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Jaakow Galinsky

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Jaakow Galinsky

Raw Jaakow Galinsky (geb. 1921 in Krinek, Polen; gest. im Januar 2014 in Bne Brak) war während vieler Jahrzehnte ein Rosch Jeschiwa, Marbiz Tora und bekannter Maggid.

Leben

Reb Jaakow wurde 1921 in Krinek, Polen, als Sohn von Reb Awraham Zvi geboren. Er lernte in der Jeschiwat Nowardok in Bialystok gemäss der Schitta des "Alten von Nowardok" und seines Rebben, Haraw Awraham Jaffen, dem Schwiegersohn und Nachfolger des "Alten". Raw Jaakow sprach oft über die Erfahrung, ein Nowardoker Bachur gewesen zu sein. Ein Bachur, der in die Jeschiwa kam, verbrachte Monate und sogar Jahre in der Jeschiwa, ohne nach Hause zurückzukehren. Die Bachurim wussten, dass sie sich von ihren Eltern und ihrer Heimatstadt verabschieden mussten, ohne zu wissen, wann sie einander wiedersehen würden. "Der Ruach der Jeschiwa, Haschem mit Enthusiasmus zu dienen, eroberte mein Herz", erzählte Reb Jankele, unter welchem Namen er allgemein bekannt war. "Die Tefillot und das Lernen waren voller Enthusiasmus und Leidenschaft, und die Bachurim strebten nach Schlemut." Die Lichter im Bet Midrasch brannten die ganze Nacht. Die Bachurim lernten beim Licht von Petroleumlampen oder Wachskerzen. Es gab in der Jeschiwa nur einige Regale mit Sefarim, nicht wie in der heutigen Jeschiwa-Welt, wo jedes Haus eine ganze Bibliothek besitzt. Wer in einen Raschba oder Ritwa hineinsehen wollte, musste dafür anstehen. Bachurim standen an und argumentierten über die verschiedenen Meinungen in den Rischonim, bis sie an die Reihe kamen, das gewünschte Sefer durchzusehen, erinnerte sich Reb Jankele.

Die Organisation der Mahlzeiten in der Jeschiwa war eine Aufgabe, die den älteren Bachurim übertragen wurde. Sie mussten Baale Batim ansprechen, die bereit waren, zum "Teg-Essen" beizutragen, d. h. dass sie die Bachurim mit Essen versorgen würden. Als die Jeschiwa grösser wurde, konnte dieses Arrangement nur unter Schwierigkeiten aufrecht erhalten werden. Als sich die finanzielle Lage der Jeschiwa später etwas verbesserte, wurde eine grosse Küche für die Jeschiwa gekaschert und das "Teg-System" wurde eingestellt. Dennoch waren die materiellen Umstände der Jeschiwa immer noch kärglich.

Reb Jankele lernte bis 1939 in der Jeschiwa. Als der Krieg ausbrach, flüchtete er mit mehreren älteren Bachurim, aber die Russen griffen sie auf und verbannten sie nach Sibirien, wo äusserst brutale Bedingungen herrschten. Reb Jankele hatte keinen Platz zum Schlafen. Raw Leibel Stitzberg von Ostrova, ein Gerrer Chassid, nahm Jehudim, die kein Dach über dem Kopf hatten, in seiner Hütte in Sibirien auf. Einer von ihnen war Jankele Galinsky, der – weil kein anderer Platz vorhanden war – auf dem Fenstersims in der Hütte schlief, der gerade genügend breit war, um darauf zu schlafen.

Eines Tages wurde Reb Jankele in einem russischen Gefängnis inhaftiert und in einer speziellen Zelle festgehalten, in der sich Personen befanden, die zum Tode verurteilt waren. Während alle Todgeweihten ihre Zeit mit Weinen und Jammern oder in einer tiefen Depression verbrachten, sass er und lernte Tora, murmelte das vor sich hin, woran er sich erinnerte, oder sagte Tehillim. Er versuchte auch ansonsten sich so zu verhalten, wie wenn die Dinge normal wären, ohne seiner speziellen Situation Aufmerksamkeit zu schenken. Er wurde später gefragt, wie er die emotionale Stärke besass, all das durchzustehen. "Weil ich mich auf etwas und Jemanden verlassen konnte. Weil ich ein Jehudi bin. Diejenigen, die zum Tod verurteilt werden, denken nicht an Essen und Trinken", erklärte er. "Sie sind tief deprimiert. Ich konnte mich aus irgendeinem Grund jedoch erinnern, dass ich hungrig war, und bat die Wächter, mir etwas Essen zu bringen. Ich ass und trank und konnte sogar schlafen. Es gab Momente, in denen ich Tora lernte wie wenn kein Dekret über meinem Kopf hing ... In diesen Stunden, als Jeschiwabachur, wusste ich, dass Weinen und ein Verlieren des Verstands mir nicht helfen würden. Deshalb beschloss ich, mich zu verhalten, so wie Haschem es von mir wollen würde. Ich dawente und versuchte mein Bestes, wie ein Jehudi zu leben. Ein Jehudi hat immer Bitachon und kennt die Worte von Chasal: 'Sogar wenn ein scharfes Schwert am Hals eines Menschen liegt, sollte er nicht verzweifeln' (Brachot 11). Ich hoffte auf G'tt und dawente zu ihm. Die anderen Nationen der Welt haben diese Option nicht. Sie haben nichts. Glücklich ist unser Los ... ", sagte er.

