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Juda (Reich)

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Juda (hebräisch יְהוּדָה Jehūdāh) war ein eisenzeitliches Königtum in den Judäischen Bergen um Jerusalem. Seine Gründung geht nach biblischer Darstellung auf König David zurück. Da über weite Strecken die biblischen Texte, deren Wert für eine historische Auswertung umstritten ist, die einzigen Quellen darstellen, liegen zahlreiche Abschnitte der Geschichte Judas im Dunkeln und sind in der kritischen Wissenschaft umstritten. Die Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar II. im Jahr 587 v. Chr. bedeutete das Ende der Eigenstaatlichkeit. Die Region wurde Teil des neubabylonischen Reiches, später im Achämenidenreich die persische Provinz Jehud. Erst unter den Makkabäern kam es wieder zu einem selbstverwalteten jüdischen Leben in der Region.

Geschichte

Nach dem Tod des israelitischen Königs Salomo 926 v. Chr. fielen nach der biblischen Überlieferung die zehn nördlichen Stämme der Israeliten von der Dynastie Davids ab, Salomos Thronfolger Rehabeam blieben nur die Stämme Juda und Benjamin[1][2] treu, die gemeinsam das Reich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem bildeten. Die neuen Grenzen von Juda lagen im Norden vor Bet-El, im Osten am Toten Meer, im Süden an der Negev-Wüste und im Westen grenzte es an die Städte der Philister an der Küste.

Durch historische Quellen und archäologische Befunde ist hingegen ein Erstarken des Nordreichs und der dort siedelnden Stämme nach 925 v. Chr. sicher. Ihr Zentrum war zunächst Sichem mit dem bedeutendsten Kult, später Samaria. Daneben gab es weitere Kultstätten, Synkretismus und Polytheismus, und neben den israelitischen Stämmen auch Stämme anderer Ethnien. Das Nordreich stand unter der Dynastie der Omriden. Die Stämme im Südreich Juda lebten noch weitgehend nomadisch und sammelten sich um den Stadtgott und Tempel von Jerusalem zu einem schwachen Staat, der sich gegen die Übermacht Ägyptens und die Angriffe der Philister behaupten musste.

Bereits kurz nach der Gründung Judas fiel der ägyptische Pharao Schoschenk I. in Palästina ein und plünderte mehrere Städte in Israel, Rehabeam musste den Ägyptern Tribut leisten.

Unter Rehabeams Enkel Asa (908 bis 868 v. Chr.) verschwanden nach der Bibel die alten kanaanäischen Kultorte aus Juda, denn er schrieb der ganzen Bevölkerung den Jahwe-Glauben vor. Unter Asa brach der fast bis zum Ende Israels andauernde und immer wieder aufflackernde Krieg zwischen Israel und Juda aus. Asa bestach den nördlichen Nachbarn Israels, Ben-Hadad I. von Aram-Damaskus mit Schätzen aus dem Jerusalemer Palast und Tempel, so dass dieser im Norden Israels einfiel und der israelitische König Bascha vom Kampf gegen Juda ablassen musste. Unter Asas Sohn Joschafat (868 bis 847 v. Chr.) bestand wieder Frieden mit Israel, er zog sogar gemeinsam mit Ahab von Israel in den Krieg gegen Aram und wenig später mit Ahabs Sohn Joram (851 bis 845 v. Chr.) gegen die Moabiter, so dass davon auszugehen ist, dass Joschafat Vasall Israels war. Außerdem eroberte er die edomitische Hafenstadt Ezjon-Geber am Roten Meer, die den Handel mit dem reichen Land Ofir ermöglichte, doch die judäischen Schiffe zerschellten bei Ezjon-Geber. Er festigte seine Beziehung zu Israel durch dynastische Heirat seines Sohnes Joram mit der israelitischen Prinzessin Atalja, die ein Schwester oder Tochter Ahabs war (2 Kön 8,18 EU). Von nun an kann man von einem geeinten Israel durch dynastische Verbindung sprechen, dass von den Omriden von Samaria aus dominiert wurde. Joschafats Enkel Ahasja (845 v. Chr.), der ein Sprössling beider Dynastien, Israels und Judas war, wurde, nachdem er gemeinsam mit Joram von Israel gegen Hasael von Damaskus eine Niederlage erlitten hatte, von dem israelitischen Usurpator Jehu getötet. Während Jehu in Israel das Königtum ergriff, ließ Ahasjas Mutter Atalja alle Nachkommen Ahasjas töten, nur sein Sohn Joasch wurde im Tempel versteckt und so gerettet.

