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Jechiel Michel Feinstein

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Jechiel Michel Feinstein
Feinstein als junger Mann an der Mirrer Jeschiwa

Raw Jechiel Michel Feinstein (geb. 27. Juni 1906 / 4. Tammuz 5666 in Usda, Litauen; gest. 17. Mai 2003 in Bnei Brak / Jahrzeit: 16. Ijar) war ein haredischer Rabbiner und Rosch Jeschiwa in den Vereinigten Staaten und danach in Israel (Jeschiwa "Beis Yehuda", 1952-2003). Er gehörte zu den herausragendsten Persönlichkeiten der letzten Generation, sowohl im Bezug auf seine gewaltige Kraft im Tora-Lernen und -Lehren, in seiner G'ttesfurcht wie auch in seinen angenehmen Eigenschaften. Seine aussergewöhnlich tiefe und klare Lernweise wurde weithin bekannt und er hatte Tausende von Talmidim, die alle diese Lernweise übernahmen. Seine Liebe zur Tora kannte keine Grenzen, er konnte mit dem Lernen nie aufhören und hatte deshalb immer wieder Schwierigkeiten, Termine und Uhrzeiten einzuhalten. Die Erzählungen, die sich um dieses Thema ranken, sind Legion.

Leben

Europa

Jechiel Michel Feinstein wurde in Usda nahe Minsk als Sohn von Raw Avrohom Yitzchok Feinstein geboren. Seinen Vater verlor er bereits mit sieben Jahren und lebte und lernte dann bei seinem Grossvater, Raw Dovid Feinstein, Rabbiner in Starobin in Weissrussland. Dort entwickelte er auch eine enge Bindung an seine Onkel, Rabbi Mordechai Feinstein (der spätere Raw von Schklov) und Rabbi Moshe Feinstein.

Schon in jungen Jahren wurde er als Wunderkind erkannt. Nach seiner Bar Mizwa wurde er nach Sluzk gesandt, um dort unter Rabbi Isser Zalman Meltzer zu studieren.

In der Revolutionszeit musste die Jeschiwa von Litauen nach Kletsk in Polen flüchten. Während seiner drei Jahre in Kletsk besuchte Jechiel Michel die berühmten Talmud-Vorlesungen von Raw Meltzer und seines Schwiegersohnes, Rabbi Aharon Kotler. Dann wechselte er an die Mirrer Jeschiwa, wo er einer der besten Schüler von Raw Yeruchom Lebovitz wurde und gemeinsam mit Rabbi Jechiel Michel Schlesinger, dem zukünftigen Rosch Jeschiwa der Kol Tora-Jeschiwa in Jerusalem, und Raw Yonah Karpilow von Minsk, der später im Holocaust ums Leben kam, lernte. Mitstudenten zu dieser Zeit waren Raw Chaim Shmuelevitz und Raw Aryeh Leib Malin. Die Jeschiwa blühte gerade auf, und es lernten dort die Tora-Grössen jener Zeit. Dass Jechiel Michel bald zu den besten Talmidim der Jeschiwa wurde, kann man auch einem Ausspruch von Raw Leiser Jehuda Finkel, des Rosch Jeschiwa, entnehmen, der sagte: "Ich habe in meiner Jeschiwa vierzig Roschei Jeschiwot, drei von ihnen sind die Stärksten: Raw Leib Malin, Raw Jona Karpilov (Verfasser des Jonat Eilam) und Raw Jechiel Michel Feinstein." Raw Michel war der Jüngste unter ihnen.

Auf Geheiß seines ehemaligen Lehrers, Raw Meltzer, ging Raw Feinstein nach Brest, um unter dem berühmten Brisker Rov zu studieren, wo er sich ebenso schnell einen hervorragenden Ruf erwarb. Der Brisker Raw soll über ihn gesagt haben: "Dieser gehört mir!"

