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James Boswell

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James Boswell von Joshua Reynolds 1785
James Boswell von George Willison in Rom 1765, Scottish National Gallery.

James Boswell (* 29. Oktober 1740 in Edinburgh; † 19. Mai 1795 in London) war ein schottischer Schriftsteller und Rechtsanwalt. Mit der Biographie seines Freundes Samuel Johnson schuf er eines der bedeutendsten biografischen Werke der englischen Literatur.[1] Daneben ist er als Reiseschriftsteller bekannt.

Leben

Herkunft

Boswell war der älteste Sohn des Anwalts und späteren Richters Alexander Boswell, Lord Auchinleck, und erbte später dessen Besitz Auchinleck House nahe Ochiltree in Ayrshire.

Studium

Da der Schulbesuch ihm nicht zusagte, wurde er von Privatlehrern unterrichtet. Er studierte ab 1753 an der University of Edinburgh. 1759 setzte er seine Studien an der University of Glasgow fort, unter anderem bei Adam Smith.

Eine Phase der Aufsässigkeit gegenüber seinem Vater, in der er mehrere Monate nach London entfloh, endete mit der erzwungenen Fortsetzung des Jura-Studiums in Edinburgh. 1762 legte er seine mündliche Prüfung ab, und sein Vater erlaubte ihm die Rückkehr nach London. Dort begegnete er am 16. Mai 1763 zum ersten Mal Samuel Johnson und freundete sich mit diesem an, obwohl Johnson ein Vorurteil gegen Schotten hatte[2].

Im selben Jahr setzte er sein Jura-Studium in Utrecht fort bei Christiaan Hendrik Trotz und verliebte sich dort in Isabelle de Charrière.

Reise in andere Länder Europas

1764 reiste er durch Deutschland und die Schweiz, wobei er Jean-Jacques Rousseau und Voltaire traf. Er besuchte auf seiner Grand Tour auch andere europäische Länder wie Italien (Rom) und Korsika, wo er Pasquale Paoli, den damals bekannten korsischen Patrioten und Kämpfer für Korsikas Unabhängigkeit von Genua, traf. Auch später unterstützte er den Freiheitskampf der Korsen, so 1768 bei der französischen Invasion der Insel. Seine Reisetagebücher wurden später veröffentlicht.

Rückkehr nach Großbritannien

1766 kehrte er nach London zurück (begleitet von der Geliebten Marie-Thérèse Levasseur) und legte in Edinburgh sein letztes Jura-Examen ab, wonach er ein Jahrzehnt in Edinburgh als Anwalt praktizierte.

Literarischer Erfolg

In dieser Zeit besuchte er regelmäßig London, um dort am literarischen Leben im Kreis um Samuel Johnson teilzunehmen. In Edinburgh war er mit David Hume befreundet. Mit seinem Buch über Korsika 1768 und später der Reise zu den Hebriden hatte er selbst ebenfalls literarischen Erfolg. 1782 trat er nach dem Tod des Vaters dessen Erbe an und wurde 9. Laird of Auchinleck. Nach dem Tod von Samuel Johnson 1784 zog er nach London, hatte dort aber als Anwalt wenig Erfolg. Auch eine politische Karriere scheiterte, da er keine ausreichende Unterstützung für eine Kandidatur im Unterhaus fand. Er wandte sich wieder der Schriftstellerei zu und hatte Erfolg mit seiner Biographie von Samuel Johnson (1791). Durch seine Biographie Johnsons wurde Boswell im englischen Sprachraum ähnlich berühmt wie Eckermann im deutschen für seine Unterredungen mit Goethe.

Ehe, Familie, Gesundheit

1769 heiratete er seine Kusine Margaret Montgomerie, die 1789 an Tuberkulose starb, und mit der er vier Söhne und drei Töchter hatte. Er hatte zahlreiche Affären und mindestens zwei außereheliche Kinder.

Er wurde von Zeitgenossen als gutherzig, humorvoll und sympathisch beschrieben[3], war aber zunehmend der Spielsucht und dem Alkohol verfallen (was zusammen mit mehreren Geschlechtskrankheiten in den letzten Jahren seines Lebens seine Gesundheit ruinierte) und Opfer von Stimmungsschwankungen und zeitweiligen Depressionen.

