Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Interpolationstheorie

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Interpolationstheorie ist eine bibelwissenschaftliche Theorie, nach der bestimmte Teile des Bibeltextes von Bearbeitern nachträglich ein- und hinzugefügt („interpoliert“) oder die urbiblischen Texte korrigiert[1] wurden.

Beispiele

  • Das sogenannte Comma Johanneum ist ein Satzteil im 1. Johannesbrief (1. Joh 5,7-8), der die Trinitätslehre biblisch ausdrücklich belegen würde. In den Handschriften taucht er erst um 380 n. Chr. auf.
  • Der Zwischensatz in der Endzeitrede Jesu (Matthäus 24,15-16, parallel in Markus 13,14) gilt als sekundär. Dort heißt es: „Wenn ihr nun das Gräuelbild der Verwüstung an der heiligen Stätte stehen seht, von dem der Prophet Daniel spricht — wer das liest, der merke auf! –, dann sollen die in Judäa in die Berge fliehen.“ (Mt 24,15-16 EU)
Der Zwischensatz ist ein Aufruf an den Leser der inzwischen niedergeschriebenen Geschichte. Er wurde entweder bewusst in den Text hineingesetzt (Interpolation) oder als Randbemerkung (Glosse) von einem frühen Kopisten einer Evangelienhandschrift neben den Text geschrieben. Im letzteren Fall dürfte die Glosse bei einer erneuten Abschrift versehentlich in den Bibeltext hineingeraten sein.
  • Die Textstelle im ersten Brief des Paulus an die Korinther (1 Kor. 14,34), in der er die Frauen zum Schweigen in den kirchlichen Versammlungen verpflichtet, soll erst im Jahre 120 nachträglich in den Brief eingefügt worden sein. Da der erste Brief an die Korinther auf 55/56 n. Chr. zu datieren ist[2] und Paulus spätestens im Jahre 65 n. Chr. in Rom sein Ende fand, wäre eine Einfügung um das Jahr 120 natürlich eine Interpolation.

Kritik: Für diese Behauptung von Theologen wie J.W. Straatman oder A.D. Loman[3] gibt es keinen Anhaltspunkt in der handschriftlichen Überlieferung, vgl. Textkritik des Neuen Testaments. Sie speist sich aus inhaltlichen Überlegungen, was der Apostel gesagt haben könne. – Die Anweisung lässt sich im Zusammenhang der übrigen Mahnungen zur Ordnung in der zum Chaos neigenden Gemeinde in Korinth verstehen, nämlich als Weisung zu schweigen und nicht zu reden, wenn andere reden oder etwas auslegen.[4]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Andrea Lauritsch:Ivan Klíma/Ernst Schafer, LIT Verlag Münster, 2010, ISBN 3643501927, Seite 138
  2. http://www.welt-der-bibel.de/bibliographie.1.2.erste_Brief_Paulus_Korinther.55.html
  3. Die so genannte "holländische Radikalkritik" im Anschluss an die Tübinger Schule, vgl. Louis Berkhof: Introduction to the New Testament (PDF; 897 kB), Grand Rapids 2004, S. 6f.
  4. Catherine C. Kroeger, Richard Kroeger: "Pandemonium and Silence ar Corinth", The Reformed Journal, 1978, S. 9-10.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Interpolationstheorie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.