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Konstitutionstyp

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Unter Konstitutionstyp (Körperbautyp) versteht man in der Medizin die Beschaffenheit des Einzelmenschen in Bezug auf Körperbau, Leistungsfähigkeit und seelisches Verhalten.

Aus heutiger Sicht gelten die Konstitutionstypologien als wissenschaftlich überholt. Die meisten Annahmen über konstitutionelle und psychische Zusammenhänge wurden empirisch widerlegt.

Die Einteilungen wurden willkürlich getroffen, ohne Berücksichtigung von Geschlechts-, Alters- und Kulturunterschieden. Eine Rolle bei der Entstehung von Konstitutionstypen könnten hingegen schon immer Sozial- und Ernährungsverhältnisse[1] gespielt haben.

Geschichte

Griechische vier Temperamente

Im antiken Griechenland unterschied man vier Temperamente. Die ihnen zugrundeliegende Humoralpathologie war die bis in die frühe Neuzeit gültige Lehrmeinung, ist aber mit der Einführung der Zellularpathologie kein Bestandteil der wissenschaftlichen Medizin mehr.

  • Sanguiniker: lebhaft, beweglich, optimistisch, leichtblütig
  • Phlegmatiker: schwerfällig, behäbig, bequem, gemütlich, langsam
  • Choleriker: leidenschaftlich, aufbrausend, jähzornig, unbeherrscht
  • Melancholiker: schwermütig, trübsinnig, pessimistisch, gleichgültig

Kretschmers Konstitutionstypen

Die Einteilung der physischen Konstitutionstypen geht auf den Psychiater Ernst Kretschmer in den 1920er Jahren zurück. Mit diesen wie folgt geschilderten physischen bzw. äußeren Eigenschaften wurden psychische Eigenschaften bzw. innere Charakter- und Verhaltenstypen verbunden, siehe seine Typenlehre. Er unterteilte in:

  • Pykniker: mittelgroß, gedrungener Körperbau, Neigung zu Fettansatz, Brustkorb unten breiter als oben, kurzer Hals und breites Gesicht. Temperament behäbig, gemütlich, gutherzig, gesellig, heiter, bequem-zufrieden, lebhaft bis hitzig oder auch still und weich.
  • Athletiker: kräftiger Körperbau, breite Schultern, oben breiter Brustkorb. Temperament im Allgemeinen heiter, forsch und aktiv bzw. dynamisch.
  • Astheniker/Leptosome: mager, zart, eng- und flachbrüstig, mit dünnen Armen und Beinen, körperlich und geistig empfindlich, kompliziert, sprunghaft. Astheniker seien Menschen von blass-schmalgesichtigem, „asthenischem“ („schwachem“) Konstitutionstyp. Verhältnismäßig lange, dünne Gliedmaßen, ausgezeichnet durch Langhalsigkeit, einen relativ kleinen Kopf und einen schmalen, flachen Brustkorb. Als leptosom bzw. leptomorph bezeichnete Kretschmer Menschen mit schlankem, schmalwüchsigem Körperbau und schmalen, leichtknochigen Gliedmaßen. Bei diesem Konstitutionstyp sei ein epigastrischer Winkel von weniger als 80 Grad zu beobachten. Es liege also eine „Schmalbrust“ vor.
  • Dysplastiker: Kleinere Körperbauvarianten, von den (oben beschriebenen) drei verbreitetsten Körperbauformen abweichend.

Siehe auch

Literatur

  • Klaus Holldack, Klaus Gahl: Auskultation und Perkussion. Inspektion und Palpation. Thieme, Stuttgart 1955; 10., neubearbeitete Auflage ebenda 1986, ISBN 3-13-352410-0, S. 55 f.

Einzelnachweise

  1. Helmut Wurm: Menschentyp und Macht im Früh- und beginnenden Hochmittelalter (750 bis 1000 n. Chr.). Vorarbeiten zu den Konstitutionstypen führender Persönlichkeiten und ausgewählter Populationen im Bereich des deutschen Siedlungsraumes nach zeitgenössischen Mitteilungen. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 11, 1993, S. 235–260.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Konstitutionstyp aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.