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James Levine

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Dieser Artikel beschreibt den Dirigenten und Pianisten. Zum Komponisten siehe James S. Levine.
James Levine (2013)

James Lawrence Levine [lɪˈvaɪn] (* 23. Juni 1943 in Cincinnati, Ohio) ist ein US-amerikanischer Dirigent und Pianist, der von 1971 bis 2016 an der Metropolitan Opera als Dirigent wirkte. Mit einer zweijährigen Unterbrechung (2013–2015) war er dort auch langjähriger künstlerischer Leiter.

Künstlerischer Werdegang

Levine wurde 1943 als Sohn des Textilfabrikanten Lawrence M. Levine und der Schauspielerin Helen Levine, geb. Goldstein, in Cincinnati, Ohio geboren. Sein Vater leitete in den 1930er Jahren als Violinist eine Tanzkapelle, trat aber nach seiner Heirat in das Textilgeschäft des Vaters ein.[1] Einer seiner Großväter, Morris Goldstein, war Kantor und Komponist jüdischer liturgischer Musik.

Levine galt als „klavierspielendes Wunderkind“:[2] Im Alter von zehn Jahren trat er öffentlich als Solopianist in Erscheinung. Gemeinsam mit dem Cincinnati Symphony Orchestra spielte er Mendelssohns 2. Klavierkonzert.[2] Während seiner Schulzeit an der Walnut Hills High School besuchte er Sommerkurse beim Marlboro Music Festival in Marlboro, Vermont (ab 1956), wo er auch Klavierunterricht bei Rudolf Serkin) erhielt, und beim Aspen Music Festival and School (ab 1957).[3] In Aspen, Colorado erhielt er Unterricht bei Rosina Lhévinne[2] (Klavier), Jennie Tourel[4] (Operngesang) und Wolfgang Vacano[5] (Dirigieren). Bis zur Aufnahme in die Juilliard School in New York City wurde er von Walter Levin[5], dem Primarius des LaSalle String Quartets, in Theorie und von Jenő Takács[6] in Klavier ausgebildet. Von 1961 bis 1964[7] studierte er in New York Klavier bei Rosina Lhévinne und Dirigieren bei Jean Morel.[2]

1964 war er Finalist beim American Conductors Project der Ford Foundation.[8] Er trat in diesem Rahmen mit dem Baltimore Symphony Orchestra in Erscheinung.[3] Unterweisungen erhielt er von Alfred Wallenstein, Max Rudolf und Fausto Cleva.[3] Levine wurde durch den Juror George Szell entdeckt, der ihn als Assistenten zum Cleveland Orchestra holte.[2] Levine untrrichtete am Cleveland Institute of Music und war Gründungsdirigent des University Circle Orchestra.[9] In Meadow Brook, der Sommerresidenz des Detroit Symphony Orchestra, half er Robert Shaw bei der Gründung eines Musikinstituts.[3] 1970 debütierte er mit Verdis Aida an der Welsh National Opera und mit Puccinis Tosca an der San Francisco Opera.[3] Ein Jahr später dirigierte er das Chicago Symphony Orchestra mit Mahlers 2. Sinfonie beim Ravinia Festival in Chicago, Illinois.[3]

