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Italienische Konzentrationslager

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Italienische Konzentrationslager wurden im Anschluss an den Zweiten Italienisch-Libyschen Kolonialkrieg in den Jahren 1930 bis 1933 vom Königreich Italien in der damaligen Kolonie Italienisch-Libyen errichtet. Weitere Konzentrationslager entstanden in Italien und den annektierten Gebieten des Königreichs Jugoslawien im Zweiten Weltkrieg ab dem 10. Juni 1940, ab September 1943 in der Italienischen Sozialrepublik bis zum 2. Dezember 1945.

Libyen 1930–1933

Das Königreich Italien versuchte unter Mussolini Lebensraum (spazio vitale) in Afrika zu gewinnen. Im Verlauf des Zweiten Italienisch-Libyschen Kolonialkrieges wurden die unterworfenen und deportierten Bevölkerungsteile aus Marmarica und dem Djebel al-Akhdar im Zweiten Italienisch-Libyschen Krieg ab 1930 interniert. Damit wollte das faschistische Italien den aufständischen Sanusiya der Cyrenaika unter ihrem Anführer Umar al-Muchtar mit einer genozidalen Kriegführung die Basis entziehen. Etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung der Cyrenaika starben durch die Deportation und Haft.[1][2]

Konzentrationslager in Libyen 1930–1933
Name des KZ Ort des KZ Land Gründungsdatum des KZ Auflösungsdatum des KZ Geschätzte Anzahl der Inhaftierten [3] Geschätzte Anzahl der Toten
Abyar Abyar Libyen 1930 1933 3,123  
Agedabia Adschdabiya Libyen 1930 1933 10.000 1.500
El-Agheila El Agheila Libyen 1930 1932 10.900  
Marsa al Brega Brega Libyen 1931 1933 21.117  
Sidi Ahmed el-Maghrun El Magrun Libyen 1930 1933 13.050 4.500
Soluch Suluq Libyen 1930 1933 20.123 5.500
Giado Jadu Italienisch-Libyen Januar 1942 24. Januar 1943 3.146[4] 562

Italienisch-Ostafrika 1935–1941

In Italienisch-Ostafrika, den heutigen Staaten Eritrea, Äthiopien und Somalia, gingen die italienischen Truppen im Abessinienkrieg und der anschließenden Annexion mit äußerster Härte gegen die dortige Bevölkerung vor. Das Gebiet sollte durch eine Strategie des Massenterrors befriedet werden. Anders als an anderen Gewaltschauplätzen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts waren Konzentrationslager nicht die zentrale Institution der Verfolgung. Angehörige des Widerstandes wurden nach der Gefangennahme exekutiert und nur ein paar Hundert Mitglieder der Aristokratie erhielten eine Chance zum Überleben in Gefängnissen. In Eritrea und Somalia entstand je ein Straflager für politische Gefangene.[5]

Konzentrationslager in Italienisch-Ostafrika 1935–1941
Name des KZ Ort des KZ Land Gründungsdatum des KZ Auflösungsdatum des KZ Geschätzte Anzahl der Inhaftierten [3] Geschätzte Anzahl der Toten
Danane Mogadishu Italienisch-Somaliland 1935 1941 6.000 3.175[6]
Nocra Nocra Italienisch-Ostafrika (heute Eritrea) 1936 1941    

Europa 1938–1945

Datei:Campo internamento Campagna 4.JPG
Internierungslager Campagna
Datei:Caserma Concezione.jpg
Caserma Concezione

Nach der teilweisen Besetzung und Annexion Jugoslawiens durch Italien im Jahr 1941 wurde zur Repression gegen die jugoslawische Untergrundbewegung die gleiche Strategie der verbrannten Erde, der ethnischen Säuberungen, der Geiselnahme und der italienischen Kolonisation angewendet wie zuvor in Afrika.[7] Geschätzte 100.000 bis 150.000 Jugoslawen wurden in einer unbekannten Zahl von Konzentrationslagern (campi per slavi) interniert und wegen der zunehmenden Überfüllung in umgewandelte Kasernen, Kriegsgefangenenlager (campi per ex-yugoslavi) und Konzentrationslager des Innenministeriums auf italienischem Territorium deportiert.[8][9]

