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Julius Bauer (Kinderarzt)

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Julius Isaac Bauer (geb. 29. November 1879 in Frankfurt am Main; gest. 4. Juli 1969 in Blackburn, England, Großbritannien) war ein britischer Kinderarzt deutscher Herkunft.

Leben

Der der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehörende, gebürtige Frankfurter Julius Bauer wandte sich nach dem Abitur dem Studium der Medizin an den Universitäten München, Berlin sowie Straßburg zu, 1903 erfolgte in Straßburg seine Approbation zum Arzt sowie seine Promotion zum Dr. med.. Im Anschluss begann Bauer seine Facharztausbildung zum Kinderarzt am Kaiser und Kaiserin Friedrich-Krankenhaus in Berlin bei Prof. Adolf Aron Baginsky, die er 1906 abschloss.

Nach Labortätigkeiten bei Prof. Paul Ehrlich am Frankfurter Seruminstitut sowie bei Prof. Emil von Behring am Hygienischen Institut der Philipps-Universität Marburg, wechselte er 1907 als Assistenzarzt zu Prof. Arthur Schlossmann an die Kinderklinik der neu gegründeten Medizinischen Akademie Düsseldorf. 1910 zum Oberarzt ernannt, habilitierte Bauer sich im Folgejahr als Privatdozent für die Fächer Kinderheilkunde und Serologie, 1915 erfolgte seine Beförderung zum außerordentlichen Professor. 1918 folgte Julius Bauer dem Ruf als Leitender Arzt am privaten Hamburger Säuglingsheim, auch Klinik für Säuglinge und Kleinkinder genannt, in der Hochallee 1 im Hamburger Stadtteil Harvestehude.

Der nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten aus rassistischen Gründen Verfolgte wurde 1934 seiner Stellung enthoben, konnte jedoch bis 1938 eine Privatpraxis weiterführen. Nachdem er im November 1938 vorübergehend im Konzentrationslager Sachsenhausen in Schutzhaft genommen worden war, gelang ihm im Januar 1939 via Niederlande, von dort aus wollte er in die USA weiterreisen, die Emigration nach England. Bei Kriegseintritt Englands 1940 wurde er im Onchan Internment Camp in Douglas auf der Isle of Man interniert, ein darauffolgendes Gesuch an den finnischen Botschafter in London zwecks einer Arbeitserlaubnis in Finnland wurde vom finnischen Außenministerium abgelehnt.

Nach seiner Entlassung aus dem Internierungslager war Julius Bauer seit 1942 als Kriegshilfsarzt einem praktischen Arzt in Redhill zugeteilt, 1948 erfolgte erst seine offizielle Registrierung als britischer Arzt. Der seit 1944 an einem ernsten Augenleiden Laborierende, zunehmend Erblindende, kehrte 1953 für kurze Zeit zurück nach Hamburg, zuletzt lebte er in Blackburn, dort verstarb er im Sommer 1969 in seinem 90. Lebensjahr.

Julius Bauer verfasste über 100 Publikationen, mehrere Handbuchbeiträge sowie Monographien zu seinen speziellen Forschungsgebieten Serologie, Klinik der Infektionskrankheiten, Gesundheitsfürsorge, Kindertuberkulose sowie Milchuntersuchung. Nach ihm ist die Bauer's reaction benannt, eine unterschiedliche Reaktion des Säuglings auf Muttermilch und Kuhmilch.

Publikation

  • Klinische und experimentelle Studien zur Pathologie und Therapie der Tuberkulose im Kindesalter, C. Kabitzsch, Würzburg, 1909

Literatur

  • Petra Bonavita, Carina Belser, Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, et al: Die jüdischen Schüler des Kaiser-Friedrichs-Gymnasium, 1888–1933 : Begleitdokumentation zur Ausstellung im Heinrich-von-Gagern-Gymansium, am Tiergarten 6–8, 60316 Frankfurt/Main, 19. März-5. April 2000, Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, Frankfurt am Main, 2000, S. 16.
  • Eduard Seidler: Kinderärzte 1933–1945. Entrechtet – geflohen - ermordet. Bouvier-Verlag, Bonn 2007, ISBN 3-805-58284-6, S. 285, 286, online über Google-Bücher

Weblinks


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