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Intergovernmental Committee on Refugees

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Das Intergovernmental Committee on Refugees (ICR) – seltener auch als Intergovernmental Committee on Political Refugees oder auch Comité d'Évian bezeichnet, abgekürzt meist IGC, teils auch IGCR – wurde 1938 durch die Konferenz von Évian gebildet, um in Verhandlungen weitere Einreisekontingente für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich zu schaffen, sowie eine geordnete Ausreise mit deutschen Stellen abzustimmen.

Zusammensetzung

Das ICR setzte sich zusammen aus Regierungsvertretern, die von den meisten der an der Konferenz beteiligten 32 Staaten entsandt wurden. Informell bildete sich aus diesem Kreis ein Rat aus sechs Mitgliedern, von denen Lord Winterton (Großbritannien), Henri Bérenger (Frankreich) und Myro C. Taylor (USA) führend hervortraten. Mit den eigentlichen Verhandlungen wurde ein Direktorium betraut, das von den beiden Amerikanern George Rublee und Robert Pell geleitet wurde.

Rublee, der seine Mitwirkung auf sechs Monate begrenzt hatte, wurde vom vormaligen Hochkommissar für Flüchtlingsfragen beim Völkerbund ersetzt, dem Briten Herbert Emerson.

Erste Kontakte

Bereits vier Tage bevor das ICR am 6. August 1938 zu einer ersten Sitzung zusammentraf, fragte der britische Botschafter Nevile Henderson offiziell bei Staatssekretär Ernst von Weizsäcker an, ob er die Verhandlungsführer empfangen wolle. Zweck der angestrebten Besprechung sei die Schaffung „…einer geordneten Grundlage für den Abtransport von Juden ins Ausland…“[1]. Weizsäcker lehnte Verhandlungen ab und verwies auf den Misserfolg der Konferenz von Évian, die keine nennenswerten Aufnahmekontingente geschaffen habe. Deutschland sei nicht willens und in der Lage, den Flüchtlingen Devisen mitzugeben. Ebenso erfolglos blieben die Ersuchen der Botschafter der Vereinigten Staaten und Frankreichs.

Nach den Novemberpogromen 1938 wandelte sich die Gesprächsbereitschaft der deutschen Seite. Hermann Göring wollte „die jüdische Auswanderung“ mit allen Mitteln fördern und ließ Reinhard Heydrich eine „Reichszentrale für jüdische Auswanderung“ in Berlin schaffen (Januar/Februar 1939). Es kam durch Mittelsmänner zu informellen Kontakten, die vertraulich behandelt wurden. Hjalmar Schacht reiste mit Hitlers Einverständnis im Dezember 1938 nach London, wo er sich „als Privatmann“ mit Rublee traf.

Deutsche Vorschläge

Auch im SD-Hauptamt war man zu dieser Zeit zur Einsicht gekommen, dass selbst bei günstigsten Bedingungen vermutlich 200.000 Juden wegen Alter und Krankheit „nicht auswanderungsfähig“ seien. Die Unterstützungskosten für die im Reich zurückbleibenden Juden sollten möglichst von Glaubensgenossen aus dem Ausland, ersatzweise durch beschlagnahmte Vermögenswerte der Flüchtlinge aufgebracht werden.[2]

Schacht unterbreitete Rublee einen konkreteren Plan. Binnen der nächsten fünf Jahre sollten alle erwerbsfähigen Juden Deutschland verlassen. Ihr Vermögen sollte beschlagnahmt und die Mittel hauptsächlich für den Unterhalt der noch in Deutschland verbleibenden älteren Juden benutzt werden. Ein Viertel der Erlöse sollte in einen Treuhandfonds gehen, der allerdings erst bei guter Devisenlage transferiert werden könne. Rublee sollte den Regierungsvertretern des ICR vorschlagen, die Devisen für das „Vorzeigegeld“ von zunächst 150.000 Emigranten vorzuschießen.

Am 20. Januar 1939 wurde Schacht als Reichsbankpräsident entlassen. Rublee traf sich jedoch bereits am nächsten Tag mit Hermann Göring, der sich informiert zeigte und den Ministerialdirigenten Helmuth Wohlthat mit der Fortführung der Gespräche betraute.

