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Jüdische Rundschau

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Dieser Artikel behandelt die deutschen Zeitschriften. Zur schweizerischen Zeitschrift gleichen Namens siehe Tachles. Für die am 7. März 1939 in Jerusalem gegründete Jüdische Welt-Rundschau, siehe dort.

Jüdische Rundschau ist der Name zweier verschiedener jüdischer Periodika in Berlin. Die ursprüngliche Wochenzeitung erschien von 1902 bis zu ihrem Verbot 1938. Die heutige Monatszeitung Jüdische Rundschau erscheint seit 2014.

Historische Ausgabe

Jüdische Rundschau im Straßenverkauf, 1934

Die 1902 bis 1938 in Berlin erschienene Jüdische Rundschau war die auflagenstärkste und bedeutendste jüdische Wochenzeitung in Deutschland, die sich für die Wiedererrichtung eines eigenständigen Staates der Juden einsetzte. Als Herausgeber fungierte die Zionistische Vereinigung für Deutschland. Auf ihren Seiten wurden bedeutende Debatten über Funktion und Aufgabe zionistischer Politik im Sinne des auf dem ersten Zionistenkongress 1897 beschlossenen Baseler Programms geführt.[1] Außerdem berichtete sie ab 1933 über die erschwerten Existenzbedingungen der Juden in Deutschland und informierte auswanderungswillige Leser detailliert über Emigrationsmöglichkeiten.[2]

Sie gehörte neben der CV-Zeitung und dem Israelitischen Familienblatt zu den bestimmenden jüdischen Periodika in Deutschland. Die Zeitschrift war aus dem Berliner Vereinsboten (1895–1901) und der Israelitischen Rundschau (1901–1902) hervorgegangen. Herausgeber war Heinrich Loewe. Zu den Chefredakteuren im Laufe der Geschichte der Zeitschrift gehörten Julius Becker (1909–1913),[3] Felix Abraham (1913–1914), Hugo Hermann, Leo Hermann (1914–1918), Fritz Löwenstein (1918–1919), Hans Klötzel, Robert Weltsch und Hans Bloch.[4]

Die Jüdische Rundschau erschien ab 1902 zunächst wöchentlich, ab 1919 meist zweimal wöchentlich. Nach der Reichspogromnacht 1938 musste die Publikation ihr Erscheinen einstellen. Nachfolgerin wurde die bis zum Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1940 in Paris gedruckte und von dort in 60 Länder vertriebene Jüdische Welt-Rundschau. Sie wurde in Jerusalem von zahlreichen emigrierten Redaktionsmitgliedern der ehemaligen Jüdischen Rundschau gestaltet und von Siegmund Kaznelson verlegt.

Zu den einflussreichsten und wichtigsten Publizisten der Jüdischen Rundschau gehörte der Mitherausgeber Robert Weltsch. Sein Cousin Felix Weltsch, ein enger Freund Franz Kafkas, gab in Prag ab 1919 das tschechoslowakische Zentralorgan der Zionisten, die deutschsprachige Selbstwehr (1907–1938), heraus.

Nach Massenabschiebungen, massivem Ausbau von Konzentrationslagern und mannigfaltigen Diskriminierungen erschien die letzte Ausgabe der Jüdischen Rundschau am 8. November 1938, einen Tag vor der Reichspogromnacht.[5]

Auflagenzahlen

  • 1926: 10.000[6]
  • 1931: 15.000
  • 1934: 37.000
  • 1935: 37.000
  • 1937: 37.000
  • 1938: 25.300

Jüdische Rundschau im Verlag J.B.O. (seit 2014)