Nach siebenjähriger Herrschaft wurde Atalja auf Befehl des Hohepriesters Jojada von der königlichen Leibwache hingerichtet und Joasch zum König erhoben. Joas führte eine Kultreform durch und ließ den Jerusalemer Tempel renovieren, fiel jedoch nach vierzigjähriger Regierungszeit einem Mordanschlag zum Opfer. Sein Nachfolger und Sohn Amazja (801 bis 787 v. Chr.) besiegte die südlich von Juda lebenden Edomiter, erlitt jedoch eine schwere Niederlage gegen Joasch von Israel, der anschließend Teile der Jerusalemer Stadtmauer schleifen ließ. Aus unbekannten Gründen wurde er in Lachisch ermordet. Jedenfalls konnten die Mörder nicht die Macht ergreifen, sondern das Volk erhob Amazjas Sohn Asarja (auch Usija) (787 bis 736 v. Chr.) zum König.

Unter Asarja kehrte wieder Frieden ein, und Juda prosperierte in Landwirtschaft und Handel. Der materielle Wohlstand nahm zu. Der edomitische Hafen Ezion-Geber am Roten Meer wurde wieder instandgesetzt und die alten Handelswege vom Roten Meer bis nach Phönikien hinauf wieder benutzt. Unter seinen Nachfahren jedoch flammten alte Streitigkeiten mit den an der Küste siedelnden Philistern auf, und die Häfen gingen verloren.

Gleichzeitig geriet Juda immer mehr unter den Druck des erstarkten neuassyrischen Reiches. Usijas Enkel Ahas (741 bis 725 v. Chr.) suchte den Frieden mit den Assyrern, während Israel und Aram (Damaskus) gemeinsam gegen die Assyrer vorgehen wollten. 735 leistete Ahas den Assyrern Tribut. Zwei Jahre später kam zum sog. syrisch-ephraimitischen Krieg (733 v. Chr.), bei dem Israeliten und Aramäer den assyrerfeindlichen Aramäer Ben Tabeal auf den judäischen Thron setzen wollten, um Juda als Verbündeten in einer antiassyrischen Allianz zu gewinnen. Sie belagerten vergeblich Jerusalem, doch Ahas unterwarf sich den Assyrern und bestach sie mit dem geplünderten Jerusalemer Tempelschatz, so dass diese noch im selben Jahr große Teile Israels und ein Jahr später Damaskus eroberten. Ahas' freiwillige Unterwerfung unter die Assyrer hatte insbesondere für den Kult im Jerusalemer Tempel einschneidende Folgen: Vor den Tempel ließ Ahas einen Altar nach aramäischem Vorbild bauen, alte Altäre dagegen wurden abgebaut.

Selbst in dieser nach der Überlieferung der Bibel gezeichneten Frühgeschichte Judas wird deutlich, dass das Nordreich der mächtigere Staat war, und dass Juda mit Jerusalem sich mehrfach der Übermacht des Nordens zu erwehren suchte, teilweise sogar unter die Vorherrschaft der Nordkönige geriet. Es lebte immer dann auf, wenn der Norden durch äußere Feinde geschwächt worden war. Dass der Süden dabei die Fäden zog, ist leicht als fromme Legende auszumachen. Zu einem eigenständigen starken Staat konnte Juda erst werden, als das Nordreich durch die Assyrer vernichtet wurde.

Unter der Regierung Hiskijas (725 bis 697 v. Chr.) wurde Israel von den Assyrern vollständig erobert und vernichtet. So blieb nur Juda als unabhängiger Reststaat des einstigen Großreichs Israel übrig. Hiskija bemühte sich wie Ahas zunächst um gute Beziehungen zu den erstarkenden Assyrern. Er konnte den Staat Juda ausbauen. Doch als 713 v. Chr. der philistäische Stadtstaat Aschdod den Aufstand gegen Assyrien wagte, schloss sich neben anderen Staaten auch Juda an. Als der Aufstand 711 v. Chr. niedergeschlagen wurde, entging Juda der Vernichtung durch eine schnelle Unterwerfung. Hiskija baute den berühmten Hiskija-Tunnel in Jerusalem, um die Stadt auch bei Belagerung mit Wasser versorgen zu können.

Als 705 der assyrische König Sargon II. starb, wagte es Hiskija erneut, unter dem Schutz der Ägypter gegen die mächtigen Assyrer aufzubegehren. Der neue assyrische König Sanherib konnte die Ägypter 701 jedoch schlagen, besetzte ganz Juda und begann mit der Belagerung Jerusalems. Erneut kaufte sich Hiskija durch schweren Tribut frei. Hiskija blieb nur noch die Herrschaft über das judäische Bergland, das restliche Juda kam unter die Herrschaft der Assyrer. In der Folge musste der von Ahas eingeführte und von Hiskija zeitweise wieder beseitigte assyrische Kult in Jerusalem wieder eingeführt werden. Wahrscheinlich in der Mitte des 7. Jahrhunderts gelang es Hiskijas Nachfolgern jedoch, das judäische Staatsgebiet wieder auszudehnen. Eine letzte Blütezeit wurde Juda unter König Joschija (639 bis 609 v. Chr.) beschert. Unter seiner Herrschaft und dem Einfluss des Propheten Jeremia wurden alle differierenden hebräischen, kanaanäischen, aramäischen oder assyrischen Kulte radikal ausgemerzt und der Jahwekult Jerusalems für alle Bewohner verbindlich gemacht.

