Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Jomtow Lipmann Heller

Aus Jewiki
(Weitergeleitet von Jom Tow Lippmann Halevi Heller)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Jomtow Lipmann Heller (auch Jom Tob Lipmann Heller und weitere Namensformen; geb. 1579 in Wallerstein, Bayern, damals Fürstentum Oettingen-Wallerstein; gest. 1654 in Krakau - Jahrzeit: 6. Elul) war Rabbiner u. a. in Wien, Prag und Krakau und ein bedeutender talmudischer Gelehrter, er schrieb u. a. Tossefot Jomtow, einen Mischna-Kommentar, der häufig mit dem Text der Mischna-Ausgaben zusammen abgedruckt wird und noch heute zu den wichtigsten Mischna-Kommentaren gehört (Ergänzung zum Kommentar Bertinoros; diese „Zusätze“, Tosafot Jom Tob, wurden zuerst 1617 in Prag gedruckt).

Leben

Früh verwaist, wurde er von seinem Großvater aufgezogen und lernte als Junge zunächst in der Friedberger Jeschiwa von Rav Jakow Günzburg und dann beim Maharal von Prag. Mit nur 18 Jahren wurde er als Dajan im Bet Din des Mahara'l von Prag eingesetzt. Nachdem er danach das Rabbiner-Amt in Nikelsburg und Wien (wo er den dortigen Juden erhebliche Rechte erstritt) übernommen hatte, bat man ihn, doch wieder nach Prag zurückzukehren und als Oberhaupt des Bet Din zu amtieren - eine Stelle, die zuvor der Kli Jakar und der Schla'h Hakadosch innegehabt hatten. Der junge Raw übte dieses Amt mit Festigkeit und Stärke aus und war nicht bereit, auf irgendein Detail, das nicht der Halacha entsprach, zu verzichten, selbst wenn das zur Konsequenz hatte, dass er sich gegen die Reichen und Angesehenen der Stadt stellen musste. Das führte dazu, dass er sich sehr viele Feinde machte, die ihn ohne Erbarmen verfolgten.

Im Jahr 5389 (1629) wurde er von einer Gruppe schlechter Menschen bei den königlichen Fürsten durch Lügen verleumdet. Durch verschiedene Askanim wurde eine spezielle Genehmigung erreicht, dass der Raw mit Ehren zum Kanzler in Wien gebracht werden konnte, der dem Kaiser Ferdinand sehr nahe stand und als einer seiner Stellvertreter amtierte. Eine Anklage gegen ihn bestand darin, dass er sein Sefer "Ma'adanei Melech - die Köstlichkeiten des Königs" nannte, was in einer gewissen Art als ein Aufstand gegen das Königreich verstanden werden konnte. Infolge dessen änderte er den Namen seines Buches zu "Ma'adane Jom Tov". Die andere Anklage war, dass er in seinem Sefer gegen die "Nochrim" (Christen) geschrieben habe. Er erklärte, dass er damit nur diejenigen Nochrim meinte, die Götzendienst ausübten, nicht aber die Nochrim von heute. Dennoch wurde er ins Gefängnis geworfen aufgrund der Anklage, dass er gegen das Verdikt des Papstes verstossen hätte. Dieser hatte angeordnet, dass der Talmud verbrannt werden müsse. Der Raw hatte aber neue Sefarim über den Talmud herausgegeben.

