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Jitzchak Kahan

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Jitzchak (Yitzhak) Kahan (geb. 15. November 1913 in Brody, Ukraine; gest. 24. April 1985) war ein israelischer Jurist und Richter.

Biografie

Nach dem Schulbesuch studierte er Rechtswissenschaften und Ökonomie und wanderte 1935 in das britische Mandatsgebiet Palästina aus.

Am 7. Oktober 1970 wurde er zum Richter an das Oberste Gericht berufen.

Als Nachfolger von Moshe Landau wurde er 1982 zum Präsidenten des Obersten Gerichts ernannt und hatte dieses Amt bis zur Vollendung seines 70. Lebensjahres im November 1983 inne.[1]

In dieser Funktion wurde er am 28. September 1982 von der Regierung unter Ministerpräsident Menachem Begin zum Vorsitzenden der nach ihm benannten Kahan-Kommission ernannt.[2] Die neben ihm aus dem Richter am Obersten Gericht Aharon Barak sowie dem Generalmajor a.D. Yona Efrat bestehende Kommission sollte das Massaker von Sabra und Schatila untersuchen.

Dem damaligen israelischen Verteidigungsminister Ariel Scharon wurde von der Kommission eine politische Mitverantwortung für das Massaker zugewiesen, ohne dass ihm Vorsatz angelastet wurde. Aufgrund einer von der Kommission ausgesprochenen Empfehlung wurden Raful Eitan als Chef des Generalstabes und Scharon als Verteidigungsminister 1983 abgelöst.[3][4]Dem damaligen Außenminister und späteren Ministerpräsidenten Jitzchak Schamir lastete die Kahan-Kommission "mangelnde Sensitivität und Wachsamkeit" an.[5]

Scharon, der die ihn belastenden Untersuchungsergebnisse beschimpfte,[6] wurde allerdings noch im gleichen Jahr Minister ohne Geschäftsbereich. In Belgien wurde zwar 2002 wegen des Massakers zunächst ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet, die Anklage wurde jedoch wieder fallen gelassen. Ein Versuch, den unmittelbaren Haupttäter Elie Hobeika zu belangen, wurde weder von Seite arabischer Staaten noch von den Israelis unternommen. Vielmehr bekleidete er nach Ende des Libanesischen Bürgerkrieges acht Jahre lang mehrere Ministerämter in der von Syrien kontrollierten Regierung des Libanons.

Er war Bruder des langjährigen Abgeordneten der Knesset und Vizeministers für Erziehung und Kultur, Kalman Kahana.

Einzelnachweise

  1. NEW YORK TIMES: "Israeli Chief Justice Sworn In As Supreme Court President" (28. November 1983)
  2. DER SPIEGEL: "Israel: Warum sollen wir Juden bestrafen" (14. Februar 1983)
  3. DER SPIEGEL: "Time is money" (19. November 1984)
  4. DER SPIEGEL: "Prozesse: Böse Absicht" (24. dezember 1984)
  5. DER SPIEGEL: "Israel: Reizloses Kind" (13. Oktober 1986)
  6. DER SPIEGEL: "Israel - Wahlen ohne Wahl" (23. April 1984)


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Jitzchak Kahan aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.