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Jakow Culi

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Titelblatt einer Meam Loez-Ausgabe

Rabbi Jakow Culi (auch Yaakov Kuli, Yaakov Culi oder Chuli usw.; geb. 1689 in Jerusalem; gest. 9. August 1732 in Konstantinopel; - Jahrzeit: 19. Aw) war ein produktiver Talmudist und Bibelkommentator des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts, einer der grössten Tora-Giganten seiner Generation.

Leben

Jakow Culi entstammte einer sephardischen Familie, die sich nach der Vertreibung aus Spanien auf Kreta angesiedelt und es dort zu Ansehen und Reichtum gebracht hatte. Sein Vater, Rabbi Machir Culi (geb. 1638; gest. 1728), war nach dem Sieg der Türken über das über Kreta herrschende Venedig nach Eretz Jisrael geflohen und heiratete dort die Tochter des berühmten Rabbiners Mosche ibn Chabib. Jakow Culis sich sehr früh zeigende ausserordentliche Begabung wurde von seinem Großvater gefördert. Nach dessen Tod zog seine Familie nach Tzefat, wo Jakow Culi zu einem großen Toragelehrten wurde und sich entschied, die Werke seines Großvaters zu veröffentlichen. Dies war im Lande Israel nicht möglich und er ging 1714 nach Konstantinopel, wo er Geldgeber fand, so dass es 1719 zur Drucklegung kam.

Er wurde ein Schüler von Rabbiner Jehuda Rosanes, des Führers der sephardischen Juden, der ihn in sein Beit Din berief, und veröffentlichte nach dessen Tod im Jahre 1727 auch die Werke seines Lehrers. Rabbiner Culi erkannte die dringende Notwendigkeit, das einfache Volk in Konstantinopel spirituell wieder aufzurichten.

Nach dem Desaster der Schabbatai Zwi-Affäre war es zu einem geistigen Niedergang in Konstantinopel gekommen. Es gab zwar hervorragende Toragelehrte und Jeschiwot, aber die Mehrheit der Juden hatte nur geringe Kenntnisse des Judentums. Da die Sprache der sephardischen Juden zu jener Zeit Ladino war – ein mit Hebräisch versetztes altes Spanisch – schrieb er einen ausführlichen Tora-Kommentar explizit für das breite Publikum und nicht für die Spitzengelehrten auf Ladino, den er unter dem Namen „Me‘am Lo’ez[1] 1730 zu veröffentlichen begann.

Leider konnte Rabbiner Culi selbst nur den Kommentar zu Bereschit und den Großteil von Schmot verfassen, aber seine Notizen waren so umfangreich, dass daraus der restliche Kommentar verfasst werden konnte.

Rabbiner Culi starb 1732 in Konstantinopel.

Meam Lo’ez wurde sofort mit Begeisterung von der jüdischen Leserschaft angenommen und gehörte für sephardische Juden zum Standardwerk des Torakommentars. Erst durch die Übersetzung ins Hebräische in den 1960er Jahren wurde die aschkenasische Welt auf dieses Werk aufmerksam. Nie zuvor hatte ein Werk solche Beliebtheit erreicht. Noch grösser als seine Beliebtheit war jedoch seine Wirkung. Tausende von Lesern, die fast gänzlich irreligiös waren, begannen plötzlich religiös zu werden. Ein neuer Geist überkam die sefardischen Gemeinden, ähnlich demjenigen, der ein halbes Jahrhundert später durch die chassidische Bewegung in der aschkenasischen Judenheit erzeugt wurde.

Zitat des Chida über Rav Culi

"Er war ein Experte im Talmud, in den Gesetzbüchern und Kommentaren, wie wir in seinem Buch Meam Loez leicht sehen können, das er für die Menge schrieb. Glücklich ist sein Teil."

Werke (Auswahl)

  • (als Hrsg.:) Schemot ba-Aretz, 1727 (Schriften des Moses ibn Habib, seines Grossvaters)
  • (als Hrsg.:) Paraschat Derachim, 1728 (midraschische und halachische Niederschriften von Jehuda Rosanes, die von J. Culi gesichtet und geordnet werden mussten, nachdem nach Rosanes Tod in dessen Haus eingebrochen worden war, eine Anzahl der Manuskripte waren gestohlen, die restlichen in einem wilden Durcheinander zurückgelassen worden und im ganzen Haus zerstreut)
  • Me‘am Lo’ez, 1730 ff. (wegen Rav Culis Tod unvollendeter enzyklopädischer Pentateuch-Kommentar, der von anderen jüdischen Gelehrten getreu in Culis Stil fortgeschrieben wurde: von Raw Yitzchak Magriso, der Schemot 1746, Wajikra 1753 und Bamidbar 1764 fertigstellte; Dewarim wurde von Raw Yitzchak Bechor Agruiti im Jahr 1772 fertiggestellt)
  • (als Hrsg.:) Mischne la-Melech, 1731 (voluminöses Werk ebenfalls von J. Rosanes, wurde zu einem der berühmtesten Kommentare zu Rambams Mischne Torah, mit vielen gewichtigen Anmerkungen J. Culis)
  • (als Hrsg.:) Ezrat Naschim, 1731 (Werk des Jehuda Rosanes, vermehrt um zwei Responsen Culis)
  • (nicht veröffentlicht, nur als Manuskript:) Simanim le-Oraita (halachisches Werk)

Literatur (Auswahl)

Fussnoten

  1. Als er seinem Werk seinen Namen gab, basierte Rabbi Yaacov Culi den Titel auf dem Passuk: "Als die Juden aus Mizraim zogen, das Haus Jaakow von einem seltsam sprechenden Volk (Meam Loes), wurde Jehuda Sein Geheiligter, Jisrael sein Königreich" (Tehillim 14:1).

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