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Seckel Löb Wormser

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Datei:LöbWormser Grab 4.jpg
Grab von Seckel Löb Wormser in Michelstadt, Juli 2012

Rabbi Jizchok Arje / Jitzchak Arje Wormser, auch Isac Löw Matthes Wormser (geb. 1768 in Michelstadt im Odenwald; gest. 13. Oktober 1847[1] ebenda; Jahrzeit: 3. Tischri; umgangssprachlich Seckel Löb oder Seckel Leib Wormser, genannt der Wunderrabbi von Michelstadt und Baal Schem von Michelstadt), war ein für seine Scharfsinnigkeit und "Wundertätigkeit" bekannter Rabbiner und Gelehrter des 18./19. Jahrhunderts.

Zitat

„Wohl kaum ein Jude hat sich dem Gedächtnis der Odenwälder so nachhaltig eingeprägt wie Seckel (d. i. Isaak) Löb Wormser, der von 1768 bis 1846 (korr. 1847[2]) lebte und um dessen Person sich zahlreiche Legenden ranken.'“

Klaus-Peter Walter[3]

Leben

Seine Talmud-Ausbildung erhielt der schon als Knabe mit grössten Geistesgaben versehene Seckel Löb Wormser in Frankfurt am Main in der Jeschiwa von Nathan Adler.[4] Er lebte chassidisch und streng vegetarisch, was beides später zu „beträchtlichen“ Spannungen in seiner Gemeinde geführt haben soll. Dort begann er sich unter anderem dem Studium der Kabbala, später u. a. der deutschen Philosophen, speziell Schellings, und auch der lateinischen Sprache (was für orthodoxe Juden zu dieser Zeit unüblich war) zu widmen. Um 1790 heiratete er und unterhielt in Folge eine Jeschiwa, in der er bis 1822 als amtlicher Bezirksrabbiner wirkte, in der Anfangszeit noch inoffiziell. Das offizielle Gesuch um das Rabbinat an die Grafschaft Erbach-Fürstenau stammt vom 24. Juni 1823.[2] Seine Frau verstarb um 1810, wonach er für einige Zeit vorübergehend nach Mannheim ging. Rabbi Seckel Löb Wormser hatte aus zwei Ehen zusammen 15 Kinder, seine zweite Frau war Johanna geb. Benzinger.

Legendenbildung

In der Bevölkerung ging ihm durch Berichte seiner „Wundertaten“ ein Ruf als Beherrscher okkulter Mächte voraus, der zu der Bezeichnung Baal Schem von Michelstadt (wohl in Anlehnung an Baal Schem Tow) führte und noch im Ersten Weltkrieg Soldaten unterschiedlicher Religionszugehörigkeiten vor ihrem Transport zur Front dazu veranlasst hat, an seinem Grab auf dem jüdischen Friedhof in Michelstadt zu beten. Es wird überliefert, dass all jene aus dem Krieg zurückgekehrt seien. Den Besitz „übernatürlicher Kräfte“ stritt er stets ab, doch half er Rat- und Hilfesuchenden zuweilen auch mit Amuletten. Die Quellen berichten so etwa von seinem außergewöhnlichem Erfolg bei der Behandlung von Mondsüchtigkeit. Seine angeblichen Wundertaten blieben in Südhessen lange in Erinnerung.

Am letzten Rosch Haschana seines Lebens, zwei Tage vor seinem Tod, lag der Ba'al Schem auf seinem Sterbebett und bat, man solle für ihn das Schofar blasen. Der Ba'al Toke'a erzählte, dass er anfänglich keinen Ton herausbringen konnte, trotz all seiner Bemühungen. Plötzlich sagte der Ba'al Schem, dessen Gesicht zur Wand gerichtet war: "Legt ein Tuch über mein Gesicht, dann werdet ihr schon blasen können!" - und so war es auch.

