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Judentum in Dresden

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Dresdner Synagoge von 2001

Das Judentum hat in Dresden eine lange Tradition, die bis zum Anfang der Stadtgeschichte im 13. Jahrhundert zurückreicht.

Mittelalter

Hauptartikel: Erste Synagoge Dresden

Die erste urkundliche Erwähnung einer jüdischen Gemeinde enthält die Judenverordnung des Meißner Markgrafen Heinrich des Erlauchten von 1265, in der er die Juden unter seinen Schutz stellt, ihnen gleiche Rechte wie den Christen einräumt und sie gegen eine Pauschalzahlung von Zollabgaben befreit. In den Chroniken dieser Zeit wird neben der Judengasses auch eine Jüdenhof erwähnt, wo eine stattliche Synagoge (vermutlich heute das Johanneum) zu sehen war. Während der Pestjahre 1349 ist ein Pogrom in Form einer Judenverbrennung dokumentiert. Die Dresdner Juden wurden vertrieben oder ermordet. Zwischen 1386 und 1393 werden wieder Juden in Dresden urkundlich erwähnt. Sie wohnen auf zwei Gassen der Großen und Kleinen Judengasse. 1411 werden auf Befehl Friedrich des Streitbaren die Grundstücke und das Vermögen der Dresdner Juden konfesziert. Die Synagoge wird Eigentum des Markgrafen, danach erwirbt die Stadt Dresden den Sakralbau. Nachdem die Versicherungsbriefe, die Friedrich der Streitbare am 23. Mai 1425 den Dresdner Juden erteilt hatte, abgelaufen war, wurden diese erneut verfolgt und im Jahre 1430 sogar ausgewiesen.[1]

Augusteische Epoche

Hauptartikel: Privatsynagogen in Dresden von 1772 bis 1837

Erst Ende des 17. Jahrhundert gestattete August der Starke aufgrund erhoffter finanzieller Vorteile wieder die Zuwanderung von Juden. 1696 holte er Issachar Berend Lehmann als Hofjuden in seine Dresdner Residenz. Bereits ein Jahr später verschaffte ihm Lehmann 10 Millionen Taler zum Erwerb der polnischen Königskrone. August revanchierte sich, indem er Behrends Familie ein umfassendes Aufenthaltsrecht gewährte. So erhält Berend Lehmann 1708 von August dem Starken einen Schutzbrief, der auch den Schutz und die Niederlassung seines Sohnes Lehmann Berend und seines Schwagers, Jonas Meyer garantiert.[2]Ab 1718 war sie im Wechselgeschäft sowie als Hoflieferant für Luxuswaren tätig. Allgemein unterlag die Ansiedlung von Juden in Sachsen aber weiterhin erheblichen Restriktionen, die u.a. im Judenmandat von 1746 niedergelegt wurden; ab 1772 durften Juden nur noch in der Altstadt wohnen, und auch dies nur mit besonderer Erlaubnis und erschwerten melderechtlichen Auflagen. Gleichwohl erhielt die Gemeinde 1751 an der Pulsnitzer Straße in der Äußeren Neustadt einen eigenen Friedhof, den Alten Jüdischen Friedhof.

Emanzipation im 19. und 20. Jahrhundert

Hauptartikel: Jüdische Persönlichkeiten (Dresden)
Hauptartikel: Alte Synagoge

Eine Verbesserung der Lage war indes nach der bürgerlichen Revolution von 1830 zu verzeichnen, als die Juden in Dresden einer ihrer beiden sächsischen Religionsgemeinschaften einrichten durften. Auch gestattete man ihnen nunmehr den Erwerb von Land zum Zwecke der Errichtung von Bethäusern und Schulen; 1840 etwa wurde die von Gottfried Semper erbaute Alte Synagoge geweiht. 1837 setzte sich König Johann in einer Rede vor dem Landtag nachdrücklich für die Emanzipation der Juden ein:

„Mit aller Achtung für die öffentliche Meinung muss ich mich doch für die Juden verwenden. Ich glaube, wir sind es den Juden als Menschen, wir sind es ihnen als Mitbürger schuldig. Ich habe keine andere Sympathie für die Juden, als für alle meine Mitmenschen, und diese kann ich ihnen nicht weigern.“

Erst 1869 aber erhielten Dresden Juden durch ein Gesetz des Norddeutschen Bundes das volle Bürgerrecht. Zeitgleich wurde die zwanzig Jahre lang heftig umkämpfte Einführungsverordnung zu den Grundrechten der Juden in Sachsen verabschiedet.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde Dresdens sprunghaft an. Von 1834 (682 Personen) bis 1905 (3.510 Personen) hat sie sich mehr als verfünffacht. Ein Großteil der Gemeinde assimilierte sich weitgehend an die Kultur des neu entstandenen deutschen Kaiserreichs, während die aus Osteuropa zugewanderten Juden in stärkerem Maße der Tradition verhaftet blieben und sich später dem Zionismus zuwandten.

