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Kongruenz (Grammatik)

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Kongruenz ist in der Linguistik die Übereinstimmung von Merkmalsausprägungen bei verschiedenen Elementen innerhalb einer syntaktischen Domäne (z. B. Satz oder Konstituente).

Subjekt-Prädikat-Kongruenz

In vielen Sprachen stehen Subjekt und Prädikat in Kongruenz oder Übereinstimmung. Im Deutschen müssen beide in Person und Numerus übereinstimmen. Darum muss die Endung des finiten Verbs zum Subjekt passen.

Bei dem Beispielsatz Sie hob das rote Blatt Papier auf. kongruiert das Verb (hob auf, 3. Person Singular) mit dem Subjekt (sie).

KNG-Kongruenz

Als KNG-Kongruenz (Merkhilfe: KöNiGs-Kongruenz) bezeichnet man die (z. B. im Deutschen und Lateinischen geforderte) Übereinstimmung von Kasus, Numerus und Genus bei Determinantien, Adjektiven und Nomen innerhalb einer Nominalphrase. Anders gesagt: Die übrigen Wortarten folgen dem Nomen in Kasus, Numerus und Genus nach.

Beispiele aus dem Deutschen

Das schöne Haus steht zum Verkauf.

„schöne“ und „Haus“ stehen beide im Nominativ Singular Neutrum, sie beziehen sich aufeinander und sind daher kongruent in Kasus, Numerus und Genus.

Der große Mann sieht die schmutzige Straße.

„große“ und „Mann“ sind beide Nominativ Singular Maskulinum, „schmutzige“ und „Straße“ sind beide Akkusativ Singular Femininum.

Beispiele aus dem Lateinischen

Bella stulta sunt. (Kriege sind dumm.) Im Lateinischen erkennt man oft an der gleichen Endung in der ersten und zweiten Deklination (hier von „bella“ und „stulta“) die Kongruenz, aber: Oratori magno plaustrum est. (Dem großen Redner gehört ein Karren.) → unterschiedliche Endungen von „oratori“ und „magno“ trotz KNG-Kongruenz Plaustrum pauperum est parvum. (Der Karren der Armen ist klein.) → gleiche Endungen von „plaustrum“ und „pauperum“, jedoch keine KNG-Kongruenz

Kongruenz in der Sprachtypologie

In der zeitgenössischen Sprachtypologie wird Kongruenz (engl. „agreement“) von dem Phänomen der cross-reference (engl., etwa: „Kreuz-Referenz“) unterschieden.

Zum Beispiel kongruiert in dem französischen Satz le garçon chante („der Junge singt“) das Verb chante mit dem Nomen hinsichtlich Person und Numerus, während im Falle des lateinischen Satzes puer cantat („[der] Junge singt“) das Verb cantat auch allein stehen kann und das Nomen praktisch als appositionell zu diesem verstanden werden kann; Nomen und Verb referieren wechselseitig aufeinander (daher „Kreuz-Referenz“).[1]

Beide Phänomene werden unter dem Oberbegriff Indexierung zusammengefasst.[2]

Siehe auch

Literatur

  • Hauptschwierigkeiten der deutschen Sprache (Der große Duden 9). Dudenverlag, Mannheim 1965, S. 358-384 (Später u.d.T.: Duden, Zweifelsfälle der deutschen Sprache)
  • Snježana Kordić: 'Die grammatische Kategorie des Numerus.. In: Helmut Jachnow, Boris Norman, Adam E. Suprun (Hrsg.): Quantität und Graduierung als kognitiv-semantische Kategorien. n.F., Bd. 12, Harrassowitz, Wiesbaden 2001, ISBN 3-447-04408-X, S. 62–75 (PDF-Datei; 1,2 MB, abgerufen am 1. Februar 2013).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Simon C. Dik (hrsg. von Kees Hengeveld): The theory of Functional Grammar. Bd. 1: The structure of the clause. Mouton de Gruyter, Berlin u. New York 1997, S. 154–158.
  2. Martin Haspelmath: Argument Marking in Ditransitive Alignment Types. In: Linguistic Discovery. Bd. 3, Heft 1, 2005, S. 1–21.


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