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Jean-Baptiste le Rond d’Alembert

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Jean Baptiste le Rond d’Alembert, Porträt von Maurice Quentin de La Tour, 1753 Unterschrift d’Alemberts

Jean-Baptiste le Rond, genannt D’Alembert, (geb. 16. November 1717 in Paris; gest. 29. Oktober 1783 ebenda) war einer der bedeutendsten Mathematiker und Physiker des 18. Jahrhunderts und ein Philosoph der Aufklärung. Gemeinsam mit Diderot war der Aufklärer Herausgeber der Encyclopédie. Er selbst beschäftigte sich jedoch vor allem mit dem mathematischen Teil.

Leben und Wirken

D’Alembert wurde als außerehelicher Sohn des Generals Louis Camus Destouches (1668-1726) und der Marquise de Tencin geboren. Seine Mutter setzte ihn an der Kirche St-Jean-le-Rond de Paris aus. Er wurde von Madame Rousseau, geborene Etiennette Gabrielle Ponthieux (ca. 1683-1775), der Frau des Glasermeisters Alexandre Nicolas Rousseau[1], als Findelkind aufgenommen und blieb dort bis zum Alter von 48 Jahren. Der leibliche Vater ermöglichte ihm jedoch eine umfassende Erziehung und Ausbildung.

Mit zwölf Jahren trat er in das Collège des Quatre Nations ein, er schloss 1735 mit dem baccalauréat en arts ab. Später studierte er an der École de Droit erst Rechtswissenschaft, dann Medizin, ehe er sich endgültig autodidaktisch der Mathematik und Physik zuwandte. Sein mathematisches Hauptwerk waren seine Opuscules mathématiques in neun Bänden. D’Alembert interessierte sich neben anderem auch für Musik. Er veröffentlichte 1752 die Éléments de la musique théorique et pratique (Elemente der theoretischen und praktischen Musik) und zwei Jahre später Réflexions sur la musique en général et sur la musique française en particulier (Überlegungen zur Musik im Allgemeinen und zur französischen Musik im Besonderen).

Seine Bekanntheit verschaffte ihm Zugang zu den Pariser „Salons“. Er war Stammgast bei Madame de Deffand und Julie de Lespinasse, mit der er von 1764 an zusammen lebte. Dort lernte er Condorcet und David Hume kennen.

D’Alembert war gemeinsam mit Denis Diderot Herausgeber der Encyclopédie, dem monumentalen Werk im Zeitalter der Aufklärung in der westlichen Staatenwelt. Der Buchhändler André Le Breton beauftragte ihn und Diderot, die Cyclopaedia von Ephraim Chambers zu übersetzen. Daraus entwickelte sich das Projekt der Encyclopédie, das sehr aktiv von Voltaire unterstützt wurde. Mit ihm schloss er eine enge Freundschaft, die durch eine rege Korrespondenz unterhalten wurde.

Seine Beiträge zur Encyclopédie, die zwischen 1751 und 1780 erschien, waren vielfältig. Er schrieb den Discours préliminaire im ersten Band, eine Art „Manifest der Aufklärung“, und verfasste über 1.570 signierte sowie rund 210 weitere unsignierte Beiträge, die überwiegend aus dem Umfeld der Naturwissenschaften stammen. Er war es auch, der durch polemische Vorworte und wichtige Artikel wie Dictionnaire oder Genève (Genf) die ideologische Richtung des Werkes steuerte.

D’Alembert führte Briefverkehr auch mit „aufgeklärten Herrschern“ wie Friedrich II. von Preußen und der russischen Zarin Katharina der Großen. Doch sein Misstrauen gegenüber den Herrschenden war immer wach. In seinem Essai sur les gens des lettres et sur les grands (Versuch eines Aufsatzes über die schreibenden Leute und die grossen Schriftsteller) verglich er 1759 die Weltanschauung des Adels mit der der Denkenden. D’Alembert war auch ein glänzender Tacitus-Übersetzer. Er war sowohl Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Académie des sciences als auch der Académie française, deren Generalsekretär auf Lebenszeit er 1772 wurde. Zuletzt lebte er als Pensionär von Friedrich II. von Preußen.

Er war Mitglied der Pariser Freimaurerloge Les Neuf Sœurs.[2]

D’Alembert starb am 29. Oktober 1783 im Alter von 65 Jahren an einer Blasenkrankheit.

Begründer der mathematischen Kontinuums-Physik

Nach ihm ist das D’Alembertsche Prinzip der Mechanik benannt. Das d’Alembertsche Prinzip der klassischen Mechanik erlaubt die Aufstellung der Bewegungsgleichungen eines mechanischen Systems mit Zwangsbedingungen.[3]

Er arbeitete auf dem Gebiet der Funktionentheorie, löste 1747 die heute nach ihm benannte (eindimensionale) Wellengleichung der schwingenden Saite und wurde so der Begründer der mathematischen Kontinuums-Physik. Ebenso geht der D’Alembertsche Operator für die Klein-Gordon-Gleichung der Quantenmechanik auf ihn zurück. D’Alembert arbeitete auch auf dem Gebiet der Konvergenz von Reihen und fand das Quotientenkriterium, das nach ihm auch D’Alembert-Kriterium genannt wird. Wichtig ist hierbei das Reduktionsverfahren von d’Alembert. Weitere Arbeiten galten der Wahrscheinlichkeitsrechnung; ein populäres, freilich unbrauchbares Spielsystem für das Roulette-Spiel, die Progression d’Alembert, wird ihm zugeschrieben.[4]

Siehe auch

Werke

  • Sur la destruction des Jésuites en France, par un auteur désintéressé, Edinburgh 1765 (Digitalisat)
  • Oeuvres, Paris 1821– (Digitalisat: Bd. 1, Bd. 2, Bd. 4)
  • Condorcet: Oeuvres de d’Alembert. Sa vie - ses oeuvres - sa philosophie. Didier, Paris 1853 (Digitalisat)
  • Einleitung zur Enzyklopädie. Hrsg. von Günther Mensching. (= Philosophische Bibliothek, Band 473). Meiner, Hamburg 1997. ISBN 978-3-7873-1188-0

Literatur

  • Philipp Blom: Das vernünftige Ungeheuer - Diderot, d’Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie. Eichborn, Frankfurt am Main 2005. ISBN 3-8218-4553-8
  • Hermann Schroeder: Jean-Jacques Rousseaus Brief über die Schauspiele [Lettre à d'Alembert]. Revidiert, eingel. und hrsg. von Klaus H. Fischer, Schutterwald/Baden 1994. ISBN 3-928640-04-6

Weblinks

 Wikisource: Jean le Rond d’Alembert – Quellen und Volltexte (Französisch)
 Commons: Jean le Rond d’Alembert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Launay, Françoise: D’Alembert et la femme du vitrier Rousseau, Etiennette Gabrielle Ponthieux (ca. 1683-1775) online
  2. Alexander Giese: Die Freimaurer, Böhlau Verlag, Wien 1997, ISBN 3-205-98598-2
  3. J. W. Warren: Verständnisprobleme beim Kraftbegriff. Nach der englischen Originalausgabe Understanding Force erschienen 1979 bei John Murray, London. S. 16–17, Online (PDF; 395 kB)
  4. Istvan Szabo: Geschichte der mechanischen Prinzipien und ihrer wichtigsten Anwendungen. Birkhäuser Verlag (1987) ISBN 3-7643-1735-3 S. 31 f.


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