Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Jakob Levy

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Rabbiner und Sprachwissenschaftler Jakob Levy. Zum Psychiater siehe Jacob Levy Moreno.

Jakob Levy (meist Jacob Levy, hebr. ‏יעקב לוי‎; geboren am 19. Mai 1819 in Dobrzyca, Provinz Posen, Königreich Preußen; gestorben am 27. Februar 1892 in Breslau, Deutsches Kaiserreich) war ein deutscher Rabbiner und orientalistischer Sprachwissenschaftler.

Leben

Jacob Levy war ein Sohn des Rabbiners Isaac Levy in Schildberg. Von diesem erhielt er ersten Talmudunterricht. Er war sieben Jahre lang Schüler bei Akiba Eger in Posen. Von Eger wurde er auch ordiniert.[1] Morenuzeugnisse erhielt er auch aus Kempen und Ostrowo. Er besuchte das katholische Matthias-Gymnasium in Breslau (Abitur April 1843) und studierte von 1842 (extra ordinem) bis 1845 Philosophie und orientalische Sprachen an der Universität Breslau. Den Doktortitel erhielt er am 12. September 1845 an der Universität Halle.[2]

Von April 1845 bis 1850 amtierte Levy als Rabbiner und Religionslehrer in Rosenberg in Oberschlesien.[3] Er war Anhänger der konservativen „Theologen-Versammlung“ des Zacharias Frankel. Nachdem er sein Amt wegen trüber „Intriguen“ niedergelegt hatte, zog er zurück nach Breslau, ohne sich vorher seiner beruflichen Möglichkeiten in Breslau vergewissert zu haben.[1] Dort lehrte er dann an der Religionsschule der Altgläubigen[2] und wurde 1857 Rabbinats-Assessor[4] in der Gemeinde Breslau. Später hatte er noch andere Funktionen inne, unter anderem war er von 1878 bis zu seinem Tod bei der Mora-Salomon-Leipziger-Stiftung beschäftigt.[1] 1857 wurde er Dajan in Breslau.

In Breslau gab es seit 1854 das Jüdisch-Theologisches Seminar Fraenckel'sche Stiftung, das von Zacharias Frankel geleitet wurde. Sein Hauptpublikationsorgan hieß Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums.[5] Aus einer Vortragsreihe über „verschiedene Geistesproducte des jüdischen Alterthums“, die Levy dort gehalten hatte, ging der „Verein zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums“ hervor, der sich Ende 1861 konstituierte und bald eine dreistellige Mitgliederzahl hatte.[6]

Im Jahre 1871 wurde Levy Klausrabbiner und Morenu des Leipziger Beth-Hamidrasch-Stifts in Breslau (Gartenstraße 43).

Levy war Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft.

Levy wurde besonders durch sein Neuhebräisches und chaldäisches Wörterbuch über die Talmudim und Midraschim (vier Bände, 1876–79) bekannt.[7] Im Juli 1875 verlieh ihm das preußische Ministerium den Titel „Königlicher Professor“. Er war ein Onkel von Ismar Elbogen.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • De indole atque origine cum recentiorum hebraicorum tum Mischnaicorum librorum. Dissertation, Halle 1845.
  • Die Präsidentur im Synhedrium. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. Herausgg. von Zacharias Frankel, 4. Jahrgang, Heft 7, Dresden, Breslau, Berlin 1855, S. 266 ff. (Digitalisat in Compact Memory).
  • Chaldäisches Wörterbuch über die Targumim und einen großen Theil des rabbinischen Schriftthums. Zwei Bände, Baumgärtner, Leipzig 1867–1868 (Digitalisat).
  • Neuhebräisches und chaldäisches Wörterbuch über die Talmudim und Midraschim. Vier Bände, Brockhaus, Leipzig 1876–1879 (Digitalisat).