Schmuel Heller als doppelter Lebensretter (Illustration der "Jüdischen Zeitung", siehe im Text)

Ein Gericht, besetzt mit katholischen Pfarrern, verurteilte ihn zum Tod. Bevor aber die Ausführung der Todesstrafe vom Kaiser genehmigt wurde, kam Rettung von einer unerwarteten Stelle: Der zweite Sohn des Tossfot Jom Tov, ein Bachur namens Schmuel Heller, lernte während dieser Zeit in der Stadt Metz in Frankreich und wusste nichts von all dem, was mit seinem Vater geschehen war. An einem Tag erhielt er einen Brief seines Vaters, in dem er gebeten wurde, ihn doch zu besuchen. Auf dem Weg nach Prag kam er in Wien vorbei und legte dort eine kurze Pause ein, um sich von den Strapazen der Reise auszuruhen. Als er durch den Wald am Stadtrand ging, hörte er plötzlich das Schreien von zwei Frauen, die mit einem Kleinkind im Arm vor einem wilden Ochsen flüchteten, der ihnen nachjagte. Der junge Bachur verstand sofort, dass der Grund dafür das rote Tuch war, das die eine der beiden Frauen umgebunden hatte und den Zorn des Ochsen erregte. Er eilte deshalb zu den Frauen hin, riss das rote Tuch herunter und warf es dem Ochsen zu, der daran seine Wut abreagierte. Dadurch rettete er die Frau vor dem Tod. Schliesslich stellte sich heraus, dass eine der beiden Frauen mit einem hochrangigen französischen Fürsten verheiratet war, der einen grossen Einfluss auf den Kanzler hatte. Nachdem Schmuel von der Notlage seines Vaters erfahren hatte, wandte er sich an diesen französischen Fürsten und bat ihn, ein gutes Wort für diesen einzulegen. Der Fürst freute sich über die Möglichkeit, sich gegenüber dem Lebensretter seiner Familienmitglieder erkenntlich zeigen zu können. So konnte der Sohn erreichen, dass das Todesurteil, das über dem Tossfot Jom Tov schwebte, aufgehoben wurde. Der Kaiser erbarmte sich seiner und erklärte sich bereit, ihn für die die gewaltige Summe von 12 000 Goldstücken freizulassen, eine Summe, die unmöglich aufgetrieben werden konnte. Dazu kam noch, dass ihm verboten wurde, als Raw in Prag und in allen Gebieten, die dem Kaiser unterstanden, zu amtieren, so dass er das Land verlassen musste. So blieb er auch ohne Lebensunterhalt. Schliesslich wurde er dennoch gerettet (unter tätiger Mithilfe des Hofjuden Jacob Bassevi), wurde Raw in Nemrov und Wladimir in Polen (beide heute in der Ukraine), und danach bat man ihn, die Stelle des "Bach" als Raw der Stadt Krakow zu übernehmen (ab 1643). Er wurde zu einer einflussreichen Kraft im Va’ad Arba Aratzos (Vertretung der Juden in Polen). In seinen letzten Lebensjahren füllte er auch die Position des Oberrabbiners von Krakau aus. Er starb 1654 in Krakau und ist in der Sektion für arme, unbedeutende Leute auf dem jüdischen Friedhof beerdigt.

Obwohl der Tossfot Jom Tov allen Leuten, die mit seiner Verleumdung in Verbindung standen, vergab, wird berichtet, dass alle diese Menschen unbekannten Krankheiten anheim fielen und starben (vgl. das später herausgegebene Buch "Megillat Eiwa").

Hinweis

Der Artikeltext beruht in Teilen auf einem Nachruf in der Jüdischen Zeitung, Zürich, Ausgabe vom 16. August 2013, Seite 20 (Autor: D. Goldschmidt).

Literatur (Auswahl)

  • Heller, Jom-Tow Lipman, in: Julius H. Schoeps (Hrsg.), Neues Lexikon des Judentums, Gütersloh 2000, S. 340

Weblinks

Andere Wikis


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Jomtow Lipmann Heller aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. Hauptautor des Artikels (siehe Autorenliste) war Michael Kühntopf. Weitere Artikel, an denen dieser Autor maßgeblich beteiligt war: 2.064 Artikel (davon 921 in Jewiki angelegt und 1.143 aus Wikipedia übernommen). Bitte beachten Sie die Hinweise auf der Seite Jewiki:Statistik.