Auch in Albanien, Griechenland und Frankreich wurden italienische Konzentrationslager zur Repression eingerichtet.[10][11]

Nach den italienischen Rassengesetzen wurden die Juden ab 1938 mit dem Ziel, sie zur Auswanderung zu bewegen, diskriminiert. Mit dem Kriegseintritt Italiens im Juni 1940 wurden die ausländischen und als gefährlich betrachtete inländische Juden wie Angehörige von Feindstaaten behandelt und teilweise in Konzentrationslagern interniert. Bis zum Waffenstillstand von Cassibile im September 1943 lebten die Juden unter den Härten der Internierung und der Rassengesetze im italienischen Machtbereich besser als Juden irgendwo im NS-Machtbereich.[12]

Nach Mussolinis Sturz besetzte die Wehrmacht (Fall Achse) im Herbst 1943 Italien und die Italienische Sozialrepublik wurde errichtet. In der Charta von Verona erklärten die italienischen Faschisten alle Juden zu feindlichen Ausländern. Am 30. November 1943 wurde durch den Innenminister Guido Buffarini-Guidi ihre Verhaftung und Einlieferung in italienische Konzentrationslager angeordnet. Friedrich Bosshammer organisierte beim BdS Italien in Verona die Endlösung der Judenfrage. Deutsche Durchgangs- und Sammellager für die Deportationen in Italien waren Polizeihaftlager Borgo San Dalmazzo, Durchgangslager Fossoli, Risiera di San Sabba und Durchgangslager Bozen.[13] Über 9.000 Juden wurden zwischen Oktober 1943 und Dezember 1944 verschleppt, zum allergrößten Teil nach Auschwitz.

Konzentrationslager in Europa
Name des KZ Ort des KZ Land Gründungsdatum des KZ Auflösungsdatum des KZ Geschätzte Anzahl der Inhaftierten Geschätzte Anzahl der Toten
Bakar Kroatien 31. Dezember 1942 1. Juli 1943 893[14]  
Baranello Campobasso        
Durchgangslager Bozen Bozen 8. September 1943 29. April und 3. Mai 1945 11.000  
Cairo Montenotte Cairo Montenotte 1942 1943    
Campagna Salerno 15. Juni 1940 19. September 1943    
Caserma Diaz Rijeka (Fiume)       33
Casolli Chieti        
Chiesanuova Padua Jun 1942 Sep 1943    
Cremona        
Ferramonti di Tarsia Cosenza Sommer 1940 4. September 1943 3,800  
Finale Emilia Modena        
Fraschette Alatri 1942 1944    
Gonars Palmanova März 1942 8. September 1943 7.000 453; >500
Kraljevica (Porto Re) Kraljevica 1942 September 1943    
Lipari        
Malo Venedig        
Molat (Melada) Molat Kroatien Juni 1942 September 1943 20.000 1.000
Monigo Treviso Juni 1942 September 1943   232
Montechiarugolo Parma        
Pisticci Pisticci 1939 13. September 1943    
Ponza        
Potenza        
Rab (Kampor oder Arbe) Rab Kroatien Juli 1942 11. September 1943 10.000; 15.000 2.000 >3.500; 4.000
Renicci di Anghiari Arezzo Oktober 1942 September 1943    
Risiera di San Sabba Trieste Oktober 1943 April 1945 > 11.500 4.000–5.000
Sepino Campobasso        
Treviso        
Urbisaglia        
Vestone        
Vinchiaturo Campobasso        
Visco Palmanova Winter 1942 September 1943   23
Zlarin Zlarin Kroatien März 1943 Juni 1943 2.500 26
Durchgangslager Fossoli Carpi Mai 1942 März 1944    

Gemeinnützige Organisationen

Da Italien die Genfer Konvention erfüllen wollte und auch gute Beziehungen zum Vatikan aufrechterhalten wollte, gestattete es zahlreiche Besuche des Internationalen Roten Kreuzes und von kirchlichen Delegationen in den Konzentrationslagern. Unter starker Überwachung durfte auch die Vereinigung der italienischen jüdischen Gemeinden und die DELASEM über Korrespondenten bis zum Einmarsch der Deutschen im September 1943 Kontakt zu den internierten Juden halten und sie materiell und bei ihren Auswanderungsbemühungen unterstützen.

