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Klaus Kinkel

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Klaus Kinkel, 2005

Klaus Kinkel (* 17. Dezember 1936 in Metzingen; † 4. März 2019 in Sankt Augustin[1]) war ein deutscher Politiker (FDP) und Jurist. Von 1979 bis 1982 war er Präsident des Bundesnachrichtendienstes,[2] von 1991 bis 1992 Bundesminister der Justiz, von 1992 bis 1998 Bundesminister des Auswärtigen und von 1993 bis 1998 Vizekanzler. Von 1993 bis 1995 war er außerdem Bundesvorsitzender der FDP.

Leben und Beruf

Klaus Kinkel, ältester von zwei Söhnen eines westfälischen Vaters und einer schwäbischen Mutter, wuchs in Hechingen (Baden-Württemberg) auf. Sein Vater, der erst 1946 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, war Internist und Kardiologe.[3][4]

Nach dem Abitur 1956 am Staatlichen Gymnasium Hechingen absolvierte Kinkel zunächst ein Praktikum für Medizinstudenten in der Chirurgie am Kreiskrankenhaus in Balingen und fing ein Medizinstudium in Tübingen an.[4] Er wechselte aber schnell ins Studienfach Rechtswissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen und später der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 1960 beendete er das Studium mit dem Ersten juristischen Staatsexamen in Tübingen. Nach dem Referendariat am Landgericht Hechingen folgte 1965 das Zweite juristische Staatsexamen. 1964 wurde Kinkel an der Universität zu Köln mit der Arbeit Die Lehre von Popitz für die Gestaltung des gemeindlichen Finanzausgleichs zum Dr. jur. promoviert. Er trat dann in das Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz, Vorläufer des Bundesamtes für Zivilschutz, ein und gehörte damit zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern, von 1966 bis 1968 war er zum Landratsamt Balingen abgeordnet. Nach seiner Rückkehr zum Bundesministerium des Innern war Kinkel von 1970 bis 1974 persönlicher Referent von Bundesminister Hans-Dietrich Genscher, zuletzt auch als Leiter des Ministerbüros.[5]

Nachdem Genscher im Mai 1974 Außenminister geworden war (Kabinett Schmidt I), wurde Kinkel im Auswärtigen Amt Leiter des Leitungsstabes und 1979 Leiter des Planungsstabes.

Seit dem Regierungswechsel nach der Bundestagswahl 1998 und damit dem Ende seiner Amtszeit als Bundesaußenminister war er bis zu der Rückgabe der Zulassung als Rechtsanwalt in Sankt Augustin und engagierte sich in zahlreichen sozialen Projekten für die Belange von Menschen mit Behinderung. 2006 war Kinkel „Botschafter“ für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der Menschen mit Behinderung. Bis Ende 2014 war er Vorsitzender der Deutschen Telekom Stiftung.

Kinkel war seit 1962 verheiratet mit seiner Frau Ursula („Uschi“) und Vater von vier Kindern. Seine älteste Tochter starb 1982 mit 20 Jahren bei einem Verkehrsunfall.[6][7] Kinkel war seit 1956 Mitglied der katholischen Studentenverbindung AV Guestfalia Tübingen im CV. Er wohnte in Sankt Augustin-Schmerbroich.[8]

Klaus Kinkel starb am 4. März 2019 in Sankt Augustin.[9][10][1]

Partei

Kinkel trat 1991 erst kurz nach seiner Ernennung zum Bundesminister der FDP bei. Vom 11. Juni 1993 bis zum 10. Juni 1995 war er Bundesvorsitzender der FDP. In seine Amtszeit als Bundesvorsitzender fielen 14 Wahlen, bei denen die FDP erhebliche Verluste hinnehmen musste; so verfehlte sie bei zwölf Landtagswahlen den Einzug ins Parlament.[11] Kinkel kandidierte daher nach Ablauf seiner Amtszeit als Bundesvorsitzender 1995 nicht zur Wiederwahl; sein Nachfolger wurde Wolfgang Gerhardt.

Abgeordneter

Von 1994 bis 2002 war Kinkel Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1998 bis 2002 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Kinkel ist stets über die Landesliste Baden-Württemberg in den Deutschen Bundestag eingezogen. Die Unterlagen über seine Tätigkeit als stellvertretender Fraktionsvorsitzender befinden sich im Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach.

Öffentliche Ämter

Klaus Kinkel, Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), 1981

Von 1979 bis 1982 war er Präsident des Bundesnachrichtendienstes. Im Oktober 1982 wurde er unter Hans A. Engelhard zum Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz ernannt. Nach der Bundestagswahl 1990 wurde er am 18. Januar 1991 als Bundesminister der Justiz in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen.

