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John Berger (Schriftsteller)

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John Berger (geb. 5. November 1926 in Stoke Newington, County of London; gest. 2. Januar 2017[1] in Antony, Département Hauts-de-Seine) war ein britischer Schriftsteller, Maler und Kunstkritiker und Booker-Prize-Träger.

Leben

Berger wurde als ältester Sohn des Juristen Stanley Berger und seiner Frau Miriam Berger geboren. Er hatte einen Bruder. Seine Vorfahren waren zum Teil jüdischer Abstammung und kamen aus Italien, Galizien und Böhmen.[2]

Von 1944 bis 1946 war Berger in der Britischen Armee.

Nach einem Kunststudium an der Chelsea School of Art und der Central School of Art in London begann Berger eine Karriere als Maler. 1948 bis 1955 arbeitete er als Lehrer. Zur selben Zeit verfasste er Kunstkritiken, Künstlerbiographien und Essays über Kunst. In den 1950er-Jahren engagierte er sich in der Friedensbewegung Artists For Peace.

In den 1970er Jahren arbeitete er mit dem Regisseur Alain Tanner und schrieb die Drehbücher für mehrere Filme. Mit seinem Entwicklungsroman G., an dem er fünf Jahre gearbeitet hatte, gewann er 1972 überraschend den Booker Prize. Als Berger die Hälfte des Preisgeldes an die Black Panther Party spendete, entstand ein Skandal.

Neben seinem literarischen Werk verfasste Berger eine Reihe von kunsthistorischen und politischen Texten und Kritiken, die u.a. in Le Monde diplomatique erschienen sind.

Im Dezember 2006 trat Berger mit einem Boykott-Aufruf (für den Bereich von Kultur und Wissenschaft) gegen die Besatzungspolitik Israels an die internationale Öffentlichkeit. Den Boykott wollte er „taktisch“ verstanden wissen; das heißt, für sich lehnte er es ab, von einem großen Mainstream-Verlag in Israel publiziert zu werden. Er habe damit den Staat Israel treffen, aber nicht den Kontakt zu den einzelnen Menschen in Israel unterbinden wollen.

Berger war drei Mal verheiratet. Seine erste Ehefrau war die Künstlerin Pat Marriott. Aus seiner zweiten Ehe mit der Russin Anya Bostock (geboren als Anna Sisserman) gingen zwei Kinder hervor: Katya Berger (geb. 1962) und Jacob Berger (geb. 1963), ein Schweizer Regisseur. In dritter Ehe war Berger mit der US-Amerikanerin Beverly Bancroft verheiratet, die 2013 starb. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn namens Yves (geb. 1976). Er ist Maler. Im Jahr 2010 war in der Neuen Galerie Landshut eine gemeinsame Ausstellung von Vater und Sohn zu sehen.

Berger hatte bereits in den 1960er Jahren für Recherchen zeitweilig in der West-Schweiz gelebt. 1973/1974 verließ Berger England endgültig und zog in das Bergdorf Quincy im Département Haute-Savoie in Frankreich, wo er mehrere Jahrzehnte mit seiner Familie lebte. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Berger in dem Pariser Vorort Antony (Département Hauts-de-Seine).

Preise (Auswahl)

Werke

Romane

  • A Painter of Our Time. 1958, 1989.
    • dt. Die Spiele. Leipzig 1991 (Reclam-Bibliothek 1408)
  • G. 1972.[3]
  • SauErde. Geschichten vom Lande. 1982.
  • Spiel mir ein Lied. 1988.
  • Flieder und Flagge. 1991.
  • Auf dem Weg zur Hochzeit. 1996.
  • King. 1999.[4]
  • A und X. Eine Liebesgeschichte in Briefen. Aus dem Englischen von Hans Jürgen Balmes. Carl Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-23395-9.

Essays

  • Begegnungen und Abschiede. 1991.
  • Und unsere Gesichter, mein Herz, vergänglich wie Fotos. 1992.
  • mit Jean Mohr: Geschichte eines Landarztes. 1998.
  • Warum sehen wir Tiere an? 1981. Veröffentlicht in Das Leben der Bilder oder die Kunst des Sehens.
  • mit Jean Mohr: Eine andere Art zu erzählen. 1982/2000.
  • Gegen die Abwertung der Welt. 2001.
  • Mit Hoffnung zwischen den Zähnen. Berichte von Überleben und Widerstand. 2007.
  • Bentos Skizzenbuch. 2013[5]
  • Der Augenblick der Fotografie. Essays. Vorwort Geoff Dyer, Übersetzung Hans Jürgen Balmes. Hanser, München 2016, ISBN 3-44625283-5.

