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Krawall

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Krawall (auch Krawalle) ist eine Bezeichnung für eine gegen eine öffentliche Ordnung oder auch den privaten Bereich gerichtete Störung durch Aufruhr oder Lärm. Der Duden bezeichnet Krawall als Tumult mit Tätlichkeiten sowie Aufruhr und umgangssprachlich für „äußerst lebhaftes oder erregtes Lärmen und Treiben“ durch eine größere Menschenmenge. [1]

Etymologie

Die Wortherkunft ist ungeklärt. Vermutet wird eine Abstammung vom älteren, volkssprachlichen „crawallen“ (16. Jahrhundert), das wiederum vom mittellateinischenchravallium“ abstammt, mit dem Katzenmusik, Straßenlärm und Zank bezeichnet wurden. Tumult bezeichnet ‘lärmendes Durcheinander erregter Menschen, Getümmel’ und wurde Ende des 15. Jahrhunderts aus lateinisch tumultus ‘Unruhe, Getöse, (Kriegs)lärm, Aufruhr, Aufregung’ entlehnt (zu lat. tumēre ‘geschwollen sein, vor Zorn aufbrausen, schwülstig sein’), im politischen Bereich wird damit ein von Tätlichkeiten begleiteter Aufruhr, Aufstand, Erhebung bezeichnet.[2]

Meyers Großes Konversations-Lexikon definierte Krawall 1907 als „ein erst in der Neuzeit aufgekommenes Wort, soviel wie Aufruhr, Tumult; wird vom mittellat. charavallium (franz. charivari) abgeleitet. Krawaller, Teilnehmer oder Veranlasser, Leiter eines Krawalls, sodann Bezeichnung für einen streitsüchtigen, lärmmachenden Menschen überhaupt.“[3]

Pierer's Universal-Lexikon 1857 nannte Krawall als wahrscheinlich mit Charivari zusammenhängend und schon im 14. Jahrhundert als Chawall vorkommend, und im Volksmund als „1) Lärm, Spektakel; dann 2) eine mit Lärmen, Demoliren etc. verbundene politische Demonstration (meistens nur der niedersten Volksschichten) von größerem Umfang“ bezeichnend.[4]

Verwendung

Die Bezeichnung wurde vor allem während der politischen Unruhen der Julirevolution von 1830 in Hanau geprägt, als das dortige Bürgertum sich am 24. September gegen die neoabsolutistische Staatsform und die verfehlte Zoll- und Wirtschaftspolitik des Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen erhob[5] und die nächste Welle der Revolution im November begann, nachdem die proletarische Unterschicht wegen steigender Lebensmittelpreise revoltierte und von der Bürgergarde bekämpft wurde. Danach wurden kleine, einteilige Brötchen in Hanau noch lange umgangssprachlich als Krawallcher bezeichnet.

Als öffentliches Beschäftigungsprojekt für die „Hanauer Krawaller“ wurde die Entwässerung eines vor den Toren der Stadt gelegenen Sumpfgebietes initiiert. Der dazu erforderliche Entwässerungsgraben wurde (zunächst nicht offiziell) „Krawallgraben“ genannt, was sich heute noch in der Straßenbezeichnung Am Krawallgraben widerspiegelt.

Literatur

  • Martin Hoppe: Hanauer Straßennamen. Hanau 1991, ISBN 3-87627-426-5, S. 31.
  • O. Schenk: Vom „Hanauer Krawall“ und dem Krawall-Graben. In: Hanau Stadt und Land. Ein Heimatbuch für Schule und Haus. Hanau 1954, S. 378–380.
  • Ernst J. Zimmermann: Hanau Stadt und Land. 3. Auflage. Hanau 1919, Neudruck 1978, S. 777.

Einzelnachweise

  1. Krawall auf duden.de, abgerufen am 10. August 2011
  2. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, online auf DWDS
  3. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 607. online auf zeno.org
  4. Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 781., online auf zeno.org
  5. Hoppe; Hellmut Seier: Hanau und Kurhessen im Spiegel des Vormärz und seines Geschichtsbewußtseins. Zur 150-Jahr-Feier des Hanauer Geschichtsvereins. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 45 (1985), S. 129-162 (134).
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Krawall aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.