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Jehuda Petaja

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Jehuda Petaja

Rabbi Jehuda Petaja (geb. 1859; gest. 1942 / 27. Aw 5702), Verfasser des BetLechem Jehuda über das Sefer "Etz Chajim", der auch Chacham Jadaja genannt wurde, war ein berühmter jüdischer Gelehrter und Kabbalist aus dem Irak.

Leben

Raw Jehuda Petaja kam 1859 in Bagdad zur Welt. Er lernte dort bei Raw Schimon Agassi im Bet Midrasch "Bet Silcha", einer Lehrstätte, in der die Gedolim und Heiligen von Bawel aufwuchsen und die vom Gaon Raw Abdalla Somech gegründet wurde, der Raw Jehuda auch die Semicha verlieh.

Dies geschah folgendermassen: Im Jahr 1876, als Jehuda Petaja bloss siebzehn Jahre alt war, erhielt er durch den Oberrabbiner von Bagdad, den Gaon Rabbi Abdalla Somech, die Semicha und er wurde als Raw und More Hora'a gewählt. Rabbi Abdalla Somech versammelte bei einer Gelegenheit ein Minjan Leute in seinem Bet Hamidrasch, und der junge Rabbi Jehuda wurde gebeten, als Schliach Zibbur zu dienen. Einer der Anwesenden war von dieser Idee nicht begeistert und sagte laut, dass es nicht richtig sei, einen Bachur zum Schliach Zibbur zu bestimmen, der noch keinen Vollbart hat. Rabbi Abdalla, der diese Behauptung hörte, reagierte empört: "Gegen den Chacham Jehuda erhebt ihr Einspruch?! Er soll nicht als Schliach Zibbur amtieren können? Er ist mein Talmid und ein Gadol Batora! Das Einzige, das ihm noch fehlt, ist die Semicha!" Er rief alle Anwesenden näher zu sich heran, legte seine zwei Hände auf den Kopf von Rabbi Jehuda und rief aus: "Ich erteile ihm nun die Semicha als Chacham über Jisrael! Jore Jore, Jadin Jadin und alle sollen seine Worte beachten, wie man einen grossen Chacham in Jisrael beachtet!"

Nachdem Raw Jehuda sich mit Schass und Posskim gesättigt hatte, begann er, sich in die Kabbala-Werke zu vertiefen. Zur selben Zeit begann er auch, abgeschieden und mit besonderer Heiligkeit und Chassidut zu leben. Mit der Zeit verwendete er auch "Kabbala Ma'assit", schrieb Kemi'ot, und viele Kranke wurden durch ihn wieder gesund. Unzählige Leute warteten vor seiner Türe, und selbst Nichtjehudim suchten ihn auf, um Brachot und gute Ratschläge zu erhalten. Raw Jehuda kannte sich auch mit den Geheimnissen der Neschamot und Gilgulim aus und soll erfolgreich verschiedene herumirrende Neschamot durch einen "Tikkun" befreit haben. Es wurde bekannt, dass er diesen Tikkun selbst für schlimme Sünder wie den falschen Maschiach Schabtai Zwi und seinen falschen Propheten Natan Ha'asati tat, die ihm im Traum erschienen sein und darum gebeten haben sollen, für ihre elenden Neschamot einen Tikkun zu machen. Details darüber findet man im Sefer "Haruchot Messaprot".

Die karge Mahlzeit ohne Licht
(Illustration der "Jüdischen Zeitung", siehe Hinweis im Text)