Um nicht in die Armee eingezogen zu werden, ging Raw Jechiel Michel nach Grodno, um dort eine gefälschte medizinische Bescheinigung seiner Militäruntauglichkeit zu erhalten, während der Reise traf er auch mit dem Chofez Chajim zusammen, der von Jechiel Michels talmudischen Kenntnissen sehr beeindruckt war. Feinstein blieb ein halbes Jahr in Grodno, wo er bei Raw Shimon Shkop lernte. Danach kehrte er nach Brest zurück, um sein Studium beim Brisker Rov fortzusetzen. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, reiste er gemeinsam mit anderen Studenten nach Wilna zu Vorträgen des Brisker Ravs. Dort erhielt er grösstes Lob vom führenden Posek der Generation, von Chaim Ozer Grodzensky.

Japan und USA

Eine Zeit lang war er danach Mitglied der nach Japan exilierten Mirrer Jeschiwa, die dorthin den Schrecken in Europa während des Krieges ausgewichen war. 1941 kam er gemeinsam mit Aharon Kotler in den Vereinigten Staaten an. Während Kotler die Jeschiwa in Lakewood, New Jersey (Beth Midrasch Govoha) eröffnete, diente Raw Feinstein als Maschgiach bei Joseph Ber Soloveitchik in Boston. Es verging kaum ein Jahr, da berief ihn sein Onkel, Moshe Feinstein, in die Leitung der Mesivtha Tifereth Jerusalem in der Lower East Side, Manhattan. Schnell wurden seine Vorlesungen gerühmt und berühmt und er ein Mitglied der Agudas HaRabbonim sowie des Vaad Hatzolah zur Rettung von Juden und zur Unterstützung der Kriegsflüchtlinge in Europa.

Israel

Im Jahr 1946 besuchte Rabbi Feinstein Palästina, tat sich sofort wieder mit seinem ehemaligen Lehrer, dem Brisker Rov, in Jerusalem zusammen und heiratete dessen Tochter Lifsha Soloveitchik (1918-2008) im August desselben Jahres. Rabbi Isser Zalman Meltzer amtierte bei der Hochzeit. Nach seiner Heirat blieb er jedoch noch bis 1952 als Rosch Jeschiwa in Amerika tätig, bis er schliesslich in Israel einwanderte und die Jeschiwa "Beis Yehuda" in Tel Aviv gründete.

Mehr als fünfzig Jahre lang leitete Rav Jechiel Michel die von ihm gegründete Jeschiwa Bes Jehuda – zuerst in Tel Aviv und ab 1973 in Bnei Brak. Er beriet sich regelmäßig mit dem Chazon Ish in Bnei Brak in wichtigen Fragen. 1973 veranlasste Jechiel Michel Feinstein der Tod einer seiner Töchter, nach Bne Brak zu gehen und die Jeschiwa dorthin zu transferieren. 1984 konnte er ein weiteres Jeschiwa-Gebäude einweihen, wo er Vorlesungen hielt, hielt aber auch weiterhin Schiurim in seinen privaten Räumlichkeiten ab. Unermüdlich unterrichtete er bis an sein Lebensende Tora. Er gab mehr als 17 Schiurim wöchentlich und machte jedem mit seinem Enthusiasmus klar, dass das Verbreiten von Toragelehrsamkeit sein Lebensinhalt war.

Jechiel Michel Feinstein starb am Samstagabend, 17. Mai 2003 (16 Ijar 5763) und wurde auf dem Har HaMenuchot-Friedhof in der Nähe des Grabes seines Schwiegervaters, des Brisker Raw, Rabbi Jizchak Zev Soloveitchik, begraben. Er hinterliess seine Frau, die Söhne Rabbi Chaim Feinstein und Rabbi Dovid Feinstein, beide Rosche Jeschiwa bei "Beis Jehuda", sowie Raw Avrohom Feinstein und einen Schwiegersohn, Raw Tzvi Kaplan, ebenfalls Rosch Jeschiwa in Jerusalem. Seine Frau Lifsha starb im Oktober 2008.

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