Nach dem Tod Szells 1970 wechselte er zur Metropolitan Opera (Met) in New York City.[2] Dort feierte er 1971 mit der Oper Tosca sein Debüt.[2] 29-jährig ernannte ihn der General Manager der Met, Gorden Gentele[4], zum Principal Conductor.[2] 1975 erolgte die Ernennung zum Music Director.[3] Levine gründete 1980 das Lindemann Young Artists Development Program, das Nachwuchssänger fördert.[10] 1982 oblag ihm die Jubiläumsinszenierung von Wagners Parsifal.[2] Im Zuge seines regen Engagements an der Met – er setzte sich u.a. für eine Erneuerung ein und beteiligte sich an nationalen Fernsehproduktionen – wurde ihm 1986 die eigens für ihn geschaffene[11] künstlerisches Leitung (Artistic Director) des Hauses übertragen.[2] Er dirigierte in den Jahrzehnten seiner künstlerischen Tätigkeit an der Met ungefähr 2000 Vorstellungen von 75 Opern, darunter viele Erstaufführungen des Orchesters.[11] Auch leitete er dort Uraufführungen von John Corigliano, Philip Glass und John Harbison.[11] Nach 50-jähriger Pause holte er 1989 Wagners Ring des Nibelungen zurück an die Met.[11] Ein Unfall 2006 führten zu zunehmenden gesundheitlichen Problemen; ab 2011 wurde er interimistisch von Fabio Luisi vertreten. Nachdem er sich 2012 kurzzeitlich zurückgezogen hatte trat er von 2013 bis zu seinem endgültigen Rückzug 2016 erneut auf das Podium der Met.[7] Levines designierter Nachfolger ist Yannick Nézet-Séguin.[7]

Im Konzertsaal hat Levine die meisten bedeutenden Orchester dieser Welt dirigiert.[2] Seit 1972 dirigierte er das New York Philharmonic Orchestra.[11] Von 1973 bis 1993 war er Musical Director des Ravinia Festival[11] und von 1973 bis 1978 des Cincinnati May Festival.[3] 1974 debütierte er mit Strauss' Rosenkavalier am Royal Opera House in Covent Garden, London.[11] Über seinen Kontakt mit dem Opernregisseur Jean-Pierre Ponnelle und die Wiener Philharmoniker gastierte er zwischen 1975 und 1993 regelmäßig bei den Salzburger Festspielen.[11] Diese Zusammenarbeit begann 1975 mit dem London Symphony Orchestra.[3] Mehrfach war er Gastdirigent bei den Bayreuther Festspielen (1982–1998);[11] er war dort an Inszenierungen von Götz Friedrich, Wolfgang Wagner und Alfred Kirchner beteiligt.[3] Nach dem Rücktritt von Herbert von Karajan sprang er im Mai 1989 kurzfristig bei einem Gastkonzert der Berliner Philharmoniker im Schauspielhaus Berlin (Ost) ein. 1996 war er mit den drei Tenören (José Carreras, Plácido Domingo und Luciano Pavarotti) auf Welttournee.[7]

1999[11] wurde Levine zusätzlich zu seiner Tätigkeit in New York als Nchfolger von Sergiu Celibidache Chefdirigent der Münchner Philharmoniker.[2] In München brachte er 2003 Pendereckis 6. Sinfonie zur Uraufführung. Im Sommer 2004 wechselte er als Music Director zum Boston Symphony Orchestra.[2] Er brachte Werke von u.a. Charles Wuorinen und Gunther Schuller zur Uraufführung.[7] Am Tanglewood Music Center, der Sommerakademie des Boston Symphony Orchestra, arbeitete er mit Studentenorchestern.[7] Seine Verpflichtung in Boston gab er 2011 aus gesundheitlichen Gründen auf.[7] Er war Music Director und ist Conductor Laureate des 2000 gegründeten UBS Verbier Festival Orchestra.[12] Seit dem Ende seiner Dirigentenkarriere trat er als Liedbegleiter hervor.[11]

Seit 1972 hat er mehr als 200 Tonträgeraufnahmen (u.a. bei EMI, RCA, Deutsche Grammophon) produziert.[11] Er legte die Gesamtaufnahmen der Sinfonien von Brahms, Schumann und Mozart vor.[2] Außerdem spielte er Wagners Ring des Nibelungen ein.[2] 1999 war er am Soundtrack zum Disney Zeichentrickfilm Fantasia 2000 beteiligt.[13] Bei seinen Aufnahmen arbeitete er u.a. mit Christa Ludwig und Kathleen Battle[3] sowie Jennie Tourel, Lynn Harrell, Kiri Te Kanawa und Cecilia Bartoli zusammen.[2] Der profilierte Pianist spielte auch kammermusikalische Werke auf CD ein.[7]

Zu den Dirigenten, denen er durch seine musikalische Mentorenschaft geholfen hat, zählen unter anderem Marco Armiliato, James Conlon, John Keenan und Jens Georg Bachmann.

