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Jean Tinguely

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Datei:Jean Tinguely (1963) by Erling Mandelmann - 2.jpg
Jean Tinguely, 1963 (Foto: Erling Mandelmann)

Jean Tinguely (geb. 22. Mai 1925 in Freiburg/Fribourg; gest. 30. August 1991 in Bern) (auch Jeannot genannt) war ein Schweizer Maler und Bildhauer des Nouveau Réalisme. Er gilt als einer der Hauptvertreter der kinetischen Kunst. Tinguely wurde vor allem bekannt durch seine beweglichen, maschinenähnlichen Skulpturen.

Leben und Werk

Tinguely wuchs im Basel-Gundeldingen-Quartier auf und besuchte zunächst die Schulen in Basel, bevor er sich von 1941 bis 1944 als Dekorateur ausbilden liess und Kurse an der Allgemeinen Gewerbeschule Basel belegte. In dieser Zeit lernte er Daniel Spoerri kennen, mit dem er an einem Theaterprojekt arbeitete.

1951 heiratete Tinguely Eva Aeppli, mit der er im darauf folgenden Jahr nach Paris zog. Kurz nachdem Tinguely 1955 in die Impasse Ronsin, nahe Constantin Brâncușis Atelier, zog, lernte er Yves Klein und Niki de Saint Phalle kennen, die er 1971 in zweiter Ehe heiratete. Mit dem Eisenplastiker Bernhard Luginbühl verband ihn eine langjährige Freundschaft. Mit ihm und weiteren Künstlern sowie mit seiner Frau Niki de Saint Phalle realisierte er diverse gemeinsame Projekte.

Datei:Eos xk (3), 1965.JPG
Eos xk III, 1965, beim Israel Museum, Jerusalem

Seit Mitte der 1950er Jahre beschäftigte sich Jean Tinguely mit dem Bau motorenbetriebener Maschinenplastiken, die er aus Draht, Blech und allerlei anderen Fundstücken und Schrottteilen zusammensetzte. Er begann sein umfangreiches Werk mit zerbrechlichen und zittrigen Draht-Blech-Kompositionen. Die Blechteile besitzen meist eine bunte Bemalung. Um 1960 erfand und baute Tinguely Zeichenautomaten, die auf Papierformaten und -bahnen maschinelle Zeichnungen anfertigen konnten. Tinguelys beweglichen Plastiken werden vom Betrachter als höchst aktiv, anrührend, heiter und verspielt, oft als witzig und manchmal auch als melancholisch erlebt. 1960 wurde er Mitglied der Künstlervereinigung der Nouveaux Réalistes, die sich in diesem Jahr unter der Leitung von Pierre Restany gründete.

Er nahm mit Niki de Saint Phalle 1962 an der Ausstellung Dylaby in Amsterdam teil und war auf der documenta III in Kassel im Jahr 1964, auf der 4. documenta im Jahr 1968 sowie auf der documenta 6 (1977) als Künstler vertreten. Er genoss internationalen Ruf und erhielt 1976 den Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und 1980 den Kunstpreis der Stadt Basel. 1990 fand in Moskau eine Tinguely-Ausstellung in der Tretjakow-Galerie statt.

In seinem letzten Lebensjahr schuf Tinguely die Gross-Hängeskulptur La Cascade in Charlotte (North Carolina) in den USA.

Jean Tinguely starb 1991 im Alter von 66 Jahren im Inselspital in Bern. Er ist auf dem Friedhof von Neyruz, Kanton Freiburg i.d. Schweiz begraben, wo er sich 1968 niedergelassen hatte. Auf seinem Grab ist eine bewegliche Installation platziert.

In Tinguelys Heimatstadt Basel ist seit 1996 ein Grossteil seiner Werke in dem nach ihm benannten Museum Tinguely ausgestellt.

Werkauswahl

Datei:Heureka Zurich 01.jpg
Heureka in Zürich
Datei:Tinguely-Brunnen Basel-1.jpg
Fasnachts-Brunnen in Basel
  • 1953: Métamécaniques
  • 1954: Elément Détaché II. Museum Tinguely, Basel
  • 1959: Manifest Für Statik (Abwurf von 40.000 Flugblättern aus einem Flugzeug über Düsseldorf, dokumentiert durch Charles Wilp)[1]
  • 1960: Hommage à New York. Autodestruktives Werk (zerstört)
  • 1964: Eureka (Heureka). Am Zürichhorn, Bezirk Seefeld, Zürich
  • 1966: Phantastisches Paradies. Mit Niki de Saint-Phalle. Vor dem Moderna Museet, Stockholm
  • 1966/1967: Char MK, Installation aus verschiedenen Materialien 100 × 280 ×80 cm, Schenkung Niki de Saint-Phalle, Museum Tingueley, Basel
  • 1969/1991: Le Cyclope (Der Zyklop). Gemeinschaftswerk. Im Wald von Milly-la-Forêt, Frankreich,
  • 1977: Carnaval (Fasnachts-Brunnen). Theaterplatz, Basel
  • 1978: Plateau agriculturel. Museum Tinguely, Basel
  • 1979: Méta-Harmonie II. Depositum im Kunstmuseum Basel
  • 1983: Fontaine Stravinski (Strawinski-Brunnen). Mit Niki de Saint Phalle. Neben dem Centre Pompidou, Paris
  • 1984: Fontaine Jo Siffert. Fribourg, in Erinnerung an seinen Freund, den Formel-1-Piloten Jo Siffert
  • 1985: Grosse Meta Maxi-Maxi Utopia. Museum Tinguely, Basel, Schenkung Niki de Saint Phalle
  • 1985: Fatamorgana, Méta-Harmonie IV. Museum Tinguely, Basel
  • 1986: Mengele Totentanz. Museum Tinguely, Basel
  • 1988: Fontaine du Mairie. Mit Niki de Saint-Phalle. Château-Chinon, Frankreich

Dokumente

Siehe auch

Film

Literatur

  • Ausstellungskatalog: Jean Tinguely, mit Notizen von Wieland Schmied. Kestner-Gesellschaft, Hannover 1972, Katalog 2/1972.
  • Margrit Hahnloser (Hrsg.): Briefe von Jean Tinguely an Paul Sacher und gemeinsame Freunde. Benteli, Bern 1996.
  • Nouveau Réalisme. Revolution des Alltäglichen. Hatje Cantz, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7757-2058-8
  • Thomas Krens (Vorwort): Rendezvous. Masterpieces from the Centre Georges Pompidou and the Guggenheim Museums. New York 1998, ISBN 0-89207-213-x.

Weblinks

 Commons: Jean Tinguely – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Charles Wilp: Düsseldorf ‚Vorort der Welt‘. Dazzledorf. Verlag Melzer, Dreieich, 1977
  2. Peter Schamoni Filmproduktion – Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely


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