Der Mekubal Raw David Bazri, der selbst ein Enkel von Rabbi Jehuda ist, erzählte: Als der heilige Grossvater noch ein junger Awrech war und in der Stadt Bagdad wohnte, kaufte ihm seine Frau für Rosch Haschana ein neues schönes Kleidungsstück. Als Raw Jehuda am Rosch Haschana-Abend nach Hause zurückkehrte, öffnete er die Türe, wodurch die Petroleum-Lampe, die gleich hinter der Tür stand, herunterfiel und sein Kleid beschmutzte. Dadurch wurde es in der Wohnung auch stockdunkel. Er führte einen Kampf gegen seinen Jezer Hara, nicht seine Frau zu beschuldigen, weil sie die Lampe an einen unklugen Ort gestellt hatte, regte sich in keiner Weise auf und verzog nicht einmal seine Miene. Nachdem sie nun nicht mehr in der Wohnung essen konnten, da es dunkel war, brachte seine Frau die Platte mit den "Simanim" die Treppe hinauf auf den Balkon, wo sie hofften, von den nahegelegenen Häusern etwas Licht zu erhalten. Dabei stolperte sie aber und die Simanim verteilten sich auf dem Boden der dunklen Wohnung. Auch hier strengte er sich mit aller Kraft an, sich klar vor Augen zu halten, dass alles von oben geführt wird und seine Frau keinerlei Schuld dafür trug. Und so feierten sie den Jom Tow voller Freude, wenn auch ohne Licht und ohne Simanim. Es blieb ihnen auch sonst nicht viel Essen übrig. Sie wollten aber unter keinen Umständen zulassen, dass ihre Simchat Jom Tow durch Anschuldigungen gestört wurde.

Was hätten wir dazu gesagt? "Oweh! Das Jahr hat mit dem linken Fuss begonnen! Dunkelheit, schmutzige Kleider, ein Sturz und eine armselige Se'uda! Die Simanim, die ein gutes Jahr symbolisieren, sind verschwunden. Es sieht so aus, als ob wir, G'tt behüte, ein schweres Jahr haben könnten ... "

Es war aber ganz und gar nicht so. Rabbi Jehuda erzählte, dass er ausgerechnet in diesem Jahr den grössten Erfolg in seinem Lernen und seinem ruchniutdigen Steigen erreichen konnte! Plötzlich verstand er die verborgenen Teile der Tora viel besser. Das war für ihn der Anfang seines grossen Steigens. Er hatte das Gefühl, dass all das im Verdienst seiner grossen Bemühung geschehen war, in jener Nacht nicht wütend zu werden und nicht einmal eine Miene verzogen zu haben. "Ein Löwe gelangte von Bawel nach Erez Jisrael!"

Gegen Ende seines Lebens hatte Raw Jehuda das Verdienst, nach Erez Jisrael überzusiedeln und sich in Jeruschalajim niederzulassen. Einige Tage nach seiner Ankunft kam einer der Gedolei Jeruschalajim, Raw Awraham Chajim Adess, zu ihm zu Besuch und erzählte ihm Folgendes: "Vor ein paar Tagen hatte ich in der Nacht einen Traum, ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob er wahr ist oder nicht. Rabbi Schimon Bar Jochai erschien und sprach folgende Worte zu mir: 'In einigen Tagen wird ein grosser Raw, namens Raw Jehuda Ptaja von Bawel, hierher kommen. In seinem Gepäck hat er auch ein Werk über das Sefer "Eitz Chajim". Geh und bringe ihn dazu, dieses Sefer herauszugeben, und hilf ihm dabei, wo du nur kannst.' " Raw Jehuda antwortete ihm, dass es wahr ist und dass er wirklich ein Werk mitgebracht hat, das er vor 15 Jahren geschrieben habe, von dem er aber keinem Menschen auf der Welt erzählt hatte. "Ich wollte es auch noch nicht herausgeben, da ich mich noch zu jung fühlte. Nun sehe ich, dass man vom Himmel aus eine Haskama für diese Erklärung gab!"

Rabbi Jehuda Petaja starb 1942 im Alter von 83 Jahren; er wurde auf dem Har Hasetim, in der bawlischen Abteilung, begraben.

Hinweis

Der Artikeltext beruht in weiten Teilen auf Nachrufen in der Jüdischen Zeitung, Zürich, Ausgabe vom 2. August 2013, Seite 16 (Verfasser: D. Goldschmidt), sowie Ausgabe vom 15. August 2014, Seite 21.


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