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James McNeill Whistler

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James Abbott McNeill Whistler (geb. 10. Juli 1834 in Lowell, Massachusetts; gest. 17. Juli 1903 in Chelsea, London) war ein US-amerikanischer Maler.

Leben

1843 zog seine Familie nach Sankt Petersburg, wo sein Vater, Major George Washington Whistler, als Eisenbahningenieur für den Zaren tätig war. Die Mutter des Künstlers, Anna Matilda McNeill, war eine fromme Christin, die er sein ganzes Leben lang bewunderte. In seiner frühen Jugend tauschte er seinen zweiten Vornamen 'Abbott' gegen ihren Geburtsnamen 'McNeill' aus. Die Familie lebte luxuriös, und James erhielt von einem schwedischen Erzieher Privatunterricht. Ab 1845 besuchte Whistler den Zeichenunterricht an der Kaiserlichen Akademie der Schönen Künste in St. Petersburg. Bei der Choleraepidemie 1848 starb sein Vater, woraufhin seine Familie und er selbst nach Amerika zurückkehrten.

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Porträt Whistlers von Alice Pike Barney, Pastell, 1898

1851 trat Whistler in die Militärakademie in West Point ein. Es mangelte ihm jedoch an Disziplin, und nach drei Jahren wurde er der Akademie verwiesen – der Legende nach bestand er eine Chemieprüfung nicht. (Er soll später gesagt haben, »Wenn Silizium ein Gas wäre, wäre ich General geworden.«)

1855 ging Whistler mit finanzieller Unterstützung seines Halbbruders George nach Paris und begann eine Ausbildung im Atelier von Charles Gleyre. Stilistisch wichtiger wurde für Whistler indes der Realismus. Insbesondere wurde er von Gustave Courbet sowie von Henri Fantin-Latour beeinflusst; mit beiden Künstlern war er befreundet. Er führte in Paris den Lebensstil eines Bohémiens.

Ab 1860 arbeitete er vor allem in London und lernte sein Modell und spätere Geliebte Joanna Hiffernan kennen. Er wandte sich zunächst der Richtung des Art for Art's Sake zu. Nachdem es sowohl 1862 von der Royal Academy als auch 1863 von dem Pariser Salon abgelehnt worden war, stellte er sein 1861 gemaltes »The White Girl« im Salon des Refusés aus, wo es zusammen mit Manets »Frühstück im Grünen« zu einem Skandal führte. 1865 hatte er Albert Joseph Moore kennengelernt. In den folgenden Jahren beeinflussten sich beide gegenseitig in Malstil und Sujet. Daher experimentierte Whistler in der zweiten Hälfte der 1860er Jahre mit japanisch und antik inspirierten Bildmotiven. 1872 entstand sein berühmtestes Bild, das Portrait seiner Mutter.

In den 1870er Jahren malte er über dreißig »Nocturnes«. Sie zeigen nächtliche Motive aus London, meist Flussansichten der Themse, in beinahe monochromer Farbgebung. Da die Nocturnes keine genauen topographischen Ansichten (Veduten) darstellten, sondern es Whistler um die harmonischen Farbeffekte ging, wurden er und seine Kunst von den Kritikern oft als exzentrisch bezeichnet.

Datei:Boldini - James McNeill Whistler.jpg
Giovanni Boldini: James McNeill Whistler, Öl auf Leinwand, 1897

Für die Londoner Residenz seines damaligen Hauptsammlers, Frederick Richards Leyland, schuf er das sogenannte Pfauenzimmer. Es ist die einzige erhaltene Gestaltung eines Interieurs durch Whistler, der seinerzeit auch als Designer eine gewisse Bedeutung erlangte. Anders als William Morris setzte Whistler große, einfarbige Flächen ein, um einen harmonischen Gesamteindruck eines Innenraums zu erreichen.

1877 verklagte er den Kunstkritiker John Ruskin wegen Beleidigung und Verleumdung. Ruskin hatte in einem Artikel geäußert, Whistler habe es nicht nur gewagt, dem Publikum einen Topf Farbe ins Gesicht zu schleudern (er meinte damit das in der Grosvenor Gallery gezeigte Gemälde »Nocturne in Black and Gold: the falling rocket«), sondern auch die Frechheit besessen, dafür zweihundert Guineen zu verlangen. Whistler gewann 1878 den Prozess vor dem Londoner High Court, bekam jedoch nur einen symbolischen Schadensersatz von einem Farthing zugesprochen.