Verfolgung unter dem Nationalsozialismus

Beim Machtantritt Adolf Hitlers im Januar 1933 umfasste die jüdische Gemeinde Dresdens etwa 5000 Mitglieder. Sie teilten das Schicksal ihrer Glaubensbrüder im gesamten Reich; von Anfang an unterlagen sie vielfältigen Schikanen wie Umsiedlung in bestimmte Stadtteile, Ausgangsbeschränkungen, „Kontrollen“ und Verhöre durch die Gestapo, willkürlicher Beschlagnahme von Vermögen und dergleichen. Während der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde auch die Dresdner, von Gottfried Semper erbaute Synagoge niedergebrannt und geplündert.

Im August 1940 verbot der Regierungspräsident zu Bautzen-Dresden den Juden das Betreten des Königsufers sowie sämtlicher städtischer Parkanlagen. 1941 entzog man jüdischen Ärzten die Approbation; weiter arbeiten durfte in Dresden nur Dr. Willi Katz. 1942 verbot die Dresdner Aufsichtsbehörde den Juden den Erwerb von Blumen und Speiseeis. Ältere Juden wurden gezwungen, bei hochsommerlichen Temperaturen stundenlang in Wintermänteln durch Dresden zu laufen.

Bereits 1942 war die jüdische Bevölkerung Dresdens von 5000 auf 985 Personen geschrumpft. Unter Leitung von Oberregierungsrat Klein und SS-Obersturmführer Henry Schmidt begannen auch die Deportationen der Dresdner Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager. Vom 1. Juli 1942 bis 11. Januar 1944 wurden allein 375 ins KZ Theresienstadt gebracht, weitere Transporte erfolgten insbesondere nach Auschwitz und Riga. Bei Kriegsende lebten in Dresden nur noch 41 Juden.

Sehr eindrucksvoll beschreibt der 1912 zum Protestantismus konvertierte, gebürtige Jude Victor Klemperer in seinen Tagebüchern (unter dem Titel Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933–1945 1995 veröffentlicht) den sich entwickelnden Antisemitismus und Nationalsozialismus in Dresden bis zum Zusammenbruch des Dritten Reichs aus der Sicht eines Betroffenen.

Neubeginn

Hauptartikel: Synagoge an der Fiedlerstraße 3
Hauptartikel: Neue Synagoge

1950 schuf man durch Umbau einer Totenhalle auf den Neuen Jüdischen Friedhof für die jüdische Gemeinde die Synagoge an der Fiedlerstraße 3. Gleichwohl erlebten Dresdens Juden auch in der neu gegründeten DDR ein erhebliches Maß an Repression, das sich nicht zuletzt aus antikapitalistischen Vorurteilen speiste, aber auch aus den traditionell guten Verbindungen des Staates Israel zum „Klassenfeind“ USA. Stellvertretend für vieles sei die Verhaftung des Leiters der Dresdner jüdischen Gemeinde, Leon Löwenkopf, durch die SED-Behörden im Jahre 1950 genannt. Auch die Verfolgung des aus dem Raum Dresden stammenden SED-Funktionärs Paul Merker im Zuge der Slansky-Prozesse dürfte zu einem gewisse Maße mit seinem engagierten, seitens der Partei aber unerwünschten Eintreten für jüdische Restitutionsansprüche zusammenhängen.

Nach dem Fall der Mauer erlebte die jüdische Gemeinde Dresden ein gewisses Wachstum aufgrund des Zuzugs osteuropäischer Juden. 1992 wurde der jüdische Kulturverein Hatikva gegründet. Von 1996–2001 errichtete das Saarbrücker Architekturbüro Wandel & Höfer einen Synagogenneubau am Ostende der Brühlschen Terrasse. Heute leben in Dresden etwa 730 Juden, von denen sich 80 dem orthodoxen Judentum zurechnen.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

  1. Hagemeyer, S. 20 und S. 227
  2. Hagemeyer, S. 228


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Judentum in Dresden aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.