Vorwurf des sexuellen Missbrauchs

Im Oktober 2016 erstattete ein Mann Anzeige gegen Levine. Der habe ihn ab 1985 mehrere Jahre lang sexuell missbraucht, beginnend zu einer Zeit, als er 15 Jahre alt war.[14] In der Folge wurden weitere Anschuldigungen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Levine bekannt.[15] Anfang Dezember 2017 leitete die Met eigene Untersuchungen ein und setzte für deren Dauer die Zusammenarbeit mit Levine aus.[16] Im März 2018 erklärte die Met die Zusammenarbeit mit Levine für beendet. Ohne Details über die Untersuchungsergebnisse, für die 70 Personen befragt wurden, bekanntzugeben, erklärte die Met, die Untersuchung habe glaubwürdige Hinweise ergeben auf sexuell missbräuchliches und belästigendes Verhalten Levines gegenüber verletzbaren Künstlern in frühen Karrierephasen, die unter seiner Autorität standen.[17]

Drei Tage nach seiner Entlassung reichte Levine beim Obersten Gericht des Staats New York Klage gegen die Met wegen Vertragsbruchs und Rufschädigung ein. Er fordert 5,8 Mio. US-Dollar Schadensersatz und die Wiederherstellung von „Namen, Ruf und Karriere“. Levine bestritt „klar und unmissverständlich jegliches Fehlverhalten“ im Zusammenhang mit den gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen; Geschäftsführer Peter Gelb habe ihn lediglich loswerden wollen. Die Met wies diesen Vorwurf von Levine umgehend zurück.[18]

Auszeichnungen

  • 1980: Cultural Award of New York City
  • 1982: Grammy Award (Best Orchestral Performance, Best Engineered Recording/Classical)
  • 1983: Grammy Award (Best Opera Recording, Best Classical Vocal Soloist Performance)
  • 1984: Grammy Award (Best Choral Performance (Other Than Opera))
  • 1984: Musician of the Year, Musical America[19]
  • 1986: Grammy Award (Best Choral Performance (Other Than Opera))
  • 1987: Grammy Award (Best Opera Recording, Best Classical Performance – Instrumental Soloist(s) (With Orchestra))
  • 1987: Smetana Medal
  • 1989: Grammy Award (Best Opera Recording)
  • 1990: Grammy Award (Best Opera Recording)
  • 1991: Grammy Award (Best Opera Recording)
  • 1993: Grammy Award (Best Classical Performance – Instrumental Soloist(s) (With Orchestra))
  • 1994: ECHO Klassik (Einspielung des Jahres mit Musik des 20. Jahrhunderts, Sonderpreis)
  • 1994: Aufnahme, Class IV (Humanities and Arts), Section 5 (Visual and Performing Arts—Scholarship, Criticism, and Practice (including Art, Architecture, Sculpture, Music, Theater, Film, and Dance)), American Academy of Arts and Sciences[20]
  • 1996: Gold Medal, National Institute of Social Sciences
  • 1996: Grammy Award (Best Classical Vocal Performance)
  • 1997: National Medal of Arts, United States Congress
  • 1997: Anton Seidl Award, Wagner Society of New York
  • 1997: Lotus Award, Young Concert Artists
  • 1999: Wilhelm-Furtwängler-Preis
  • 2002: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien[21]
  • 2002: Kennedy Center Honors, John F. Kennedy Center for the Performing Arts
  • 2003: Crystal Award, World Economic Forum
  • 2003: American Classical Music Hall of Fame
  • 2005: Award for Distinguished Service to the Arts, American Academy of Arts and Sciences
  • 2006: Metropolitan Opera Guild Opera News Award
  • 2007: Grammy Award (Best Classical Vocal Performance)
  • 2008: Opera Honors, National Endowment for the Arts[22]
  • 2009: Ditson Conductor’s Award, Columbia University
  • 2009: Grammy Award (Best Orchestral Performance)
  • 2010: George Peabody Medal
  • 2012: Grammy Award (Best Opera Recording)

Hinzu kommen Ehrendoktorate der University of Cincinnati, des New England Conservatory of Music, der Northwestern University, der State University of New York und der Juilliard School.

