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Isra'iliyyat

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Isrā’īliyyāt (arabisch ‏اسرائیلیات‎) ist ein Begriff aus dem Islam, der religiöse Schriften bezeichnet, die auf jüdischer Tradition beruhen. Jüdische und christliche Überlieferungen aus der Tora bzw. den Evangelien werden von einigen islamischen Kommentatoren benutzt, um gewisse Koranverse zu erklären. Innerhalb der islamischen Orthodoxie ist die Haltung gegenüber den Isrā’īliyyāt nicht eindeutig. Der Begriff ist von Israeliten abgeleitet.

Definition

Der Ausdruck Isrā’īliyyāt (Einzahl Isrā’īliyyāh) wird von unterschiedlichen islamischen Gelehrten benutzt, um fremdes Material insbesondere von jüdischer und christlicher Herkunft zu bezeichnen, das seinen Weg in verschiedene Arten islamischer Literatur gefunden hat, darunter auch in die Koranexegese. Dieses Material wurde teilweise in Form von Erzählungen überliefert, die sich mit den Ursprüngen des Universums befassen, oder mit früheren Propheten und ihren Völkern. Diese Überlieferungen begannen schon in der ersten Generation von Muslimen nach dem Tod des Propheten. Da diese Überlieferungen auf Texten der Kinder Israels (Banī Isrā'īl, arabisch ‏بني إسرائيل‎) beruhen, wurden sie Isrā’īliyyāt genannt. Im weitesten Sinn des Begriffs wird Isrā’īliyyāt von anderen muslimischen Gelehrten zur Bezeichnung jedes fremden Elements in der Exegese verwendet.[1]

Geschichte

In den ersten Jahrhunderten der Geschichte des Islams war die Auslegung des Korans mit Hilfe von Isrā’īliyyāt unter Juden und Christen, die zum Islam übergetreten waren, weit verbreitet. Zu den bekanntesten dieser Kommentatoren gehört der zum Islam übergetretene Jude Kaʿb al-Ahbār.[2] Der Koran enthält viele Erzählungen, die nicht nur den biblischen Text, sondern auch Überlieferungen aus der mündlichen Tora (Talmud und Midrasch) widerspiegeln. In der nachkoranischen Epoche ergab sich durch Isrā’īliyyāt ein Einfluss des Judentums auf den Islam. Zu den Isrā’īliyyāt gehören neben Erzählungen aus dem Talmud und Midrasch auch Lebensbeschreibungen jüdischer Propheten und frommer Menschen mit Bezug zu den Banī Isrā'īl.

Orthodoxe Haltung gegenüber Isrā’īliyyāt

Der übermäßige Gebrauch von Isrā’īliyyāt begünstigte nach muslimischer Anschauung die Einführung zweifelhafter, unglaubwürdiger Geschichten. Aus diesem Grund wird diese Methode innerhalb der islamischen Orthodoxie in der Regel negativ wahrgenommen. Isrā’īliyyāt wurden als zweitrangige, indirekte Nachweise zu verschiedenen Aspekten der islamischen Primärquellen angesehen.

Die islamische Orthodoxie hat Isrā’īliyyāt als Beweis für bestimmte Verse des Korans nicht vollständig zurückgewiesen. Sie übernimmt solche Überlieferungen als Beweisgrund für Fälle, die nicht im Widerspruch zu Koran und Sunna stehen.[3]

Kategorien

Die Isrā’īliyyāt-Überlieferungen lassen sich in drei Kategorien einteilen:

  • Vertrauenswürdige Überlieferungen, deren Wahrheitsgehalt nicht in Zweifel gezogen wird.
  • Erzählungen im Widerspruch zum Koran gelten als fabriziert und unwahr.
  • Zweifelhafte Erzählungen, die weder akzeptiert noch abgelehnt werden.

Einzelnachweise

  1. Abd Alfatah Twakkal: Ka‘b al-Ahbār and the Isrā’īliyyat in the Tafsīr Literature. S. 9
  2. A. A. Əlizadə: Islamisches enzyklopädisches Wörterbuch
  3. Artikel „Исраилият“ in: A. A. Əlizadə: Islamisches enzyklopädisches Wörterbuch

Literatur