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Joel Engel

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Joel Engel
Joel Engel (ca. 1924)

Joel Engel (geb. 1868 in Berdyansk in der Ukraine; gest. 11. Februar 1927 in Tel Aviv) war ein jüdischer Komponist, Musiklehrer, Musikkritiker und Pionier der jüdischen Volksmusikforschung.

Vita

Ausbildung

Musikredakteur

  • Nach seinem Studium arbeitete er als Musikredakteur für die Zeitung Russkiye Vedomosti.
  • Dadurch wurde er zu einer einflussreichen Figur des russischen Musiklebens.
  • Er publizierte u. a. auch die russische Ausgabe von Riemanns Musiklexikon.
  • Im Jahr 1918 musste er die Arbeit bei der Zeitung aufgeben, weil diese von den Bolschewisten verboten wurde. Er wandte sich vermehrt der Komposition eigener Werke zu.

Jüdische Musik

  • Bis zu einem Treffen mit Pessach Marek im Jahr 1899 hatte er kein großes Interesse an jüdischer Musik.
    Für jüdische Volksmusik typischer übermäßiger Sekundschritt (hier b - cis) in Joel Engels 5 Klavierstücke (op. 15, Nr. 1) aus dem Jahr 1919
  • Im Jahr 1900 kehrte er nach Berdyansk zurück und begann hier mit dem Sammeln jüdischer Volksmusikmelodien.
  • Diese Lieder arrangierte er teilweise selber und führte sie in Moskau auf, um andere jüdische Komponisten für ihr nationales musikalisches Erbe zu begeistern. Engel informierte die Zuhörerschaft dabei häufig auch durch Vorträge über den kulturellen und poetischen Hintergrund jüdischer Volksmusik.
  • Ein Vortrag von Engel mit anschließendem Konzert war wohl eine der ersten Veranstaltungen speziell zu jüdischer Musik in Europa überhaupt. [1]
  • Im Jahr 1908 gründete er mit anderen in St. Petersburg eine Gesellschaft für jüdische Volksmusik.
  • Diese publizierte Noten jüdischer Volksmusik und veranstaltete Konzerte. Später weltbekannte Musiker, wie bspw. der Geiger Jascha Heifetz, Joseph Achron oder der Pianist Leopold Godowsky nahmen daran teil.
  • Im Jahr 1912 unternahm er mit Salomon An-Ski eine Expedition, bei der sie wie Bela Bartok Volksmusik phonografisch aufzeichneten.
  • Im Jahr 1922 ging er nach Berlin, um hier jüdische Musik in Konzertreihen zu präsentieren.
  • In Berlin gründete er auch den Verlag Juval, der jüdische Volksmusik sowie eigene Werke von ihm herausgab. [2]
  • Im Jahr 1924 hielt er Konzerte und Vorträge in Erez Israel ab.
  • Er blieb dann gleich dort und nahm eine Arbeit am Ron Shulamit-Konservatorium an.
  • Nur drei Jahre nach seiner Übersiedlung nach Palästina starb er dann.
  • Seine lebenslange Pionierarbeit im Bereich der jüdischen Volksmusikforschung inspirierte zahlreiche jüdische Komponisten und löste eine "Renaissance jüdischer Musik" aus.
  • Mit dem russisch-jüdischen Komponisten und Musikethnologen Lazare Saminsky lag Engel wegen seines gänzlich anderen Verständnisses jüdischer Volksmusik quer. Während Saminsky nur von nichtjüdischen Kultureinflüssen unbeeinflusste Musik als authentisch gelten ließ, betonte Engel, dass jüdische Volksmusik immer in regem Austausch mit der umgebenden Kultur gestanden habe. Er meinte - durchaus dem heutigen Forschungsstand entsprechend - u.a.:
"Welches Volkslied ist frei von Überlagerungen. Es sind doch nicht die Überlagerungen, die wirklich von Belang sind. Viel wichtiger ist die Frage, ob das jüdische Volkslied, als Ganzes betrachtet, eine eigene musikalische Spezifik aufweist. Und diese Frage ist zu bejahen. Ja mehr noch: Das jüdische Volkslied prägt dem, was es von seinen Nachbarn übernimmt, seine eigenen Züge auf." [3]

