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Kloster Bellelay

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Ehemalige Klosterkirche von Bellelay

Das Kloster Bellelay ist eine ehemalige Prämonstratenserabtei in der Ortschaft Bellelay im Berner Jura, die heute als Psychiatrische Klinik dient. Bis 1798 bildete das Kloster eine autonome Herrschaft innerhalb des Fürstbistums Basel und stand als Schirmherrschaft unter dem Schutz der eidgenössischen Kantone Bern, Solothurn sowie der Stadt Biel.

Gründungslegende

Gemäss einer Legende wurde das Kloster 1136 von Siginand, einem Propst der Abtei Moutier-Grandval gestiftet. Dieser folgte auf der Jagd einem Eber durch die Wälder des Juras. Als er ihn schliesslich erlegt hatte, fand er aus der damaligen Wildnis des Hochjuras nicht mehr heraus. Er soll das Gelübde gesprochen haben, ein Kloster zu stiften, wenn er heil nach Moutier zurückkäme. Nach vier Tagen hatte er nach Moutier zurückgefunden und darauf das Kloster gegründet, dem er den Namen Bellelay gab (belle laie heisst übersetzt schöne Sau).

Geschichte

Historische Ansicht des Klosters Bellelay vom Juni 1755
Das Wappen der Abtei Bellelay zeigte den schwarzen Buchstaben B auf silbernem Grund.

Das Kloster Bellelay wurde wahrscheinlich auf Veranlassung des Bischofs Adalbero III. von Basel an der Südwestgrenze des Bistums gegründet und aus dem Grundbesitz der Abtei Moutier-Grandval herausgelöst. Das Prämonstratenserkloster wird 1142 erstmals schriftlich erwähnt. Es existieren zahlreiche Schreibweisen aus der frühen Zeit des Klosters: Balelaia, Belelagia, Belelai, Belilaia, Bellale, Bella Lagia, Bellelagia und Bellilagia. Der Name leitet sich vom vulgärlateinischen bella lagia («schöner Wald») ab.

Das Kloster hatte weit verstreuten Grundbesitz und war Mutterkloster des Priorats Grandgourt, des Klosters von Gottstatt und der Abtei Himmelspforte bei Grenzach-Wyhlen in Baden-Württemberg.

Bellelay stand unter der Oberhoheit des Fürstbistums Basel, schloss aber Burgrechtsverträge ab mit Bern und Solothurn (spätestens 1414) sowie mit Biel (1516). Die Verträge mit Solothurn wurden bis zur französischen Revolution regelmässig erneuert, weshalb das Kloster zum eidgenössischen Teil des Fürstbistums Basel gerechnet wurde.

Der Abt übte über den Ort Bellelay und das umliegende Gebiet, die sog. Courtine de Bellelay, die niedere Gerichtsbarkeit aus, und zwar in weltlichen wie in kirchlichen Belangen. Am Konzil von Konstanz erhielt der Abt 1414 das Recht, den Ring, die Mitra und das Kreuz zu tragen, Symbole kirchlicher und weltlicher Herrschaft. Während des Schwabenkrieges im Jahr 1499 wurden die Klostergebäude gebrandschatzt. Von den Auswirkungen des Dreissigjährigen Krieges blieb das Kloster wegen seines Vertrages mit Solothurn verschont. Es erlebte vor allem im 18. Jahrhundert eine Blütezeit als weitherum angesehenes Bildungszentrum für Söhne des europäischen Adels (1772 wurde ein Pensionat gegründet).

Im Jahr 1797 wurden die Gebäude von französischen Truppen besetzt und das Kloster säkularisiert. Dabei wurde das wertvolle Mobiliar verkauft, ein bedeutender Altar befindet sich beispielsweise in der Pfarrkirche Notre-Dame de l'Assomption in Saignelégier. Das Gebiet des Klosters kam zusammen mit dem Fürstbistum Basel an 1797 an Frankreich und wurde in das Département du Mont-Terrible integriert. 1801 wurden die Zwiebeltürme abgedeckt und das dadurch gewonnene Metall verkauft, die Doppeltürme zerfielen in der Folge teilweise. 1815 fiel Bellelay durch Beschluss des Wiener Kongresses an den Kanton Bern.