Das Internationale Rote Kreuz bemühte sich trotz vieler Hemmnisse die Internierten zu unterstützen. Auch kirchliche Vertretungen organisierten materielle Unterstützung, verfassten Berichte und setzten sich für die freie Religionsausübung der Juden ein. Eine offizielle Verurteilung der Vorgänge in den Konzentrationslagern erfolgte aber durch keine der beiden Organisationen.[15]

Weblinks

Siehe auch

Literatur

  • Carlo Spartaco Capogreco: I campi del duce. L’internamento civile nell’Italia fascista (1940-1943), Torino 2004 (Einaudi)
  • Luigi Reale: Mussolini's Concentration Camps for Civilians: An Insight Into the Nature of Fascist Racism. Vallentine Mitchell 2011, ISBN 978-0-85303-884-9
  • Davide Rodogno: Fascism’s European Empire: Italian Occupation During the Second World War. Cambridge. Cambridge University Press 2006, ISBN 978-0-521-84515-1
  • Klaus Voigt: Zuflucht auf Widerruf - Exil in Italien 1933-1945. Klett-Cotta 1993, Band 2, ISBN 3-608-91160-X

Einzelnachweise

  1. Aram Mattioli: Die vergessenen Kolonialverbrechen des faschistischen Italien in Libyen 1923–1933. S. 216 f.
  2. Aram Mattioli: Die vergessenen Kolonialverbrechen des faschistischen Italien in Libyen 1923–1933. S. 219 und De Boca: Faschismus und Kolonialismus – Der Mythos von den anständigen Italienern. S. 195
  3. 3,0 3,1 Michael R. Ebner. Geoff Simons. Ordinary Violence in Mussolini's Italy. New York, New York, USA: Cambridge University Press, 2011. P. 261.
  4. Maurice M. Roumani: The Jews of Libya. Sussex Academic Press 2007, S. 34.
  5. Aram Mattioli: Ein vergessenes Schlüsselereignis der Weltkriegsepoche. In: Der erste faschistische Vernichtungskrieg. Hrsg.: Asserate und Mattioli, SH-Verlag, ISBN 3-89498-162-8, S. 17 f.
  6. Donatella Strangio. The Reasons for Underdevelopment: The Case of Decolonisation in Somaliland. Springer, 2012. P. 5.
  7. Rodogno, Davide: Fascism's European Empire: Italian Occupation During the Second World War. Cambridge. Cambridge University Press 2006, ISBN 978-0-521-84515-1 S. 335 f.
  8. Rodogno, Davide: Fascism's European Empire: Italian Occupation During the Second World War. Cambridge. Cambridge University Press 2006, ISBN 978-0-521-84515-1 S. 349 f.
  9. Carlo Spartaco Capogreco: I campi del duce. Giulio Einaudi 2004, ISBN 88-06-16781-2, S. 251 ff.
  10. Rodogno, Davide: Fascism's European Empire: Italian Occupation During the Second World War. Cambridge. Cambridge University Press 2006, ISBN 978-0-521-84515-1 S. 349 f.
  11. Carlo Spartaco Capogreco: I campi del duce. Giulio Einaudi 2004, ISBN 88-06-16781-2, S. 257 ff.
  12. Susan Zuccotti: The Italians And The Holocaust, Basic Books 1987, ISBN 1-870015-03-7, S. 8.
  13. Liliana Picciotto Fargion: Italien. in: Dimension des Völkermords. Hrsg.: Wolfgang Benz, Oldenbourg 1991, ISBN 3-486-54631-7, S. 202 ff.
  14. Bakar concentration camp, Online Research project
  15. Luigi Reale: Mussolini´s Concentration Camps for Civilians. Vallentine Mitchell 2011, ISBN 978-0-85303-884-9, S. 160.


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