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Isaak Goldstein

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"Grossrabbiner" Isaak Goldstein.
Foto: dpa (keine bessere Qualität erhältlich)

Isaak Goldstein (geb. 1896 in Budapest; gest. 1962 an einem Herzleiden in Berlin) war ein zweifelhafter deutscher Rabbiner, dem einige auch den Vorwurf des Neonazismus machten.

Im Westen der Stadt Berlin (im Osten amtierte Martin Riesenburger) stellte die rund 6000 Mitglieder zählende Gemeinde nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen, einen Rabbiner zu finden, im Januar 1957 einen gewissen "Dr. Isaak Goldstein" ein, der angeblich "Grossrabbiner" von Bukarest gewesen sei. In Berlin angekommen, beanspruchte er sogleich den Titel "Oberrabbiner des Landes Berlin". Als die Gemeinde Erkundigungen über Goldstein einzog, erhielt sie die Auskunft, dass er nur für kurze Zeit als Rabbiner einer kleinen rumänischen Gemeinde amtiert hatte und dass er in Bukarest unter dem Namen "Pater Erwin" (oder auch "Dr. Erwin Pater") bekannt sei. Zudem sei Goldstein in Rumänien, Israel und Frankreich wegen verschiedener Delikte auffällig geworden. Manchen Angaben zufolge sei er gar zum Christentum übergetreten.

Noch vor den Hohen Feiertagen wurde Goldstein im September 1957 fristlos entlassen.

Der gefeuerte Rabbiner rächte sich auf seine Weise. So führte er im Januar 1960 ein Interview mit der "Deutschen Soldaten-Zeitung", in dem er den Holocaust in Rumänien verharmloste und zudem dem rechtsradikalen Blatt "bewunderungswürdige Klarheit ... und Mut zugestand", während er die Vertreter der Jüdischen Gemeinde, gegen die er auch vor Gericht zog, heftig verurteilte.

Goldsteins Frau Georgette publizierte später ein Buch über diese Affäre, die in der nicht gerade eintönigen Geschichte der Juden in der Bundesrepublik gewiss eine der skurrilsten Episoden darstellt.

Die Nummer 16 der Deutschen Soldaten-Zeitung und National-Zeitung 1962 erschien mit schwarzem Trauerrand. Die Aufmachung war dem zehn Tage zuvor verstorbenen ehemaligen Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Isaak Goldstein, gewidmet. Der schwarz umrandete Gedenkartikel „Großrabbiner Goldstein tot“ stammte aus der Feder des Herausgebers und Chefredakteurs Gerhard Frey. Der Autor schien zu wissen, woran Goldstein gestorben war: In seinem Nachruf zitierte er triumphierend aus dem Pfälzer Tageblatt, dass „die Vorkämpfer des Friedens und der Versöhnung immer wieder auf den unermüdlichen Hass der Fanatiker“ stiessen. Ein Beispiel sei der Fall der ungarischjüdischen Autorin Laczko, der Gattin Isaak Goldsteins, deren Buch über das Leben ihres Mannes auf Antrag des Generalstaatsanwalts durch das Amtsgericht Berlin-Tiergarten für das Bundesgebiet beschlagnahmt worden war. Das Pfälzer Tageblatt berichtete dazu, Frau Goldstein habe von „planmässigen Verfolgungen, Beleidigungen und Verleumdungen“ gesprochen, die „in ihrer Art mörderisch hätten wirken können und den sensiblen, nicht mehr allzu jungen Rabbiner und Gelehrten fast an den Rand des Grabes brachten“.

Die Deutsche Soldaten-Zeitung griff diesen Gedanken gierig auf und spann ihn weiter: „Sie brachten Dr. Goldstein nicht nur 'an den Rand des Grabes', sondern im wahrsten Sinne des Wortes ins Grab. Der Grossrabbiner wurde zu Tode gehetzt. Sein Herz hielt all den Verfahren nicht mehr stand.“ Schliesslich drohte Frey am Schluss: „Seinen Feinden möchten wir in diesem Augenblick sagen, dass der Kampf nicht zu Ende ist, sondern, dass er erst beginnt.“ Eine Seite weiter erfuhren dann auch die Leser der Soldaten-Zeitung, wer die Feinde wären, die angeblich Isaak Goldstein ins Grab brachten. Drei Bilder wurden dort veröffentlicht: Vom Vorsitzenden des Direktoriums des Zentralrates der Juden in Deutschland und Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden zu Berlin, Heinz Galinski, vom Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Hendrik van Dam, und vom Herausgeber der Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland, Karl Marx. Zu jedem Namen hiess es in den Bildunterschriften: „Goldstein-Feind“.

Genau mit dem Erscheinungsdatum der Soldaten-Zeitung ging jedoch bei der 3. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf ein Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung gegen Frey als Herausgeber und Chefredakteur des Blattes ein. Antragsteller waren Galinski, van Dam und Marx. Drei Tage später beschloss die Zivilkammer: „Dem Antragsgegner wird unter Androhung einer für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Geldstrafe in unbeschränkter Höhe oder einer Haftstrafe bis zu sechs Monaten verboten, durch Veröffentlichung in der Deutschen Soldaten-Zeitung und National-Zeitung oder in anderer Weise die Ansicht zu verbreiten, dass die Antragsteller den verstorbenen ehemaligen Gemeinderabbiner der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Isaak Goldstein „als einen Vorkämpfer des Friedens und der Versöhnung aus unlauteren Motiven, insbesondere als Fanatiker des Hasses verfolgt hätten und dass die Antragsteller den Tod des Isaak Goldstein verschuldet hätten, insbesondere, dass sie ihn zu Tode gehetzt hätten.“

Hinweis

Der Artikeltext beruht in Teilen auf einem entsprechenden Text ("Rückblende 1957. Rabbinerskandal in Berlin") in der Jüdischen Allgemeinen, Ausgabe vom 10. Januar 2013, Seite 3 (Autor: Michael Brenner), sowie auf einem Nachruf im "Spiegel" (Ausgabe 17/1962).


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