Erzählungen

  • Einst in Europa. Aus dem Englischen von Jörg Trobitius. Carl Hanser, München 2000, ISBN 978-3-446-19818-0.
  • Hier, wo wir uns begegnen. Aus dem Englischen von Hans Jürgen Balmes. Carl Hanser, München 2006, ISBN 978-3-446-20655-7.

Kunsthistorische Schriften

Sozialkritische Literatur

  • mit Jean Mohr: Arbeitsemigranten. Erfahrungen, Bilder, Analysen. Reinbek 1976.

Theaterstücke

  • Francisco Goya – das letzte Porträt. Ostfildern 1995.
  • Die drei Leben der Lucie Cabrol.

Drehbücher

Literatur

  • Ralf Hertel und David Malcolm (Hrsg.): On John Berger: Telling Stories. Brill, Leiden 2015, ISBN 978-9-00430612-7.
  • Geoff Dyer (Hrsg.): John Berger: Selected Essays. Bloomsbury, ISBN 0-375-71318-2.
  • Charity Scribner: John Berger, Leslie Kaplan and the Western Fixation on the „Other Europe“. In: Moritz Csáky, Klaus Zeyringer (Hrsg.): Inszenierungen des kollektiven Gedächtnisses. Eigenbilder, Fremdbilder. Studienverlag, Innsbruck 2002, ISBN 3-7065-1772-8, S. 236–246.
  • Achim Engelberg: Über Dörfer und Städte. Der europäische Erzähler John Berger. VanBremen, ISBN 978-3-9805534-3-8.
  • Jochen Krautz: John Bergers Ästhetik und Ethik als Impuls für die Kunstpädagogik am Beispiel der Fotografie. Kovac, Hamburg 2004, ISBN 3-8300-1287-X.

Dokumentarfilm

Auf der 66. Berlinale (Februar 2016) hatte der vierteilige dokumentarische Essayfilm The Seasons in Quincy: Four Portraits of John Berger in der Sektion Berlinale Special seine Weltpremiere. Der kollaborativ produzierte Film von Tilda Swinton, Colin MacCabe, Christopher Roth, Bartek Dziadosz und dem Derek Jarman Lab setzt sich mit einzelnen Aspekten aus Bergers Werk und seinem Leben im alpinen Bergdorf Quincy (Haute-Savoie) auseinander.[7][8][9]

Weblinks

 Commons: John Berger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege

  1. Javier Rodríguez Marcos: Muere John Berger, escritor, pintor y crítico de arte británico. ElPais.com, 2. Januar 2017, abgerufen am 3. Januar 2017 (spanisch).
  2. "Berger, John" in Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/00000020041 (abgerufen von Verbund öffentlicher Bibliotheken Berlin am 14.1.2017)
  3. G. ist ein experimenteller Roman, durchdrungen von verschiedenen diskursiven Ebenen. Der Roman bearbeitet den Don-Juan-Mythos (G.= Giovanni, Don Giovanni = Don Juan) und zeichnet G. als existentiellen Helden, der sich gegen die herrschende Ordnung stellt.
  4. Kaleidoskopischer Roman, der Zeit- und Raumverhältnisse auflöst und das Elend der Menschen, die aus der gesellschaftlichen Ordnung herausfallen, thematisiert. Dabei bleibt offen, ob der Ich-Erzähler King wirklich ein Hund ist oder ein heruntergekommener Mensch.
  5. Michaela Schmitz: Mystische Bild- und Erzählmeditationen – John Berger: „Bentos Skizzenbuch“. Rezension in der Deutschlandfunk-Sendung „Büchermarkt“, 16. Juli 2013, abgerufen am 3. Januar 2017.
  6. Auszug Warum sehen wir Tiere an? in Akzente, H. 2, 1981; wieder in: Akzente. Ein Reader aus 50 Jahren. Hanser, München 2003, ISBN 3-44620409-1, S. 301–318. Übers. Lida von Mengden
  7. Roman Tschiedl: The Seasons in Quincy, Radio OE1 Leporello, 15. Februar 2016.
  8. The Seasons in Quincy: Four Portraits of John Berger. 66. Internationale Filmfestspiele Berlin (PDF)
  9. Filmwebsite


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