Inzwischen verschwand die Bedrohung Assurs im Norden durch ein erstarkendes Babylon. Im Jahre 612 wurde die assyrische Hauptstadt Ninive von den Babyloniern erobert. Joschija im Reich Juda nutzte die assyrische Schwäche und eroberte einige Teile des nördlichen Israels zurück. Es kam zu Streitigkeiten mit Ägypten, das ein erstarkendes Mesopotamien fürchtete und den Assyrern zu Hilfe eilen wollte. Joschija hingegen weigerte sich, den Ägyptern freien Durchzug durch Juda zu gewähren. Joschija wurde von den Ägyptern 609 v. Chr. bei Megiddo geschlagen, seine Nachkommen und die Aristokratie wurden von den siegreichen Ägyptern deportiert. 605 v. Chr. jedoch erlitten die verbündeten Ägypter und Assyrer bei Karkemisch eine vernichtende Niederlage durch die Babylonier unter Nebukadnezar II.. Der judäische König Jojachin (598 bis 597 v. Chr.) lehnte sich 597 v. Chr. gegen die immer stärker werdenden Babylonier auf, wurde aber geschlagen; der Jerusalemer Palast und der Tempel wurden geplündert und ein Großteil der königlichen Familie musste ins Babylonische Exil gehen. Noch einmal unter einem Zedekia (Zidkija) (597 bis 587 v. Chr.), Jojachins Onkel (oder Bruder?) versuchte Juda unter ägyptischem Einfluss einen Aufstand gegen Babylon, der aber auf der ganzen Linie scheiterte. Alle Städte Judas einschließlich Jerusalem, das etwa am 29. Juli 587 v. Chr. kapitulierte, fielen in die Hand des Feindes, die königliche Familie und alle Aristokraten sowie Handwerker wurden nach Babylon exiliert.

Juda hatte das Nordreich Israel um 136 Jahre überlebt. Im Jahr 587 v. Chr. hörte auch das Reich Juda auf zu existieren. Auf dem Gebiet Judas entstand daraufhin die babylonische bzw. persische Provinz Jahud (Siehe auch: Liste der Statthalter Judas). 582 v. Chr. wurden erneut Judäer nach Babylon deportiert, so dass insgesamt 4600 Menschen deportiert worden waren. 539 v. Chr. eroberte der persische König Kyros II. Babylon, ein Jahr später erlaubte er den Judäern die Heimkehr nach Juda.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Historisch nicht eindeutig zu klären ist die Frage, ob der Stamm Benjamin bei der Teilung des Königreiches Israel nach dem Tod König Salomons im Jahr 926 v. Chr. mit den Nordstämmen die Trennung vom Königreich Juda vollzogen hat oder nicht. Nach 1 Kön 11,35 EU gehen nur zehn Stämme in die Sezession; dabei könnte aber von nur elf Stämmen Israels ausgegangen sein, da der Stamm Levi landlos war. Nach 1 Kön 12,21 EU widersetzt sich Benjamin zusammen mit Juda der Aufteilung. Auf jeden Fall blieb das benjaministische Gebiet zwischen Nord- und Südreich umstritten (1 Kön 15,16ff EU). Benjamin wird mit Juda in Esr 1,5 EU (Buch Esra) u.ö. unter den Heimkehrern aus dem babylonischen Exil erwähnt und dürfte daher auch zuvor zum Königreich Juda gehört haben.
  2. Gunneweg, Antonius H. J.: Geschichte Israels bis Bar Kochba. Stuttgart (Kohlhammer) 1972, S. 89

Literatur

  • Gösta W. Ahlström: The History of Ancient Palestine from the Palaeolithic Period to Alexander’s Conquest. With a contribution by Gary O. Rollefson, edited by Diana Edelman. JSOT.S 146. Sheffield 1993.
  • Angelika Berlejung: Geschichte und Religionsgeschichte des antiken Israel. In: Gertz, Jan Christian u.a. (Hg.): Grundinformation Altes Testament: Eine Einführung in Literatur, Religion und Geschichte des Alten Testaments. Göttingen 2006; 32009.
  • Herbert Donner: Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen. Teil 1: Von den Anfängen bis zur Staatenbildungszeit., Göttingen 1984; Teil 2: Von der Königszeit bis zu Alexander dem Großen, Göttingen 1986; in: Altes Testament Deutsch, Ergänzungsreihe, Bd. 4/1 und 4/2.


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