Die große Beliebtheit und Anteilnahme bei seinem Tod bezeugt folgender Bericht:

„In welch allgemeiner Verehrung und Liebe er hier und in der Umgegend gestanden war, bewies sein Leichenbegängnis, bei welchem eine gewiss sehr seltene Teilnahme betätigt wurde, denn über achthundert verschiedener Konfessionen Angehörige schlossen sich dem Leichenzuge an. Schon abends vorher und mit kommendem Tagesanbruch sah man von allen Seiten, zum Teil aus beträchtlicher Ferne, Freunde und Verehrer des Verstorbenen in Menge herbeiströmen.

Weiterhin folgten neben hochrangigen Mitgliedern der israelitischen Gemeinde „zwei hiesige evangelische Geistliche, die Geistlichen von Erbach, viele auswärtige israelitische Lehrer und die Lehrer der hiesigen Real- und Stadtschulen. Auch Seine Erlaucht, der regierende Graf zu Erbach-Fürstenau hatten die Gnade, Seine Achtung dem Verblichenen durch eine Deputation zu bezeugen, welcher sich nun der Landrat des Bezirks, der hiesige Beigeordnete und Gemeinderäte anschlossen““

[2]

Ehrungen

Im Jahr 1908 wurde der Rabbiner durch eine Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnhaus geehrt.

Nach ihm benannt ist auch die alte Birnensorte Seckel-Löbs-Birne[5], die mit Auswanderern den Weg über den Atlantik fand und dort in den USA heute noch als Seckelpear bekannt ist.[6]

Literatur

  • Literatur von und über Seckel Löb Wormser im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Michael Wormser: Das Leben und Wirken des in Michelstadt verstorbenen Rabbinen Seckel Löb Wormser, 1853 (unvollständig erhaltene Biographie seines Sohnes)
  • Arthur Kahn: Ein ungelöstes Rätsel, eine Erzählung nach einer Wahren Begebenheit in 8 Fortsetzungen in den Sabbath-Stunden, der Illustrierten Feuilleton-Beilage zur 'Jüdischen Presse', Heft 1–8, Berlin, 1902
  • Judäus (d. i. Dr. Herz Ehrmann): Kulturgeschichtliche ErzählungDer Baal Schem von Michelstadt, ³1922
  • Mathilde Meier: Die Geschichten des Wunderrabbi von Michelstadt, 1982
  • Zu Wormser allgemein vgl. das Stichwort von Gershom Scholem in der Encyclopaedia Judaica Band 16, a.a.O. Sp. 197/198
  • Karl Erich Grözinger: Seckel Löw Wormser – der Ba'al Schem von Michelstadt – Zum 150sten Tage seines Todes, in: Aschkenas 10/2000, H. 1, S. 157–175
  • K. E. Grözinger: Der Ba’al Schem von Michelstadt und die Frankfurter Kabbalisten, in: Menora, Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte, 1996, S. 324–340.
  • K. E. Grözinger: Zwischen Wunder und Wissenschaft – der Ba’al Schem von Michelstadt, in: Frankfurter Jüdische Nachrichten, Nr. 94/95,1997, Okt.
  • K. E. Grözinger: Der Ba'al Schem von Michelstadt. Ein deutsch-jüdisches Heiligenleben zwischen Legende und Wirklichkeit. Mit einem Neuabdruck der Legenden aus der Hand von Judaeus und Arthur Kahn., Campus, Frankfurt a. M. 2010. ISBN 978-3-593-39282-0

Weblinks

 Commons: Seckel Löb Wormser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. nach Grozinger am 16. September 1847
  2. 2,0 2,1 2,2 Informationen der Judaica Allemania zu Rabbi Seckel Löb Wormser
  3. Erster Satz des Vorwortes von Klaus-Peter Walter, Herausgeber von Ein ungelöstes Rätsel, Arthur Khan, Deutsche Geschichte(n), Band 9, Neuthor-Verlag Michelstadt, 1993, ISBN 3-88758-054-0
  4. Encyclopaedia Judaica, Band 2, Jerusalem 1971, Sp. 284/285
  5. Projekt "Erhalt und Vermehrung der Seckel-Löbs-Birne"
  6. Deutsche Geschichte(n), Band 9, Neuthor-Verlag, Michelstadt 1993, ISBN 3-88758-054-0, S. 3, Anm. 1


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