Der dritte Sohn Boswells, James Boswell jr. (1778–1822), ist der Herausgeber der sog. "Third Variorum" 1821 der Werke Shakespeares.[4]

Werke

  • The Life of Samuel Johnson. 1791, Project Gutenberg
    • Aktuelle deutsche Ausgabe: Dr. Samuel Johnson. Leben und Meinungen. Diogenes Verlag, Zürich 2002 ISBN 3-257-20786-7
  • Journal of a Tour to the Hebrides. 1785, Online bei Project Gutenberg
  • Boswell on the Grand Tour. Germany and Switzerland 1764. 1953
    • Deutsche Ausgabe: Boswells Große Reise. Deutschland und die Schweiz 1764. Diana Verlag, Stuttgart, Konstanz 1955
  • Account of Corsica, The Journal of a Tour to that Island, And Memoirs of Pascal Paoli. 1768, Briefwechsel mit Andrew Erskine und Reise nach Korsika, Project Gutenberg
    Account of Corsica, 1768
    • Aktuelle deutsche Ausgabe: Beschreibung von Corsica. hohesufer.com, Hannover 2010, ISBN 978-3-941513-13-6. Diese Neuausgabe bietet eine vollständige, buchstabengetreue Wiedergabe der ersten deutschen Übersetzung (1768/69).
  • Boswell´s London Journal 1762/63, Heinemann, London 1950

Seine in den 1920er Jahren in einem Schloss bei Dublin entdeckten Tagebücher und Aufzeichnungen kamen über den Sammler Ralph H. Isham an die Yale University und wurden in dreizehn Bänden 1950 bis 1989 (beginnend mit dem London Journal 1762/63) von der Yale University veröffentlicht (Herausgeber Frederick Pottle, Frank Brady). Die Tagebücher gehen von Anfang der 1760er Jahre bis kurz vor seinem Tod. Auch der Briefwechsel wurde veröffentlicht.

Boswell schrieb auch eine Kolumne im The London Magazine von 1777 bis 1783 unter dem Pseudonym The Hypochondriack, veröffentlicht durch Margery Bailey 1928 und 1951 (Boswell´s Column, London, William Kimber).

Literatur

  • Frederick Pottle[5] James Boswell. The earlier years 1740–1769, McGraw Hill 1966, 1985
  • Frank Brady[6] James Boswell. The later years 1769–1795, McGraw Hill 1984
  • Peter Martin A life of James Boswell, Yale University Press, 1999, 2002
  • Iain Finlayson The Moth and the Candle. A Life of James Boswell, London, Constable, 1984
  • D. B. Wyndham-Lewis The Hooded Hawk or The Case of Mr. Boswell, Longmans, Green and Co., 1947

Zitate

„Man verachte nicht den Schriftsteller, der ein so scharfes Auge für die amüsante Begebenheit hatte, der geistreiche Formulierungen schätzte und das seltene Talent besaß, die Atmosphäre einer Szene und die Lebendigkeit einer Unterhaltung wiederzugeben.“

W. Somerset Maugham: Books and you Seite 48

„Homer ist nicht gesicherter der Erste unter den heroischen Dichtern, Shakespeare nicht der Erste unter den Dramatikern, Demosthenes der Erste unter den Rednern, als Boswell der Erste unter den Biographen ist.[7]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. W. Somerset Maugham: Books and you : Eine kleine persönliche Geschichte der Weltliteratur, Seite 46 (Zürich 2006)
  2. Ihre erste Unterredung miteinander überlieferte Boswell in seinem Life of Johnson. Boswell kannte Johnsons Abneigung gegen die Schotten und wollte dies erst verheimlichen, ein Freund machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung. Boswell: Mr. Johnson, I do indeed come from Scotland, but I cannot help it. Johnson That, Sir, I find, is what a very great many of your countrymen cannot help
  3. David Hume in einem Brief an die Gräfin von Bouflers 12. Januar 1766: a young gentleman very good-humoured, very agreeable, and very mad, Boswell.info
  4. Michael Dobson and Stanley Wells: The Oxford Companion to Shakespeare. OUP 2001. pg. 52.
  5. 1897–1987. Professor an der Yale University. Herausgeber der Boswell Papers
  6. 1922–1986. Prof. an der City University of New York. Herausgeber der Boswell Papers
  7. Macaulay: Essay on Boswell´s Life of Johnson. Wörtlich The Life of Johnson is assuredly a great— a very great work. Homer is not more decidedly the first of heroic poets, Shakespeare is not more decidedly the first of dramatists, Demosthenes is not more decidedly the first of orators, than Boswell is the first of biographers.
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