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Seligmann Bär Bamberger

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(Weitergeleitet von Jitzchak Dov Bamberger)
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Raw Seligmann Bär (Jitzchak Dov Halevi) Bamberger – der „Würzburger Rav“ (geb. 6. November 1807 in Wiesenbronn; gest. 13. Oktober 1878 in Würzburg), war ein wichtiger Vertreter des orthodoxen Judentums und ein lebenslanger Gegner der Reform.

Leben

Er wurde am 6. November 1807 als Sohn des Simon (Sim'ha) Bamberger, eines kleinen Händlers und Rabbiners, eines sehr gottesfürchtigen und gelehrten Mannes, in Wiesenbronn bei Kitzingen geboren. Er wuchs in den Traditionen des fränkischen orthodoxen Landjudentums auf, lernte in der bekannten Jeschiwa in Fürth beim Gaon Raw Binjamin Wolf Hamburg, dem Verfasser des Scha'ar Sekenim (auch mit dem Verfasser des Gidulei Tahara befreundete er sich dort), und eignete sich schon in frühester Jugend ein immenses Wissen an, mit dem er alle, die ihn kannten, begeisterte.

Nach fünf Jahren erfolgreichen Studiums ging Bamberger im Alter von 20 Jahren als ausgebildeter Rabbiner zurück in sein Heimatdorf. Dort verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit einer kleinen Warenhandlung. Mit 22 Jahren heiratete er die Tochter des Rabbis von Fulda. Seine Frau führte fortan das Geschäft und er widmete sich dem Studium und lernte Tag und Nacht. Wenn seine Frau einmal nach Leipzig zur Messe fahren musste oder sonst verhindert war, betete er darum, dass nicht so viele Kunden ins Geschäft kommen mögen und ihn bei seinem Studium stören. Und wenn dann doch ein Kunde kam, fand er nichts dabei, ihn zu fragen: "Gibt es denn kein anderes Geschäft in der Gegend, dass Sie ausgerechnet bei mir einkaufen müssen?" Daraufhin kehrte er sofort wieder zu seinem Lernen zurück.

Sein Ruf als Gelehrter drang aus seinem Heimatdorf nach außen, und es pilgerten aus ganz Deutschland Schüler zu ihm. Für den Unterricht nahm er kein Geld an.

Das erste Mal trat Rabbi Seligmann Bär Bamberger 1836 in die Öffentlichkeit. Die bayerische Regierung wollte im Streit zwischen dem orthodoxen und dem immer stärker werdenden liberalen Zweig des Judentums Klarheit erlangen. In jeder Bezirksregierung, so auch in Würzburg, wurde eine Versammlung von Rabbinern, Lehrern und Gemeindemitgliedern einberufen, um über bestimmte vorgegebene Fragen zu diskutieren. Bamberger wurde für seine Gemeinde als Vertreter der Orthodoxie geschickt. Bei dieser Versammlung fiel Seligmann Bär Bamberger dem bereits 80-jährigen amtierenden Würzburger Rabbiner Abraham Bing auf. Dieser wünschte sich den jungen Mann als seinen Nachfolger im Rabbineramt.

Es war nicht leicht, Bamberger zu diesem Schritt zu bewegen. Schliesslich gelang es einigen seiner Bekannten, ihn dazu zu bringen, die Stelle anzunehmen, auch infolge seiner schwierigen finanziellen Situation (das Geschäft hatte längst geschlossen werden müssen). Bamberger meldete sich dann für die Wahl zum Distriktsrabbiner im Jahr 1840 an. Er wurde mit 310 von 500 Stimmen gewählt. Raw Mendel Rosenbaum trug viel dazu bei, dass Raw Jitzchak Dov - entgegen dem Willen der Reformbewegung - in der Stadt zum Raw von Würzburg gewählt wurde. Sein Gemeindebezirk umfasste neben der Stadt Würzburg noch 29 unterfränkische Dörfer.

Während knapp vierzig Jahren führte der Würzburger Raw seine Gemeinde und steigerte das Niveau des Ruchniut der Gemeinde. Er verbreitete Tora und nahm den Kampf gegen die Reform auf, bis er als eine der führenden Persönlichkeiten in ganz Deutschland angesehen wurde und seine Sefarim als entscheidend in Halacha-Angelegenheiten aufgenommen wurden.

Die Erziehung der Jugend im jüdischen Glauben lag Rabbi Bamberger besonders am Herzen. Er befürchtete, dass die paar Religionsstunden, die er pro Woche unterrichtete, nicht ausreichen, sondern dass die Gefahr der Assimilierung der Würzburger Juden zu groß sei. Er gehörte damit zu dem Kreis der Rabbiner, die trotz des Judenediktes von 1813 am jüdischen Gesetz festhielten.

Zuerst eröffnete er eine Talmudschule. 1856 gründete er dann die private „Israelitische Erziehungs- und Unterrichtsanstalt“. Es handelte sich hierbei um eine 6-klassige Volksschule für Jungen und Mädchen.

Es folgte 1864 das erste Lehrerseminar, die „Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg“ kurz ILBA. Rabbi Bamberger hielt jeden Sabbat Vorträge, um die Religion im Alltag eines jeden Juden verwirklicht zu sehen. Er schickte regelmäßig Geld ins Heilige Land und regte den Bau des ersten jüdischen Krankenhauses in Palästina an. Seligmann Bär Bamberger verfasste drei Bücher, in denen er in einfacher Sprache die jüdischen Gesetze und Vorschriften erklärte.

Einer der vielen Talmidim, die in Bambergers Jeschiwa gelernt hatten, war der bekannte Abraham Erlanger, der sich nach seiner Hochzeit in Luzern niederliess. Während einiger Jahre wurden ihm keine Kinder geboren und so beschloss er, zu seinem grossen Lehrer zu fahren und seine Bracha einzuholen. Während des Gesprächs mit ihm stellte sich heraus, dass in Luzern keine Mikwa existierte - die nächste Mikwa befand sich in Basel! Der Würzburger Raw riet ihm daraufhin, in Luzern eine Mikwa zu bauen und erteilte ihm eine Bracha. Herr Erlanger befolgte den Rat seines Lehrers, und wirklich wurden ihm daraufhin 15 Kinder geboren (wovon zwei allerdings früh starben).

Rabbi Seligmann Bär Bamberger starb am zweiten Tag des Laubhüttenfestes des Jahres 5639 (1878) während des Gottesdienstes (zuerst meinte man, er sei bloss ohnmächtig geworden, musste dann aber seinen Tod feststellen) und wurde in Höchberg auf dem dortigen Jüdischen Friedhof begraben.

Er war verheiratet mit Kela Wormser (1804−1881), der Tochter des Seckel Wormser, Rabbiner in Fulda.

Literatur

  • Shaul Esh (Hrsg.), The Bamberger Family: the Descendants of Rabbi Seligmann Bamberger, the "Würzburger Rav", Jerusalem 1964
  • Neue Deutsche Biographie Bd. 14, 1985, S. 73 in Artikel Lehmann, Marcus

Weblinks

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