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Janina Altman

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Janina Altman (2006)

Janina Altman (geborene Hescheles 2. Januar 1931 in Lwów, Polen) ist eine polnisch-israelische Chemikerin und Holocaustüberlebende.

Leben

Janina Hescheles' Vater Henryk Hescheles war in Lemberg Journalist und einer der Herausgeber der zionistischen Zeitung in polnischer Sprache Chwila[1]. Sein Bruder Marian Hemar konnte bei Beginn des Zweiten Weltkriegs aus Warschau nach England fliehen. Lemberg wurde 1939 von der Sowjetunion annektiert. Henryk Hescheles wurde 1941 in den ersten Tagen nach der deutschen Eroberung Lembergs ermordet, nach den Ermittlungen, die Janina Hescheles später anstellen konnte, wurde er vom Bataillon Nachtigall, in dem auch der spätere Bundesminister Theodor Oberländer als Offizier tätig war, ermordet.[2] Ihrem Onkel Stanisław Lem[3] gelang es, seine jüdische Herkunft zu verschleiern und die deutsche Besetzung zu überleben. Janina Hescheles wurde mit ihrer Mutter, einer Ärztin, im Zwangsarbeitslager Janowska inhaftiert, wo ihre Mutter im selben Jahr an den Haftbedingungen starb. Michał Borwicz, der in dem Ghetto ein illegales literarisches Leben organisiert hatte, konnte im September 1943 entkommen und sorgte dafür, dass auch Janina Hescheles mit Hilfe der jüdischen Widerstandsorganisation Żegota im Oktober 1943 fliehen konnte.

Hescheles wurde in verschiedenen Familien in Krakau und dann von Jadwiga Strzałecka in einem Waisenhaus in Poronin versteckt. Auf Anregung von Borwicz begann sie drei Wochen nach der geglückten Flucht, ihre Erinnerungen an die Verfolgung in Lemberg aufzuschreiben. Das Manuskript wurde 1946 unter dem Titel Oczyma dwunastoletniej dziewczyny [Mit den Augen einer Zwölfjährigen] von der Organisation polnischer Juden in Krakau gedruckt. Im Unterschied zum Tagebuch der Anne Frank „fängt ihr Bericht dort an, wo jener aufhört, nämlich, als es kein Verbergen mehr gibt und das Kind schutzlos den Gefahren und den schrecklichen Erlebnissen im Lager ausgesetzt ist“.[4] Nach Kriegsende zog das Waisenhaus nach Sopot, wo sie auch wieder eine Schule besuchen konnte und 1949 das Abitur machen.

1950 emigrierte Hescheles nach Israel, wo sie am Technion in Haifa Chemie studierte und 1962 promoviert wurde. Sie heiratete den Physiker Kalman Altmann, sie haben zwei Söhne. Janina Altman blieb als Wissenschaftlerin am Technion und arbeitete auch am Weizmann-Institut für Wissenschaften und an der Technischen Universität München. Ihre (Gemeinschafts-)Arbeiten wurden in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften wie Liebigs Annalen, Inorganic Chemistry, Chemische Berichte und Journal of Medicinal Chemistry veröffentlicht. Bei ihrem dreijährigen Forschungsaufenthalt in München beschäftigte sie sich auch mit dem Verhältnis der deutschen Wissenschaftler zum Nationalsozialismus und verfasste 2007 darüber eine Monografie.

Altman unterstützt seit der Ersten Intifada die pazifistische Gruppe Women in Black.[5]

Werke (Auswahl)

  • Janina Hescheles: Oczyma dwunastoletniej dziewczyny. Krakau : Centralny Komitet Żydów Polskich, 1946
    • Janina Hescheles: Mit den Augen eines zwölfjährigen Mädchens. In: Im Feuer vergangen. Tagebücher aus dem Ghetto. Übersetzung aus dem Polnischen Viktor Mika. Vorwort Arnold Zweig. Rütten & Loening, Berlin 1958, S. 345–411
  • Janina Altman: ha- Ṿered ha-lavan : sṭudenṭim ṿe-anshe ruaḥ be-Germanyah li-fene ṿe-aḥare ʿaliyato shel Hiṭler le-shilṭon [The White Rose. Students and Intellectuals in Germany before and after Hitler's rise to power. Die Weiße Rose. Studenten und Intellektuelle in Deutschland vor und nach Hitlers Machtübernahme]. Mit deutscher und englischer Einleitung. Haifa : Pardes, 2007 (he)
    • Erstes Kapitel in deutscher Übersetzung von Inka Arroyo Antezana: Naturwissenschaftler vor und nach Hitlers Aufstieg zur Macht. 2013 (online / pdf)

Literatur

  • Viktor Klemperer: Inferno und Nazihölle. Bemerkungen zu den „Tagebüchern aus dem Ghetto“, in: Neue deutsche literatur, 1959, S. 245-252
  • Friedhilde Krause: Meine liebe „Schwester“ Janina Altmann in Haifa, in: dieselbe: Erlebt und geprägt : Erinnerungen aus 80 Lebensjahren. Mit einem Geleitwort von Wolfgang Schmitz. Hildesheim : Olms, 2009, S. 99–102
  • Patricia Heberer: Children during the Holocaust. Lanham, Md. : AltaMira Press 2011, ISBN 978-0759119840, S. 151–153

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Chwila, bei YIVO
  2. Oberländer brachte meinen Vater um, in: Neues Deutschland, Ostberlin, 11. Februar 1960; Brief aus Israel, in: Berliner Zeitung, 6. Juni 1961; „Kein Geld der Welt kann wiedergutmachen . . .“ Ein anklagender Brief aus Israel, in: Der Mahnruf, Ostberlin, August/September 1961
  3. Lem war Sohn einer Schwester ihres Großvaters Hescheles: Mistrz Hemar, bei Polskie Radio, 11. Februar 2011
  4. Friedhilde Krause: Die polnische Tagebuchsammlung „Im Feuer vergangen“ und ihre deutsche Rezeption, Rezension, in: Zeitschrift für Slawistik : ZfSl, 1964, S. 318–325, hier: S. 324
  5. Women in Black, website


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