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Körpergeschichte

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Die Körpergeschichte oder auch Geschichte des Körpers ist eine Spezielle Geschichtswissenschaft, in der die Interdependenz von Körper und Gesellschaft in ihrer historischen Dimension untersucht wird.

In der Körpergeschichte wird davon ausgegangen, dass gesellschaftliche Werte und Normen, Wissens- und Ideensysteme, Strukturen und Technologien den menschlichen Körper prägen – und nicht nur die biologische Substanz. Leitfrage dieser speziellen Geschichtswissenschaft ist, wie soziale Wirklichkeit durch körperliche Praktiken her- und dargestellt wird. Körpergeschichte ist die Geschichte der Thematisierungen des Körpers in theoretischen (theologischen, philosophischen, medizinischen, sportwissenschaftlichen, anthropologischen, kriminalistischen etc.) Diskursen, in der Malerei, der Literatur, der Volkskultur, der Gesetzgebung, der Körperkultur etc., aber auch (soweit möglich) der körperlichen Erfahrungen bzw. des Körpergedächtnisses der Subjekte selbst sowie der Technologien, die für und gegen sie eingesetzt wurden.

Die Geschichte der sinnlichen Wahrnehmung des Menschen wird darüber hinausgehend in der Sinnesgeschichte untersucht.

Geschichte

Die Körpergeschichte speist sich aus vier Wurzeln:

  • Da sich die Sportgeschichte immer schon mit dem Körper in Bewegung auseinandergesetzt hat, sind die Anfänge der Körpergeschichte in der Geschichte der Körperkultur zu finden.[1] Sobald die Paradigmen des Sports hinterfragt und auf gesellschaftliche Bedingungen bezogen werden, kann aus der Sportgeschichte Körpergeschichte werden.[2]
  • Die Geschichte der Körperpraktiken entwickelte sich in Frankreich, wo in Folge der Arbeiten von Marcel Mauss[3] und Michel Foucault[4] vor allem Jean-Marie Brohm[5] frühzeitig mit seiner Zeitschrift Quel Corps? die Verbindung von einer Soziologie des Körpers zu einer Geschichte des Körpers zog.
  • In der Geschichte von Gesundheit und Krankheit wurde frühzeitig der biologische Grundbestand und die gesellschaftliche Interpretation thematisiert.[6]
  • In der Geschlechtergeschichte wird zwischen Geschlecht als biologischer Einheit (Sex) und kultureller Einheit (Gender) differenziert.[7]

Literatur

  • Body Politics : Zeitschrift für Körpergeschichte. 2013ff, ISSN 2196-4793
  • Céard, Jean; Fontaine, Marie Madeleine (Hrsg.): Le corps à la Renaissance. Paris: Aux amateurs de livres 1990. ISBN 2-87841-022-X
  • Duden, Barbara: Body history : a repertory = Körpergeschichte. Wolfenbüttel: Tandem 1990; ISBN 3-927651-02-8
  • Michel Feher (Hrsg.): Fragments for a history of the human body. New York 1989.
  • Linda Kalof and William Bynum (Hrsg.): A cultural history of the human body. Oxford: Berg, 2010. 6 Bände. ISBN 1-8452-0495-6
  • Körper macht Geschichte - Geschichte macht Körper : Körpergeschichte als Sozialgeschichte / hrsg. vom Bielefelder Graduiertenkolleg Sozialgeschichte. Bielefeld ; Gütersloh : Verl. für Regionalgeschichte, 2001. ISBN 3-89534-434-6
  • Maren Lorenz: Leibhaftige Vergangenheit : Einführung in die Körpergeschichte. Tübingen: Discord 2000. ISBN 3-89295-696-0

Einzelnachweise

  1. Arnd Krüger & John McClelland (Hrsg.): Die Anfänge des modernen Sports in der Renaissance. (Beiträge und Quellen zu Sport und Gesellschaft Bd. 2), London: Arena 1984
  2. Arnd Krüger: What the History of the Body and the History of Physical Education can learn from one another, in: Gori, Gigliora & Terret, Thierry (Hrsg.): Sport and Education in History: Proceedings of the VIIIth ISHPES Congress (ISHPES-Studies. Publications of the International Society for the History of Physical Education and Sport 12). St. Augustin: Academia 2005, S. 388–396, ISBN 3-89665-335-0
  3. Marcel Mauss, « Les techniques du corps », conférence prononcée le 17 mai 1934 et publiée pour la première fois par le Journal de psychologie, vol. xxxii, n° 3-4, 15 mars-15 avril 1936
  4. Michel Foucault, Surveiller et punir. Naissance de la prison, Paris: Éditions Gallimard 2004, ISBN 2-07072-968-0 (Deutsch: Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1976, ISBN 978-3-518-38771-9)
  5. Paris 1975 ff. ISSN 0249-4477
  6. Anne Bargès: Anthropologie et Sociologie associées au domaine de la maladie et de la médecine in : Introduction aux sciences humaines en médecine (ouvrage collectif), Paris: Editions Ellipses 2001, S. 131–205, ISBN 2729808728
    Patricia Vertinsky: The eternally wounded woman. Women, doctors and exercise in the late nineteenth century. Manchester: Manchester University Press 1990
  7. Thomas Laqueur, Making Sex: Body and Gender from the Greeks to Freud. Cambridge Mass., Harvard University Press 1990, ISBN 0-674-54355-6
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