue französische Beuteuniformen aus dem Ersten Weltkrieg, die mit einem roten Kreuz oder der Aufschrift „KG“ zusätzlich gekennzeichnet waren. Diese Gruppe wurde getrennt und besonders bewacht untergebracht und die „Blaue Division“ genannt. Ihre Mitglieder wurden nur zu Arbeiten in der Heide selbst herangezogen, um ihnen eine neuerliche Flucht zu erschweren.[1]

Im September 1944 wurden auch amerikanische Soldaten, die bei missglückten Fallschirmangriffen gefangen genommen worden waren, im Lager inhaftiert.[4]

Am 12. April 1945 wurden rund 1500 Kriegsgefangene von US-Truppen aus dem Lager befreit. Viele der sowjetischen Gefangenen wurden nach ihrer Rückkehr in die Heimat auf Stalins Anordnung hin in Gulags deportiert oder sofort exekutiert, da sie angeblich „Verräter” waren.[4] Im Lager wurden nun wiederum deutsche Kriegsgefangene untergebracht, bis kurz danach auf dem Gelände das „Kinderdorf Pestalozzi“ für elternlose und obdachlose Kinder und Jugendliche entstand.[1]

Ausstellung und Gedenkstätte

Gedenkstätte für die Insassen des Kriegsgefangenenlagers „Hoffnungsthal“ (Lage50.8898611111117.1477222222222)

Heute gehören die ehemaligen Lagergebäude zum Kinderdorf Stephansheide, die Wahner Heide ist inzwischen ein Naturschutzgebiet. Zunächst in der Stephanuskapelle und jetzt in einem anderen Gebäude des Kinderdorfes ist eine vom Geschichtsverein Rösrath erstellte Ausstellung zum Kriegsgefangenenlager „Hoffnungsthal“ zu sehen, die 1993 eröffnet wurde.[5] Die Ausstellung wurde im Beisein von drei ehemaligen polnischen Gefangenen sowie des damaligen polnischen Kulturattachés eröffnet. Es folgte der Besuch einer russischen Delegation mit Marschall Wiktor Georgijewitsch Kulikow an der Spitze.

Der ehemalige Lagerfriedhof ist heute eine Gedenkstätte und trägt den Namen Ehrenanlage Kalmusweiher. Auf ihrem Grund sind 112 Gefangene, 109 davon sowjetische Opfer, beerdigt. Die meisten von ihnen starben in den letzten Kriegsmonaten.

Auf dem Gedenkstein der Ehrenanlage steht geschrieben, dass die Lagertoten „Opfer von Hunger, Krankheit und Gewalt“ wurden: „Ihre Leiden mahnen zum Frieden.“[2]

Weblinks

 Commons: Kriegsgefangenenlager „Hoffnungsthal“ – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
50.8902638888897.1495305555555

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Guido Wagner: Betrifft: Kriegsgefangenenlager Hoffnungsthal 1940-1945, Zur Eröffnung der Gedenkausstellung in der Kapelle Stephansheide am 3. Oktober 1993, Rösrather Denkmäler 3, Geschichtsverein für die Gemeinde Rösrath und Umgebung e.V., Rösrath 1993, ISBN 3-922413-37-4
  2. 2,0 2,1 Thomas Rausch: Idylle mit bewegter Geschichte. Kölner Stadt-Anzeiger, 9. August 2013, abgerufen am 18. Mai 2014.
  3. Truppenübungsplatz Wahn. Porz am Rhein, abgerufen am 19. Mai 2014.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Russische Zwangsarbeiter/Kriegsgefangene in Porz und im Lager Hoffnungsthal. minderheiten-in-porz.de, abgerufen am 18. Mai 2014.
  5. Gedenkausstellung Kriegsgefangenenlager Hoffnungsthal. Landschaftsverband Rheinland, abgerufen am 18. Mai 2014.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Kriegsgefangenenlager „Hoffnungsthal“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.