Im 19. Jahrhundert wurden die Klostergebäude zuerst als Uhrenfabrik, danach als Brauerei und schliesslich als Glashütte genutzt. Die Kirche diente zeitweise als Stall bzw. Scheune. Insgesamt befanden sich die Gebäude in unterschiedlichen Stadien des Zerfalls. 1891 erwarb der Kanton Bern für 150'000 Franken das Areal aus der Konkursmasse der Glashütte. Seither dienen die Gebäude einer psychiatrischen Klinik[1] 1956 wurde die Klosterkirche für 600'000 Franken restauriert und wiederhergestellt. Die jetzt sich in der Kirche befindlichen Altäre sind zwar aus der gleichen Stilepoche wie die Originale, stellen aber Erwerbungen aus anderen Kirchen dar. 2009 wurde die durch Orgelbau Kuhn rekonstruierte Orgel des Joseph Bossard von 1721 eingeweiht. Eine Stiftung ist Veranstalterin jährlich stattfindender Ausstellungen, bei denen zeitgenössische Kunst mit der barocken Architektur in Dialog treten soll.

Gebäude

Der heutige Bau der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt wurde 1708–1714 von Franz Beer nach dem Vorarlberger Münsterschema errichtet. Die Kirche besitzt zwei gedrungene Fronttürme, die ursprünglich mit Zwiebelhauben ausgestattet waren. Im Innern sind wertvolle Stuckarbeiten der Wessobrunner Schule (1713) zu bewundern. Die Klostergebäude im Stil des Barock entstanden ebenfalls zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Käse Tête de Moine

Angeblich haben die «Mönche» (eigentlich Chorherren) aus Bellelay den Käse «Tête de Moine» (Mönchskopf) erfunden. Die Käseherstellung in der Abtei wird 1192 zum ersten Mal erwähnt. Als Zahlungsmittel der Abtei verbreitete er sich in der Region. Die heute verwendete Bezeichnung stammt jedoch erst aus dem 19. Jahrhundert.

Liste der Äbte von Bellelay

Es sind 42 Äbte überliefert von der Gründung bis zur Aufhebung des Klosters.[2]

  • Geroldus 1142–1180
  • Ludovicus 1187–1202
  • Adam 1195
  • Richardus 1202–1237
  • Henricus I. de Soulce 1237–1256
  • Jacobus I. 1256–1258
  • Conradus 1258–1270
  • Name unbekannt, möglicherweise verstorben 1276
  • Petrus I. de Varres 1289–1296
  • Burchardus de Boécourt 1298–1316
  • Lambertus 1316–1326
  • Petrus II. de Sancey 1326–1336
  • Henricus II. de Bassecourt 1337–1350
  • Petrus III. de Vannes 1350–1354
  • Jacobus II. de Séprais 1365–1374
  • Johannes III. de Pontenet 1374–1398
  • Johannes IV. Donzelat 1398–1401
  • Henricus III. Nerr 1401–1418
  • Heinzmann (Henricus IV.) Girardin 1418–1426
  • Johannes V. de Chatelat 1426–1434
  • Petrus IV. Martini 1434–1438
  • Heinzmann (Henricus V.) 1438–1448
  • Johannes VI. Rier 1448–1456
  • Johannes VII. Gruel oder Grier 1456–1483
  • Johannes VIII. Barth 1483–1490
  • Johannes IX. Brullard 1490–1508
  • Nicolaus I. Schnell 1508–1530
  • Johannes X. Gogniat 1530–1553
  • Servatius Fridez 1553–1561
  • Antonius Fottel 1561–1574
  • Johannes XI. Simon 1574–1579
  • Werner Spießbrecher (Brieselance) 1579–1612
  • David Juillerat 1612–1637
  • Johannes XII. Petrus Cuénat 1637–1666
  • Johannes XIII. Georgius Schwaller 1666–1691
  • Norbertus Périat 1691–1692
  • Fridericus de Staal 1692–1706
  • Johannes XIV. Georgius Voirol 1706–1719
  • Johannes XV. Sémon 1719–1743
  • Gregorius Joliat 1743–1771
  • Nicolaus II. Deluce 1771–1784
  • Ambrosius Monnin 1784–1807

Literatur

  • Catherine Schmutz Nicod: Die ehemalige Abtei Bellelay. (Schweizerische Kunstführer, Band 736, Serie 74). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2003, ISBN 3-85782-736-X.

Weblinks

Einzelnachweise

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Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Kloster Bellelay aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.