Literatur

Weblinks

 Commons: James Levine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Johanna Fiedler: Molto Agitato. The Mayhem Behind the Music at the Metropolitan Opera. Kindle. Ed. Chapter 11.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 2,14 2,15 Ingo Harden: James Levine. In: Ingo Harden, Gregor Willmes: Pianistenprofile: 600 Interpreten: ihre Biografie, ihr Stil, ihre Aufnahmen. Kassel 2008, S. 435f.
  3. 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 3,10 Vorlage:Grove Music Online
  4. 4,0 4,1 Jane Prendergast: James Levine. In: Lee Stacey, Lol Henderson (Hrsg.): Encyclopedia of Music in the 20th Century. London 1999, S. 370.
  5. 5,0 5,1 Roderick L. Sharpe, Jeanne Koekkoek Stierman: Maestros in America: Conductors in the 21st Century. Lanham 2008, S. 133–137, hier: S. 133.
  6. Jenő Takács: Erinnerungen, Erlebnisse, Begegnungen. Eisenstadt 1990, S. 58f.
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 7,5 7,6 7,7 James Levine. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 13. März 2018 (englisch).
  8. Roderick L. Sharpe, Jeanne Koekkoek Stierman: Maestros in America: Conductors in the 21st Century. Lanham 2008, S. 133–137, hier: S. 133f.
  9. Roderick L. Sharpe, Jeanne Koekkoek Stierman: Maestros in America: Conductors in the 21st Century. Lanham 2008, S. 133–137, hier: S. 134.
  10. Roderick L. Sharpe, Jeanne Koekkoek Stierman: Maestros in America: Conductors in the 21st Century. Lanham 2008, S. 133–137, hier: S. 135.
  11. 11,00 11,01 11,02 11,03 11,04 11,05 11,06 11,07 11,08 11,09 11,10 11,11 Martin Elste, Art. Levine, James, in: MGG Online, hrsg. von Laurenz Lütteken, Kassel, Stuttgart, New York: 2016ff., zuerst veröffentlicht 2004, online veröffentlicht 2016, https://www.mgg-online.com/mgg/stable/14964.
  12. tagesspiegel.de 3. September 2008.
  13. Douglas McLennan: James Levine. In: Baker's Biographical Dictionary of Popular Musicians Since 1990. Detroit 2004, S. 380.
  14. Legendary opera conductor molested teen for years: police report, New York Post, 2. Dezember 2017
  15. Michael Cooper: Met Opera to Investigate James Levine Over Sexual Abuse Accusation The New York Times, 2. Dezember 2017, abgerufen am 4. Dezember 2017
  16. Missbrauchsvorwürfe: Met suspendiert Dirigent Levine orf.at, 4. Dezember 2017.
  17. James Levine’s Final Act at the Met Ends in Disgrace. In: New York Times. 12. März 2018, abgerufen am 13. März 2018 (Englisch).
  18. Missbrauchsvorwürfe: Levine klagt gegen Rauswurf. In: Tagesschau. 16. März 2018, abgerufen am 16. März 2018.
  19. Musician of the Year, www.musicalamerica.com, abgerufen am 17. März 2018.
  20. Book of Members 1780–present, Chapter L. In: American Academy of Arts and Sciences (amacad.org). Abgerufen am 17. März 2018 (PDF; 1,3 MB, englisch).
  21. James Levine erhielt Goldenes Ehrenzeichen, www.wien.gv.at, abgerufen am 17. März 2018.
  22. NEA Opera Honors, www.arts.gov, abgerufen am 17. März 2018.


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