1879 reiste Whistler im Auftrag der Londoner Fine Art Society nach Venedig, wo er zahlreiche Pastelle und Radierungen schuf. In dieser Galerie und bei Dowedeswell & Dowdeswell’s konnte er in den folgenden Jahren mehrere Ausstellungen organisieren, die berühmt wurden, weil Whistler die Räume der Galerien in seine Pläne mit einbezog und auf diese Weise seine Werke in einer abgestimmten Farbharmonie präsentierte, beispielsweise 1883 als »Arrangement in Yellow and White«. 1885 hielt Whistler seine »Ten O’Clock« Vorlesung in London, ein Manifest des Ästhetizismus. In den 1880er Jahren stellte er nach beinahe zehnjähriger Pause wieder in Paris aus. Nicht nur im Salon wurden seine Werke gezeigt, sondern auch in Galerien moderner Kunst wie denen von Paul Durand-Ruel und Georges Petit. Kritiker wie Théodore Duret halfen ihm, Ansehen in Frankreich zu erwerben. Auch seine Teilnahme bei der Ausstellung Les Vingt in Brüssel 1884 brachte ihm Erfolg.[1] In München nahm er an der Internationalen Kunstausstellung 1888 mit zahlreichen Werken teil. Seine Werke wurden auch am Glasgow Institute of the Fine Arts gezeigt.

1890 veröffentlichte er Auszüge von missgünstigen Kunstkritiken der viktorianischen Philister, die er gesammelt und spitz kommentiert hatte, unter dem Titel Die artige Kunst sich Feinde zu machen. Eine große Retrospektive seiner Ölgemälde in der Londoner Goupil Gallery 1892 festigte schließlich seinen Ruhm in England. Dennoch zog er mit seiner Frau Beatrix nach Paris, wo der französische Staat 1891 das Porträt seiner Mutter für das Musée du Luxembourg angekauft hatte. 1899 waren seine Werke bei der Pastel Society zu sehen. In seinen letzten Jahren genoss er den Ruf eines lebenden alten Meisters. Zusammen mit dem amerikanischen Sammler Charles Lang Freer baute er dessen Whistler-Sammlung mit musealem Anspruch auf, der sich schließlich in der Freer Gallery of Art verwirklichte.

Whistlers Werk umfasst über 400 Ölgemälde, über 200 Aquarelle, fast 300 Pastellzeichnungen, 450 Radierungen und 190 Lithographien.

Siehe auch: Tonalismus (Malerei)

Werkauswahl

Ölgemälde
Radierungen
  • The French Set, 1858/59, Serie von zwölf Radierungen
  • The Thames Set, 1858/61, Serie von Radierungen, veröffentlicht 1870
  • The Venice Set, 1879/80, Serie von zwölf Radierungen aus Venedig
Innenarchitektur
Schriften
  • Whistler: Die artige Kunst sich Feinde zu machen. Mit einigen unterhaltenden Beispielen, wie ich die Ernsthaften dieser Erde zuerst mit Vorbedacht zur Raserei und dann in ihrem falschen Rechtsbewusstsein zu Unanständigkeit und Torheit gebracht habe. Berlin 1909.

Einzelnachweise

  1. Per Amann: Die späten Impressionisten. Berghaus Verlag, Kirchdorf-Inn 1986, ISBN 3-7635-0106-1.

Literatur

  • Ronald Anderson, Anne Koval: Whistler. Beyond the Myth. Murray, London 1994, ISBN 0-7195-5027-0.
  • A. Dempsey: Whistler and Sickert: A friendship and its end. In: Apollo. LXXXIII, 1966, S. 30ff.
  • J. Sandberg: Japonisme and Whistler. In: Burlington Magazine. CVIII, 1966, S. 500ff.
  • D. Sutton: James McNeill Whistler: Paintings, Etchings, Pastels and Watercolours. Phaidon Press, London 1966.
  • Nocturne. The Art of James McNeill Whistler. Country Life Ltd., London 1963.
  • H. Gregory: The World of James McNeill Whistler. In: Arts. XXXIV, 1960, S. 10ff.
  • H. Shipp: Ruskin versus Whistler. In: Apollo. LXXII, 1960, S. 61.
  • Whistler, James Abbott McNeill. In: Künstlerlexikon.
  • Kindlers Malerei-Lexikon.

Weblinks

 Commons: James McNeill Whistler – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien


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