Eigene Kompositionen

  • Engel komponierte neben jüdischen Volksliedern Klaviermusik und Kammermusik. Großformatige und orchestrale Werke fehlen in seinem Oeuvre.
  • Viele seiner Kompositionen beruhen auf jüdischer Volksmusik.
  • Er war einer der ersten Komponisten, die erkannten, dass jüdische Musik weniger auf der abendländischen Dur-Moll-Tonalität beruht, sondern eher auf nahöstlichen Modalleitern basiert. Diese Erkenntnis setzte er auch in seinen Kompositionen um. So verwendet er bspw. in seiner Dybbuk-Suite, op. 35 einen Akkord mit übermäßiger Quinte anstatt einen "normalen abendländischen Akkord". Sein Stück Volksweise aus den 5 Klavierstücken, op. 19 (siehe Bild 1) basiert bspw. mit dem übermäßigen Sekundschritt b - cis auf der jüdischen Tonleiter Ahava Rabboh.
  • Viele seiner Kompositionen sind, trotz des Bemühens um die Verarbeitung jüdischer Volksmusik, doch deutlich von der russischen Salonmusik der Jahrhundertwende geprägt und vermögen den heutigen Hörer nur noch bedingt zu überzeugen. [4]
  • Er komponierte die Musik für das Stück Der Dybbuk (דער דיבוק אָדער צווישן צוויי וועלט). [5] Das Stück wurde das damals erfolgreichste Werk im "jüdischen Sujet". Es erlebte tausende von Aufführungen auf verschiedenen Kontinenten und in verschiedenen Sprachen. [6] Das Werk inspirierte auch andere, wie bspw. den US-amerikanischen Komponisten Aaron Copland. [7]
  • Obwohl Joel Engels Kompositionen, wie bspw. die Dybbuk-Suite op. 35, einst sehr populär waren, ist seine Musik heute großteils vergessen. [8] [9]

Weblinks

Literatur

  • Jascha Nemtsov: Enzyklopädisches Findbuch zum Archiv der "Neuen Jüdischen Schule", Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2008, Seite 194 ff.

Einzelnachweise

  1. Beate Schröder-Nauenburg: "Der Eintritt des Jüdischen in die Welt der Kunstmusik, Jüdische Musik - Band V, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2007, Seite 42
  2. Eckhard John und Heidy Zimmermann (Hrsg.): Jüdische Musik? - Fremdbilder - Eigenbilder, Böhlau Verlag, Köln, 2004, Seite 163
  3. Eckhard John und Heidy Zimmermann (Hrsg.): Jüdische Musik? - Fremdbilder - Eigenbilder, Böhlau Verlag, Köln, 2004, Seite 164
  4. Albert Weisser: The Modern Rennaisance of Jewish Music - Events and Figures, Verlag Bloch, New York, 1954, Seite 73
  5. Anm.: Ursprünglich wollte diesen Stoff der große George Gershwin vertonen, was aber letztlich an Urheberrechtsfragen scheiterte
  6. Milken Archive of Jewih Music
  7. Anm.: Dieser schrieb in Bezug auf sein Werk Vitebsk (Study on a Jewish Theme): "The Trio Vitebsk was completed in 1929 and first performed at a concert of the League of Composers in New York in February of thar year. The Jewish folk theme, which is used as an integral part of the work, was heard by the composer during a performance of An-sky? s play The Dybbuk. That circumstance supplied the composer with his title."; zitiert nach Gabriella Safran und Steven J. Zipperstein (Hrsg.): The Worlds of S. An-sky - A Russian Jewish Intellectual at the Turn of the Century, Stanford University Press, 2006, Seite 223 und 224
  8. Joel Engel - The Dybbuk Suite, op. 35 (1922) auf www.promusicahebraica.org
  9. Artikel über das Werk auf www.jewishvirtuallibrary.org

Andere Wikis


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