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Jekusiel Jehuda Halberstam

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Jekusiel Jehuda Halberstam
Raw Jekusiel als junger Mann
Der Klausenburger Rebbe, vermutlich 1945 in Föhrenwald

Raw Jekusiel Jehuda Halberstam (geb. 10. Januar 1905 in Rudnik, Polen; gest. 18. Juni 1994 - Jahrzeit: 9. Tammus), Gründer des Mif'al Haschass, Verfasser des Schefa Chajim und Schu't Diwrei Jaziw, genannt der "Klausenburger Rebbe", war ein orthodoxer Rabbiner und Admor, der die chassidische Sanz-Klausenburg-Dynastie begründete.

Leben

Er war bekannt für seine Rechtschaffenheit, Güte gegenüber Anderen und Tora-Gelehrtheit, die die gesamte Gemeinde vor, während und nach dem Holocaust positiv beeinflusste und ihn zu einer Führungsperson, zum Mentor und zur Vaterfigur für tausende Juden aller Altersgruppen machte.

Halberstam wurde einer der jüngsten Rabbiner in Europa und bedeutend für tausende Anhänger in der rumänischen Stadt Klausenburg vor dem Zweiten Weltkrieg. Seine Frau, seine elf Kinder und die meisten seiner Anhänger wurden von den Nationalsozialisten ermordet, während er in mehreren Konzentrationslagern inhaftiert war.

Selbst unter hoffnungslosesten Umständen verlor er nie seinen Glauben und ermutigte seine Mitgefangenen durch sein Vorbild. Als er bei Kriegsende erfuhr, dass weder seine Frau noch seine elf Kinder überlebt hatten, setzte er sich selbstlos für den Wiederaufbau jüdischen Lebens in DP Camps ein und half zahlreichen Überlebenden sowohl in schwierigen halachischen Entscheidungen als auch durch seinen Einsatz für koscheres Essen, Möglichkeiten zu dawenen und Tora zu lernen. Ende 1946 entschied er, seinen chassidischen Hof in New York wiederaufzubauen. Er heiratete erneut und hatte weitere Kinder.

Wie bereits erwähnt, nach dem Krieg baute er das jüdische Gemeindeleben in den Vertriebenenlagern in Westeuropa wieder auf, stellte seine Dynastie in den Vereinigten Staaten und Israel wieder her, heiratete ein zweites Mal und wurde Vater von sieben weiteren Kindern.

1956 gründete er eine Dependance in Netanya und war damit der erste Rebbe, der seine Chassidim in einer weniger traditionellen israelischen Stadt ansiedelte. Dort ließ er eine komplette Infrastruktur mit Schulen, Waisenhaus und einem hervorragenden Krankenhaus (Laniado Hospital) errichten. Er selbst übersiedelte 1960 dorthin, ohne seine Gemeinde in New York aufzugeben.

Mit seinem ganzen Leben personifizierte der Klausenburger Rebbe die Idee von Güte und Ahawas Jisroel, seinen Nächsten zu lieben. Er bestimmte seine beiden Söhne, jeweils den amerikanischen und den israelischen Zweig der von ihm wiederaufgebauten Klausenburger Chassidus in seinem Sinne weiterzuführen.

Rabbi Halberstam starb 1994 in Israel.

Herkunft

Jekusiel Halberstam war der Urenkel (über die direkte väterliche Linie) von Rabbi Chaim Halberstam von Sanz (dem Divre Chaim), einem der großen chassidischen Führer des polnischen Judentums. Sein Vater, Rabbi Tzvi Hirsch, dem Rav von Rudnik, anerzog dem jungen Jekusiel die Liebe zum Chassidut (chassidischer Philosophie) und zur Toralehre, teilte mit ihm die Geschichten, wie der Divrei Chaim lehrte, betete und leitete seinen Tisch (jiddisch טיש; Schabbat- und jüdischer Festtagstisch).

Jekusiel wurde mit 13 Jahren Waise. Später studierte er mit anderen führenden chassidischen Rebbes, einschließlich Rabbi Myer Jechiel von Ostrovtza, Rabbi Chaim Elazar Spira sowie seinem Großonkel Rabbi Schalom Eliezer Halberstam von Ratzfert. Während dieser Zeit bekam Jekusiel Halberstam den Beinamen „Ilui (‚Genie‘) von Rudnik“.

Reb Jekusiel Jehuda wurde der Schwiegersohn des Azei Chajim, Raw Chajim Zwi Teitelbaum aus Sighet. Im Alter von nur 21 Jahren wurde Raw Jekusiel Jehuda als Raw der Kehal Jere'im in Klausenburg eingesetzt, und schon damals wurde sein Name in der Tora- und Chassidut-Welt bekannt.

In späteren Jahren sollte er regelmäßig nach Rudnik zurückkehren, um seine Anhänger zu besuchen, die ihm gegenüber loyal blieben, auch nach der Ernennung seines ersten Cousins, Rabbi Benyumin Teitelbaum-Halberstam, zum Rabbiner im Jahr 1924.

Anekdote

Folgende Anekdote wird über Raw Jekusiel aus der Kriegszeit erzählt: Als viele Juden, darunter Raw Jekusiel, im Ghetto Zwangsarbeit leisten mussten, existierte die Anordnung, dass alle Juden unter Androhung der Todesstrafe ihre Bärte abrasieren mussten. Raw Jekusiel weigerte sich dennoch, diesem Befehl Folge zu leisten, und wickelte kurzerhand seinen gesamten Kopf in ein Tuch ein und täuschte grosse Zahnschmerzen vor. So drapiert, verrichtete er seine Zwangsarbeit vom frühen Morgen bis spät am Abend. Eines Tages sei ein grausamer Aufseher gekommen - er war ein entlassener Verbrecher deutscher Nationalität, zuvor zu "lebenslänglich" verurteilt und zum Zwecke der Judenbeaufsichtigung freigelassen -, der den Klausenburger Rebben in seiner Aufmachung gesehen und ihn mit der Faust bedroht habe, bis man ihm zur Erklärung die Geschichte mit den Zahnschmerzen aufgetischt und der Aufseher vom Rebben abgelassen habe. Lange Zeit später soll der Rebbe dazu gesagt haben: "Mein Herz bedeutete mir, dass die Gesera in jenen Tagen nicht so schwer gewesen wäre, wenn die Jehudim nicht ihr g'ttliches Ebenbild, ihren Bart und ihre Peijot, entfernt hätten ... "

Literatur

  • Judah Lifschitz: The Klausenberger [sic!] Rebbe: The War Years, Targum Press, Inc., 2003. ISBN 1-56871-219-7

Weblinks

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