Seit Anfang Juli 2014 erscheint eine deutschsprachige Monatszeitung unter dem Titel Jüdische Rundschau im Verlag Jewish Berlin Online GmbH (J.B.O.) mit einer Startauflage von 7.000 Exemplaren. Mit der historischen Ausgabe hat diese aber nur den Namen gemein. Herausgeber der Zeitung ist der Berliner Immobilien-Unternehmer Rafael Korenzecher. Im gleichen Verlag erscheint auch die russischsprachige Ausgabe Jewrejskaja Panorama (Еврейская панорама). Die Redaktion möchte gegen die „Dämonisierung und Delegitimierung des Staates Israel – der einzigen vorhandenen Demokratie im gesamten Mittleren Osten“ – anschreiben.[7] Außerdem gehört zu den Zielsetzungen, ein „heute häufig verzerrtes und unvollständiges Medienbild von Israel sinnvoll zu konterkarieren“.[8]

Literatur

  • Katrin Diehl: Die jüdische Presse im Dritten Reich: zwischen Selbstbehauptung und Fremdbestimmung. Niemeyer, Tübingen 1997. ISBN 3-484-65117-2. Zugl.: München, Univ., Diss.
  • Michael Nagel: Die „Kinder-Rundschau“, Beilage der „Jüdischen Rundschau“ zwischen 1933 und 1938. In: Michael Nagel (Hrsg.): Zwischen Selbstbehauptung und Verfolgung: deutsch-jüdische Zeitungen und Zeitschriften von der Aufklärung bis zum Nationalsozialismus. Olms, Hildesheim 2002. ISBN 3-487-11627-8, S. 315–350
  • Arndt Kremer: „...wir Juden machen jetzt eine ähnliche Bewegung durch wie Deutschland in den Jahren 1770 bis 1870.“ Das Konzept der sprachbestimmten deutschen Kulturnation und das kulturzionistische Sprachprojekt in der Zeitschrift ‚Jüdische Rundschau‘. In: Eleonore Lappin (Hrsg.): Deutsch-jüdische Presse und jüdische Geschichte: Dokumente, Darstellungen, Wechselbeziehungen. Band 1: Identität, Nation, Sprache – jüdische Geschichte und jüdisches Gedächtnis – der Westen im Osten, der Osten im Westen – Konzepte jüdischer Kultur, 2008, S. 319–336. ISBN 9783934686595
  • Michael Nagel: Jüdische Rundschau. In: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Band 3: He–Lu. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02503-6, S. 253–255.
  • Sabrina Schütz: Die Konstruktion einer hybriden ‚jüdischen Nation‘. Deutscher Zionismus im Spiegel der Jüdischen Rundschau 1902 – 1914. Mit 3 Abbildungen (Formen der Erinnerung, Bd. 68). Göttingen 2019. ISBN 978-3-8471-0930-3. Zugl.: Regensburg, Univ., Diss.
  • Simon Justus Walter: Kein Sonderweg des deutschen Zionismus. Die arabische Frage in der ‚Jüdischen Rundschau‘. Düsseldorf, Univ.-Diss. 2019

Weblinks

 Wikisource: Zeitschriften (Judaica) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Alfried Schmitz: Vor 120 Jahren: Der erste zionistische Weltkongress in Basel Deutschlandfunk, 29. August 2017.
  2. Thomas von der Osten-Sacken: Aufstieg und Fall einer zionistischen Zeitung: Die Jüdische Welt-Rundschau
  3. Der Erste Weltkrieg im Spiegel zweier zionistischer Zeitungen (Jüdische Zeitung, Jüdische Rundschau) in Österreich und Deutschland, S. 11, univie.ac.at
  4. Jüdische Rundschau in: Dan Diner: Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur: Band 3: He–Lu, Springer-Verlag, 2016, S. 254 [1]
  5. Jüdische Rundschau, 8. November 1938, Faksimile
  6. John F. Oppenheimer (Red.) u. a.: Lexikon des Judentums. 2. Auflage. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh u. a. 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 897–898.
  7. Thomas Klatt: Antisemitismus aufdecken, Deutschlandradio Kultur vom 18. Juli 2014, abgerufen am 19. April 2017.
  8. Jüdische Rundschau. Über uns

Artikel (Auswahl)

Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Jüdische Rundschau aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.