Nach dem Rücktritt von Hans-Dietrich Genscher wurde Kinkel am 18. Mai 1992 zum Bundesminister des Auswärtigen ernannt.[12] Als im Januar 1993 der damalige Vizekanzler und Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann von seinem Amt zurücktrat, wurde Kinkel am 21. Januar 1993 zusätzlich Stellvertreter des Bundeskanzlers. 1993 fasste er die Ziele der Innen- und Außenpolitik, wie er sie betrieb, so zusammen:

„Zwei Aufgaben gilt es parallel zu meistern: Im Inneren müssen wir wieder zu einem Volk werden, nach außen gilt es etwas zu vollbringen, woran wir zweimal zuvor [Anm.: gemeint sind die Entwicklungen, die in zwei Weltkriegen mündeten] gescheitert sind: Im Einklang mit unseren Nachbarn zu einer Rolle zu finden, die unseren Wünschen und unserem Potenzial entspricht. Die Rückkehr zur Normalität im Inneren wie nach außen entspricht einem tiefen Wunsch unserer Bevölkerung seit Kriegsende. Sie ist jetzt auch notwendig, wenn wir in der Völkergemeinschaft respektiert bleiben wollen. […] Unsere Bürger haben begriffen, dass die Zeit unseres Ausnahmezustandes [Anm.: gemeint ist die Teilung des Landes in BRD und DDR bis 1989] vorbei ist.“

Verantwortung, Realismus, Zukunftssicherung. Deutsche Außenpolitik in einer sich neu ordnenden Welt. In: FAZ, 19. März 1993

Nach der Bundestagswahl 1998 und dem damit einhergehenden Regierungswechsel schied Kinkel am 26. Oktober 1998 aus der Bundesregierung aus.

Gesellschaftliches Engagement

Auszeichnungen

Kabinette

Veröffentlichungen (Auswahl)

Weblinks

 Commons: Klaus Kinkel – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Heribert Prantl: Ein rechtschaffender Mann. Süddeutsche Zeitung. 5. März 2019. Abgerufen am 5. März 2019.
  2. Erich Schmidt-Eenboom: Der Schattenkrieger. Klaus Kinkel und der BND. Econ, Düsseldorf 1995, ISBN 3-430-18014-7.
  3. munzinger.de
  4. 4,0 4,1 Klaus Kinkel im Gespräch mit Isabella Schmid, BR Alpha, 15. Dezember 2016
  5. Früherer Außenminister Klaus Kinkel gestorben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 5. März 2019, abgerufen am 5. März 2019.
  6. Interview zum Unfall seiner Tochter und seiner gewandelten Einstellung zum Thema Organspende, Focus, Nr. 24 (1997)
  7. Er lebte in Sankt Augustin – Ex-Außenminister Klaus Kinkel ist tot. In: General-Anzeiger Bonn. 5. März 2019, abgerufen am 5. März 2019.
  8. Andreas Molitor: In Sankt Augustin schlafen die Bonner Beamten – der Protest gegen den Regierungsumzug nach Berlin kocht auf kleiner Flamme: Die Stadt der glücklichen Menschen. In: Berliner Zeitung. 20. Juli 1996, abgerufen am 4. Februar 2019.
  9. Ex-Außenminister Klaus Kinkel ist tot. In: zdf.de. 5. März 2019, abgerufen am 5. März 2019.
  10. Wolfram Neidhard: Ein aufrechter und bescheidener Mann. In: n-tv.de. 5. März 2019, abgerufen am 5. März 2019.
  11. Bürgerschaftswahl in Hamburg 1993, Wahlen 1994#Deutschland, Wahlen 1995#Deutschland
  12. „Der Eimer ist voll“, Artikel vom 4. Mai 1992 auf Spiegel Online
  13. Archivlink (Memento vom 27. August 2016 im Internet Archive)
  14. Broschüre der Bundesliga-Stiftung; S. 47 (Memento vom 18. Mai 2013 im Internet Archive) (PDF; 6,8 MB)
  15. Kinkel: „DFB-Stiftungen tun ein gutes Werk“. In: DFB.de, 29. April 2017.
  16. Der DFB trauert um Dr. Klaus Kinkel, abgerufen am 05. März 2019
  17. Homepage Liberale Türkisch-Deutsche Vereinigung
  18. DGVN Präsidium
  19. Unterstützerinnen und Unterstützer des Opferfonds Cura Website der Amadeu Antonio Stiftung
  20. Trauer um Klaus Kinkel. In: www.dino-muenster.de. 5. März 2019, abgerufen am 5. März 2019.
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