Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Isaac Breuer

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Isaac Breuer
Isaac Breuer (aufgenommen im Frühjahr 1946)

Isaac Breuer (geb. 18. September 1883 in Pápa, Österreich-Ungarn; gest. 10. Juli 1946 in Jerusalem, Völkerbundsmandat für Palästina) war ein deutscher Philosoph und ein bedeutender Vertreter des orthodoxen Judentums.

Leben

Breuer, ein Enkel von Samson Raphael Hirsch, wuchs in Frankfurt am Main auf, wo sein Vater Salomon Breuer Rabbiner und Leiter einer talmudischen Lehranstalt war. Er heiratete 1916 Jenny Eisenmann, sie hatten die Kinder Jacob (1916–2008)[1], Mordechai (1918–2007), Ursula (1919–2006)[2], Zippora (1927– ) und Pal (1936– ).[3]

Breuer studierte an den Universitäten Straßburg und Marburg Jura und Philosophie. Er war Gründer des Bundes Jüdischer Akademiker (B.J.A.) in Straßburg. Von 1915 bis 1918 leistete er Militärdienst in der deutschen Armee. Er war im Völkerbundsmandat für Palästina in der 1912 in Kattowitz von ihm mitgegründeten orthodox-jüdischen Arbeiterpartei Poalei Agudat Israel aktiv und setzte sich für die Rechte der Arbeiter ein. Bis 1936 war er in Frankfurt als Rechtsanwalt tätig. Im Gefolge der deutschen Judenverfolgung musste er nach Palästina emigirieren, wo er als Anwalt arbeitete und die Partei Poalei Agudat Israel 1937 bei der Peel-Kommission und 1946 beim Anglo-amerikanischen Untersuchungskomitee vertrat.

Neben seiner juristischen Tätigkeit veröffentlichte Breuer Schriften, in denen er sich mit jüdischen, philosophischen, aber auch politischen Themen, vor allem mit dem Zionismus, auseinandersetzt. Dabei sah er sich in der Nachfolge seines Großvaters, allerdings geprägt durch seine Auffassung der kantischen Philosophie. Das durch die Tora offenbarte Gottesgesetz ist Grundlage der jüdischen Religion und Nation. Von dieser Überzeugung ausgehend, setzte Breuer sich intensiv mit dem Problem der Bibelkritik auseinander. Im politischen Bereich trat Breuer zwar für einen jüdischen Staat ein, allerdings verweigerte er sich dem Zionismus, da dieser seiner Meinung nach eine Säkularisierung und Aufgabe der jüdischen Eigenständigkeit darstellt. Er war bis zu seinem Tod ein bedeutender Vertreter der nichtzionistischen jüdischen Orthodoxie. Kurz vor seinem Tod beendete er noch die Niederschrift seiner autobiografischen Schrift Mein Weg.[4]

Er war Mitglied der Kant-Gesellschaft.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Der Rechtsbegriff auf Grundlage der Stammlerschen Sozialphilosophie. Kantstudien : Ergänzungshefte ; 27. Berlin : Reuther & Reichard, 1912
  • Judenproblem. Hendel, Halle (Saale) 1918.
  • Messiasspuren. R.L. Hammon, Frankfurt am Main 1918.
  • Elischa. J. Kauffmann, Frankfurt am Main 1928
  • Der neue Kusari. Verlag der Rabbiner-Hirsch-Gesellschaft, Frankfurt am Main 1934
  • Mordechai Breuer (Hrsg.): Weltwende. Jerusalem : Ahva, 1979. Enthält Weltwende (1938) und Zur Erinnerung an das deutsche Judentum (1942)

Literatur

  • Breuer, Isaac, in: Encyclopaedia Judaica, Band 4, 1973, S. 1364 f.
  • Breuer, Isaac, in: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren, Band 4, 1996, S. 27–37
  • Breuer, Isaak, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Bd.1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München : Saur 1980, S. 93 f.
  • Lexikon des Judentums. Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 117.
  • Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918-1945. Herausgegeben vom Leo Baeck Institute, Jerusalem. Saur, München 1988 ISBN 3-598-10477-4.
  • Matthias Morgenstern: Von Frankfurt nach Jerusalem. Isaac Breuer und die Geschichte des Austrittsstreits in der deutsch-jüdischen Orthodoxie. Mohr & Siebeck, Tübingen 1995, ISBN 3-16-146510-5.
  • Matthias Morgenstern: Die Heimkehr des Enkels. Isaac Breuer und sein umstrittenes Erbe. In: Judaica. Beiträge zum Verstehen des Judentums. Heft 3, 1998, S. 165–179.
  • Matthias Morgenstern: Jüdisch-orthodoxe Wege zur Bibelkritik. In: Judaica. Beiträge zum Verstehen des Judentums. Heft 3, 2000, S. 178–192; Heft 4, 2000, S. 234–250.
  • Matthias Morgenstern: Zwischen „Krieg und Frieden“ und „Im Westen nichts Neues“. Zwei Antikriegserzählungen aus dem jüdisch-orthodoxen Frankfurter Ostend. In: Klaus Herrmann, Margarete Schlüter, Giuseppe Veltri (Hrsg.): Jewish Studies Between the Disciplines/Judaistik zwischen den Disziplinen. Papers in Honor of Peter Schäfer on the Occasion of His 60th Birthday. Leiden/Boston 2003, S. 405–420.
  • Asher D. Biemann: Isaac Breuer: Zionist Against His Will? In: Modern Judaism. Bd. 20, 2. Mai 2000, S. 129–146 (Exzerpt auf Project MUSE).
  • Christian Kraft: Aschkenas in Jerusalem : Die religiösen Institutionen der Einwanderer aus Deutschland im Jerusalemer Stadtviertel Rechavia (1933-2004) - Transfer und Transformation. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 2014

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Jacob Breuer, Staatsanwalt beim Eichmann-Prozess, siehe en:Jacob Breuer
  2. Ursula Merkin, siehe en:Ursula Merkin
  3. Angaben zur Familie bei Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration, 1980
  4. Christian Kraft: Aschkenas in Jerusalem, 2014, S. 208


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Isaac Breuer aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.