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Israelitischer Friedhof Magdeburg

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Datei:Jüdischer Friedhof Magdeburg Eingangstor.jpg
Israelitischer Friedhof Magdeburg, Eingangstor
Datei:Jüdischer Friedhof Magdeburg Mauer.jpg
Friedhofsmauer am Fermersleber Weg
Datei:Jüdischer Friedhof Magdeburg Tafel.jpg
Tafel Israelitischer Friedhof am Friedhofseingang

Der Israelitische Friedhof Magdeburg ist ein jüdischer Friedhof im zur Stadt Magdeburg in Sachsen-Anhalt gehörenden Stadtteil Leipziger Straße.

Lage und Anlage

Der Friedhof befindet sich auf der nördlichen Seite des Fermersleber Wegs an der Adresse Fermersleber Weg 46.[1] Die Friedhofsfläche umfasst 15.500 m².[2]

Auf dem Friedhof wurden etwa 3.000 Menschen (Stand 1998) beigesetzt. Die Zahl der Grabsteine wird mit 2250 (Stand 1998) angegeben.[3] Es sind viele historische Grabmale vor allem aus dem 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, darunter auch im Stil des Klassizismus gestaltete, erhalten. Die Inschriften der Grabmäler sind in hebräischer und deutscher Sprache verfasst. Häufig finden sich auf den Grabsteinen jüdische Symbole wie Davidsschild, Levitenkanne, segnende Hände, Leuchter oder Krone. Bemerkenswert sind drei Grabsteine aus dem 13. Jahrhundert, die ursprünglich vom historischen jüdischen Friedhof, dem bis 1493 bestehenden Judenkever Buckau, stammen und in Häusern der Magdeburger Altststadt vermauert waren. Bei Entrümmerungsarbeiten nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ein Grabstein im Haus Große Münzstraße 6 und zwei im Haus Breiter Weg 198 gefunden, von Werner Priegnitz gesichert. Die Grabsteine gehören zu den ältesten erhaltenen jüdischen Grabdenkmälern Europas.[4]

Die 1864 errichtete Feierhalle gilt als typischer jüdischer Sakralbau der Gründerzeit. Im örtlichen Denkmalverzeichnis ist der Friedhof unter der Erfassungsnummer 094 06157 als Baudenkmal verzeichnet.[5]

Für die 36 im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder der Magdeburger Gemeinde wurde ein auch heute erhaltenes Ehrengrab angelegt. An dem Grab wird auch den eine Millionen in Konzentrationslagern ermordeten Kindern gedacht.

Geschichte und Architektur

Der Friedhof wurde im Jahr 1816 in der Sudenburger Feldmark begründet. Andere jedoch unrichtige Angaben nennen das Jahr 1813.[6] Die Magdeburger Synagogengemeinde hatte sich zuvor mit einem Schreiben des israelitischen Syndikus Samuel Issak Elbthal vom 15. November 1815 an den Magdeburger Magistrat gewandt und um den Verkauf bzw. die Vergabe einer Erbpacht zur Anlage eines Friedhofs gebeten. Das Grundstück sollte ein bis zwei Morgen groß und hochwassersicher gelegen sein. Der Magistrat lehnt das Ersuchen ab. Der Synagogengemeinde gelang es jedoch trotzdem ein zwei Morgen großes Ackergrundstück südlich der Stadt Magdeburg am heutigen Fermersleber Weg zu erwerben. Magistrat und Polizeidirektion stimmten der Nutzung als Friedhof zu, so dass die Nutzung ab 1816 erfolgte.

1838 wurde von der Synagogengemeinde eine israelitische Beerdigungsgesellschaft Chewra Kadischa (Heilige Bruderschaft) gegründet, die die Bestattungen unter Beachtung der religiösen Rieten vornahm und für bedürftige Gemeindemitglieder auch kostenlose Beerdigungen gewährleistete.

In der Zeit nach 1860 wurde das Gebiet des Friedhofs erweitert. Zugleich erfolgte der Bau einer Friedhofsmauer. Auch wurde 1864 die zweigeschossig Feierhalle mitsamt Wohnung für einen Friedhofswärter nach einem Entwurf des Baurats Johann Heinrich L´hermet und drei Gewächshäuser gebaut. Das aus Backstein errichtete Gebäude ist mit Schlüssellochfenstern versehen und verfügt über Spitzbögen im maurischen Stil. Der Portikus ist mit zierlichen Säulen versehen. Die Bleiverglasung ist noch im Original erhalten. 1898 wurde das Gebäude nach einem Entwurf von Ferdinand Dabelow erweitert und dabei der Feierraum vergrößert.

Im Jahr 1912 wurde eine weitere Erweiterungsfläche angekauft.

Im Zeitraum der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft blieb der Friedhof von Übergriffen verschont. Weder Grabdenkmale noch Gebäude wurden geschändet. Während des Zweiten Weltkriegs kam es jedoch bei Luftangriffen durch Bombentreffer zu Schäden an Gebäuden und Gräbern sowie an der Friedhofsmauer. 1.500 Mitglieder der Magdeburger Synagogengemeinde wurden jedoch in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet.

Nach Kriegsende dauerte es mehrere Jahre bis ausreichend Mittel zu einer Beseitigung der Kriegsschäden zur Verfügung standen.

1988 wurde in der Trauerhalle eine vom Bildhauer Josef Bzdok geschaffene Menora aufgestellt.

Gräber bekannter Persönlichkeiten

Auf dem Friedhof befindet sich das Grab der bekannten Magdeburger Zirkusfamilie Blumenfeld.

Literatur

  • Folkhard Cremer, Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, Regierungsbezirk Magdeburg, Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2002, ISBN 3-422-03069-7, Seite 602.
  • Hans-Joachim Krenzke, Magdeburger Friedhöfe und Begräbnisstätten, Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt Magdeburg 1998, Seite 148 ff.
  • Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 192.

Weblinks

 Commons: Israelitischer Friedhof Magdeburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hans-Joachim Krenzke, Magdeburger Friedhöfe und Begräbnisstätten, Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt Magdeburg 1998, Seite 150
  2. Jutta Dick, Marina Sassenberg (Herausgeber), Wegweiser durch das jüdische Sachsen-Anhalt, Verlag für Berlin-Brandenburg Potsdam 1998, ISBN 3-930850-78-8, Seite 392
  3. Jutta Dick, Marina Sassenberg (Herausgeber), Wegweiser durch das jüdische Sachsen-Anhalt, Verlag für Berlin-Brandenburg Potsdam 1998, ISBN 3-930850-78-8, Seite 392
  4. Hans-Joachim Krenzke, Magdeburger Friedhöfe und Begräbnisstätten, Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt Magdeburg 1998, Seite 148
  5. Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19. 03. 2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Magdeburg.pdf, Seite 4649.
  6. Jutta Dick, Marina Sassenberg (Herausgeber), Wegweiser durch das jüdische Sachsen-Anhalt, Verlag für Berlin-Brandenburg Potsdam 1998, ISBN 3-930850-78-8, Seite 392
52.10784111.612592


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