Literatur

  • Allgemeine Zeitung des Judenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse in Betreff von Politik, Religion, Literatur, Geschichte, Sprachkunde und Belletristik. Hrsg. von Dr. Ludwig Philippson, IX. Jahrgang, No. 46, Leipzig 1845, S. 682 f. (Digitalisat bei Compact Memory).
  • Der Orient: Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. Hrsg. von Julius Fürst, VI. Jahrgang, No. 46, Leipzig 1845, S. 363 (Digitalisat bei Compact Memory).
  • Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts : eine Wochenschrift für Fortschritt und Reform im Judenthum. VI. Jahrgang, Nr. 33, Eisenach 1845, S. 272 (Digitalisat bei Compact Memory).
  • Der Orient. VIII. Jahrgang, No. 26, Leipzig 1847, S. 201 f. (Digitalisat bei Compact Memory).
  • Allgemeine Zeitung des Judenthums. XII. Jahrgang, No. 48, Leipzig 1848, S. 686 (Digitalisat bei Compact Memory).
  • Allgemeine Zeitung des Judenthums. XIV. Jahrgang, No. 19, Leipzig 1850, S. 252 (Digitalisat bei Compact Memory).
  • Verzeichniß der im Preußischen Staate auf Grund des Gesetzes vom 23. Juli 1847 gebildeten Synagogen-Gemeinden, nach Provinzen, Regierungs-Bezirken und Kreisen geordnet, mit Angabe ihrer Seelen- und Familienzahl, der in ihnen vorhandenen Synagogen, Institute, Vereine u. s. w., sowie der Namen ihrer Rabbiner, Cantoren, Vorstände, Repräsentanten und sonstiger Personalien. Nach amtlichen Quellen zusammengestellt. In: Ph. Wertheim (Hrsg.): Kalender und Jahrbuch auf das Jahr 5618 für die jüdischen Gemeinden Preußens. Berlin 1858, Anhang, S. 29.
  • Der Israelit. Centralorgan für das orthodoxe Judentum. X. Jahrgang, No. 27, Mainz 1869, S. 529 (Digitalisat bei Compact Memory).
  • Chaim David Lippe: Bibliographisches Lexicon der gesammten jüdischen Literatur der Gegenwart, und Adress-Anzeiger. Ein lexicalisch geordnetes Schema mit Adressen von Rabbinen, Predigern, Lehrern, Cantoren, Förderern der jüdischen Literatur in der alten und neuen Welt, nebst bibliographisch genauer Angabe sämmtlicher von jüdischen Autoren der Gegenwart publicirten, speciell die jüdische Literatur betreffenden Schriftwerke und Zeitschriften. Wien 1879-81, S. 282, Reprint: Hildesheim 2003.
  • William Zeitlin: Bibliotheca Hebraica Post-Mendelssohniana. Bibliographisches Handbuch der neuhebräischen Literatur. 2. Auflage, Leipzig 2 Bände 1891-95, S. 282; Reprint Hildesheim und New York 1980.
  • Salomon Wininger: Große Jüdische National-Biographie. Band 4, 1929, S. 71–72 (Digitalisat in der Freimann-Sammlung).
  • Isidore Singer, Caspar LeviasLevy, Jacob in der Jewish Encyclopedia 1901–1906 (englisch)
  • Levy, Jacob. In: Encyclopaedia Judaica. Band 10, Berlin 1934, Sp. 904–905.
  • Eintrag LEVY, Jakob,Prof. Dr. In: Michael Brocke und Julius Carlebach (Herausgeber), bearbeitet von Carsten Wilke: Biographisches Handbuch der Rabbiner. Teil 1: Die Rabbiner der Emanzipationszeit in den deutschen, böhmischen und großpolnischen Ländern 1781–1871. K·G·Saur, München 2004, ISBN 3-598-24871-7, S. 591 f.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Isidore Singer, Caspar Levias: Levy, Jacob in der Jewish Encyclopedia 1901–1906 (englisch).
  2. 2,0 2,1 Carsten Wilke: Die Rabbiner der Emanzipationszeit in den deutschen, böhmischen und großpolnischen Ländern 1781–1871 (= Biographisches Handbuch der Rabbiner. Teil 1). München 2004, ISBN 3-598-24871-7, S. 591.
  3. Heinrich Graetz: Tagebuch und Briefe. Mohr Siebeck, Tübingen 1977, ISBN 3-16-838762-2, S. 130.
  4. Salomon Wininger: Große Jüdische National-Biographie. Band 4, 1929, S. 71 f. (Digitalisat).
  5. Görge K. Hasselhoff: Idee und Leitgedanken des Bandes. In: Görge K. Hasselhoff (Hrsg.): Die Entdeckung des Christentums in der Wissenschaft des Judentums (= Studia Judaica. Bd. 54). de Gruyter, Berlin 2010, ISBN 978-3-11-024628-5, S. 3–18, hier S. 4.
  6. Marcus Pyka: Jüdische Identität bei Heinrich Graetz. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-56994-8, S. 219. Vgl. Allgemeine Zeitung des Judenthums. 26, 1862, S. 127 f., wo berichtet wird, dass Levys Vorträge während dreier aufeinander folgender Winter stattfanden, ehe der Verein gegründet wurde. S. auch Gábor Lengyel: Moderne Rabbinerausbildung in Deutschland und Ungarn. Ungarische Hörer in Bildungsinstitutionen des deutschen Judentums (1854–1938) (= Münsteraner Judaistische Studien. 26). Lit, Berlin, Münster 2012, ISBN 978-3-643-11725-0, S. 58 ff.
  7. Holger Preißler: Der Leipziger Orientalist Heinrich Leberecht Fleischer. In: Stephan Wendehorst (Hrsg.): Bausteine einer jüdischen Geschichte der Universität Leipzig. Leipzig 2007, ISBN 978-3-86583-106-4, S. 245–268, hier S. 261 Anm. 65.

Siehe auch


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Jakob Levy aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.