Reaktionen

Joachim von Ribbentrop, der sich von Schacht übergangen fühlen konnte, stand dem Plan eher ablehnend gegenüber und wollte die Vermögenswerte einbehalten. Auch Reinhard Heydrich, der seit dem 24. Januar 1939 die „Reichszentrale für die jüdische Auswanderung“ leitete, wollte sich nicht auf diese Planung verlassen. Er beabsichtigte, eine „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ zu schaffen und diese wie die internationalen jüdischen Hilfsorganisationen für die Devisenbeschaffung und Einwanderungsgenehmigungen in die Pflicht zu nehmen.

Tatsächlich beschränkten sich die Regierungsvertreter des ICR in ihrer Sitzung Mitte Februar 1939 auf die unverbindlichen Aussagen, die „Möglichkeiten zur ständigen Aussiedlung ‚unfreiwilliger Aussiedler’ aus Deutschland … zu fördern“ und die Finanzierungspläne „zur Kenntnis“ zu nehmen. [3] Konkrete Zusagen fehlten. Zwar wurden Ländernamen wie Madagaskar genannt und vier Kommissionen in mögliche Aufnahmeländer geschickt. Doch im April 1939 stellte das ICR fest, dass nur landwirtschaftliche Arbeiter und einige Spezialisten sowie Kapitalgeber erwünscht wurden; keinesfalls dürfe der eigene Arbeitsmarkt belastet werden.

Während die langwierigen Gespräche mit deutschen Stellen weiter andauerten, konnte Heydrich auf seinen Erfolg hinweisen, binnen dreier Monate fast 20.000 Juden aus Deutschland geschafft zu haben. Wenige Monate später durchkreuzte der Beginn des Zweiten Weltkrieges die unausgereiften Pläne des ICR.

Weitere Aktivitäten

Die Suche nach Zufluchtsorten blieb erfolglos und das ICR stellte seine Arbeit in den ersten Kriegsjahren ein, ohne indes die Organisation aufzulösen. Bei der Bermuda-Konferenz, die am 19. April 1943 von den Vereinigten Staaten und Großbritannien einberufen wurde und Probleme der Kriegsflüchtlinge lösen sollte, wurde beschlossen, das ICR zu reaktivieren. Zur Rettung jüdischer Flüchtlinge konnte sie zu dieser Zeit jedoch kaum etwas bewirken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte das ICR für Displaced Persons. Im Juni 1947 stellte das ICR diese Arbeit ein und wurde aufgelöst.

Siehe auch

Harrison-Report

Literatur

  • Magnus Brechtken: „Madagaskar für die Juden“. Antisemitische Idee und politische Praxis 1885-1945. München 1997, ISBN 3-486-56240-1.
  • Hans Jansen: Der Madagaskar-Plan. Die beabsichtigte Deportation der europäischen Juden nach Madagaskar. München 1997, ISBN 3-7844-2605-0.
  • Insa Meinen, Ahlrich Meyer: Verfolgt von Land zu Land: Jüdische Flüchtlinge in Westeuropa 1938–1944. Schöningh, Paderborn 2013, ISBN 978-3-506-77564-1.
  • Ralph Weingarten: Die Hilfeleistung der westlichen Welt bei der Endlösung der deutschen Judenfrage. Das Intergovernmental Committee on Political Refugees (IGC) 1938-1939. Bern u.a. 1983 (nicht eingesehen)
  • Enzyklopädie des Holocaust (hrsg. von Israel Gutman u. a.), München o.J., ISBN 3-492-22700-7 (Stichwort in Band 2).
  • Rolf Vogel (Bearb.): Ein Stempel hat gefehlt. Dokumente zur Emigration deutscher Juden. München/Zürich 1977, ISBN 3-426-05602-X darin: Wohlthat-Plan S. 247ff.

Einzelnachweise

  1. Magnus Brechtken: "Madagaskar für die Juden"... München 1997, S. 195.
  2. Magnus Brechtken: "Madagaskar für die Juden"... München 1997, S. 190.
  3. Magnus Brechtken: „Madagaskar für die Juden“.... München 1997, S. 215.

Weblinks


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