Von Sibirien kam Reb Jankele nach Zambul, Kasachstan, im Osten Russlands. Dort gründete er unter grossem persönlichen Risiko einen Cheder und errichtete auch eine Mikwa, zusammen mit Raw Schlomo Zvi Greenbaum, einem Gerrer Chassid aus Neustadt, Polen, und dem Sadovna Raw. Reb Jankele amtierte als Melamed im Cheder.

Nach dem Krieg heiratete Reb Jankele in Deutschland die Tochter von Raw Chaim Binjamin Halevi Brod, einem bekannten Lubawitscher Chassid. Sie half ihm hingebungsvoll bei all seinen Bemühungen, Tora zu verbreiten. Ihr Haus war ein Haus der Tora und des Jirat Schamajim.

Im Jahre 1949 kamen sie nach Eretz Jisrael und liessen sich in Bne Brak nieder. Reb Jankel arbeitete unermüdlich daran, die Jeschiwat Chedera zu gründen, und widmete ihr sein Leben. Er bereiste die ganze Welt, um Gelder für die Jeschiwa zu sammeln. Gemäss der Methode von Nowardok forderte er von seinen Talmidim, schwer an der Tora zu arbeiten, während sie die Wahrheit in sich selbst finden sollten.

Reb Jankele war mit der Gabe der Redekunst gebenscht. Er verwendete diese Gabe, um Jehudim in Awodat Haschem, Jirat Haschem und guten Midot anzuleiten. In Eretz Jisrael und auf der ganzen Welt war er als hervorragender Maggid bekannt. Gedolei Jisrael schätzten ihn nicht nur wegen seiner Tora, sondern seiner Fähigkeit, die Gedrückten aufzurichten, und Überlebenden, die nach Eretz Jisrael kamen, Chisuk und Unterstützung zu geben. Seine Worte wurden über Jahrzehnte hin zu grundlegenden Komponenten von Draschot.

Reb Jankele kam einst zum Poniwescher Raw, und dieser fragte ihn: "Jemand träumte, dass er in einen grossen Wald eintrat und dass Löwen, Bären, Tiger, Schlangen und Skorpione sich auf ihn stürzten. Wie kann man diesem Jehudi helfen?" Reb Jankele schaute den Poniwescher Raw überrascht an und fragte sich, was er ihm sagen wollte. Der Raw fuhr fort: "Ich werde es dir sagen. Wir können Eines tun: Wir können ihn aufwecken, damit der Traum aufhört." Reb Jankele wusste immer noch nicht, was der Raw von ihm wollte. Dieser erklärte: "So ist es auch mit deinen Draschot. Es ist nicht nötig, den Leuten Mussar zu sagen, sondern sie aus ihren Träumen aufzuwecken. Wenn sie aufwachen, werden sie sich von alleine bessern. Jeder kennt seine eigenen Fehler und weiss, wie er sich aus der Tiefe hochheben kann. Alles, was nötig ist, ist, die Zuhörer aus ihrem Schlaf zu wecken."

Reb Jankele war bekannt für seine Ahawat Jisrael und seinen Chessed. Er unternahm grosse Anstrengungen, um sich mit einem Chassan und einer Kalle zu freuen, besonders bei Kindern von Überlebenden. Er dachte nicht an seine eigene Würde, wenn er an Simchot etwas vorführte, solange es ihnen Freude bereitete. Seine Worte waren wie ein lebensspendendes Elixier für die verwundeten Seelen der Holocaust-Überlebenden und füllten ihre Reserven mit den erfrischenden Worten über Hoffnung und Leben auf.

Seine Sefarim Wehigadeta und Lehaggid wurden nach der Jahrtausendwende veröffentlicht, sie enthalten seine Toragedanken, Draschot, Gleichnisse und Geschichten zu den Chumaschim und Moadim.

Reb Jankele starb im Januar 2014 in Bne Brak im Alter von 93 Jahren. Tausende Menschen nahmen an seiner Lewaja teil.

Hinweis

Der Artikeltext beruht in weiten Teilen auf einem Nachruf in der Jüdischen Zeitung, Zürich, Ausgabe vom 31. Januar 2014, Seite 3-4 (dieses wiederum auf Basis eines Berichts in Hamodia).


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